Ötzi-Hefe: Ein kulinarisches Experiment aus der Steinzeit
Rund 5300 Jahre nach dem Tod von Ötzi haben Forscher Hefe im Darm des Gletschermanns gefunden und daraus Brot gebacken. Eine in der Fachzeitschrift „Microbiome“ veröffentlichte Studie eines italienischen Teams zeigt, dass sowohl alte als auch neue Mikroorganismen in dem gefrorenen Körper aktiv blieben. „Was wir nicht erwartet hatten, war Hefe“, sagte der leitende Autor Mohamed Sarhan vom Eurac-Forschungsinstitut in Bozen.
Vier Hefearten entdeckt
Die Experten fanden vier verschiedene Hefen, die Minustemperaturen überleben können, in Ötzis Darm, auf seiner Haut und im abtropfenden Wasser. Diese Hefen leben normalerweise nur in extrem kalten Umgebungen wie der Antarktis oder den Alpen. Daher wird angenommen, dass sie erst nach seinem Tod in den Körper gelangten. „Diese Hefepilze haben Ötzi auf seiner langen Reise durch die Jahrtausende begleitet“, erklärte Co-Autor Frank Maixner.
Vom Labor in den Kühlschrank
Die Wissenschaftler vermehrten die Darmhefe in einem Kühlschrank. „Wenn man jemandem erzählt, dass man Hefe hat, wird sofort gefragt: Kann man damit Brot backen?“, sagte Sarhan. Also versuchten sie, ein Sauerteigbrot herzustellen. Anfangs scheiterte der Versuch, doch nach drei Monaten „hatten wir einen sehr, sehr guten Sauerteig“, so Sarhan lachend. Auf die Frage nach Bierbrauen antwortete er: „Das steht auf der Liste.“
Ernstere Anwendungen
Die Studie zeigt auch praktischere Einsatzmöglichkeiten. Bei der Bergung 1991 wurde Ötzi zunächst wie eine normale Leiche behandelt, und das Desinfektionsmittel Phenol verhinderte Pilzwachstum. Doch die Hefe konnte Phenol abbauen. Dies könnte laut den Forschern helfen, die Chemikalie in kontaminierten Umgebungen abzubauen.
Weitere Überraschungen
Die Hefe war nicht der einzige Fund. Eine Analyse von Ötzis Mikrobiom ergab ein Darmbakterium, das bei modernen Menschen fast verschwunden ist. Es kommt noch in Afrika und Südamerika vor, aber nicht mehr in Industrienationen. Ötzi wurde 1991 von zwei Deutschen in einem Gletscher in den italienischen Alpen entdeckt und ist seitdem eine archäologische Sensation.



