Ötzi-Hefe: Forscher stellen Sauerteig aus 5300 Jahre alter Mumie her
Ötzi-Hefe: Sauerteig aus 5300 Jahre alter Mumie hergestellt

Berlin. Forschern ist es gelungen, uralte Hefen von der Haut der berühmten Eismumie Ötzi zu reaktivieren und daraus einen funktionsfähigen Sauerteig herzustellen – mit überraschendem Ergebnis. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Microbiome“ veröffentlicht.

Uralte Hefe aus Ötzis Haut gewonnen

Die Wissenschaftler isolierten Hefepilze, die nach Ötzis Ermordung vor rund 5300 Jahren in seine Haut eingedrungen waren. Trotz der jahrtausendelangen Lagerung im Eis und der anschließenden Aufbewahrung bei minus sechs Grad Celsius in einer Kühlkammer überlebten die Sporen und besiedelten weiterhin die mumifizierten Überreste. Den Forschern gelang es, vier kälteangepasste Hefestämme zu kultivieren und so weiterzuentwickeln, dass sie als Grundlage für einen Sauerteig dienen konnten. Der Teig eignete sich sogar zum Backen von Brot.

Potenzial für die Fermentationsindustrie

Mohamed Sarhan, Erstautor der Studie und Mikrobiologe am Eurac Forschungsinstitut für Mumienkunde in Italien, erklärte, dass der hergestellte Teig ausgesprochen gut gelungen sei. Die entdeckten Hefen zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Kälteresistenz aus, was sie für die moderne Fermentationsindustrie interessant macht – etwa bei der Herstellung von Brot oder Bier. Gleichzeitig untersuchen die Wissenschaftler, ob die Mikroorganismen Auswirkungen auf den Erhaltungszustand der Eismumie haben könnten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Faszination Ötzi

Ötzi, der 1991 von Wanderern in den Ötztaler Alpen entdeckt wurde, ist eines der bedeutendsten Forschungsobjekte der Archäologie. Er war Opfer eines Gewaltverbrechens. Untersuchungen seines Mageninhalts zeigten, dass er kurz vor seinem Tod Steinbockfleisch, Rotwild und Weizen verzehrt hatte. Zudem identifizierten Forscher Darmmikroorganismen, die heute vor allem bei den Hadza-Jäger- und Sammlergemeinschaften in Tansania sowie bei Bewohnern der Regenwälder im Nordosten Madagaskars vorkommen.

Bereits 2019 begannen die Wissenschaftler mit einer umfassenden Analyse des Mikrobioms der Eismumie. Dabei zeigte sich, dass das Darmmikrobiom sich deutlich von der mikrobiellen Zusammensetzung der Haut unterschied. Das Hautmikrobiom wurde durch die Konservierungstechniken direkt beeinflusst.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration