Ein mehr als 500 Jahre altes Rätsel um den Tod zweier Medici-Brüder ist gelöst: Francesco I. de Medici und sein Bruder Giovanni starben an Malaria und nicht an einer Arsenvergiftung. Das belegt eine aktuelle DNA-Analyse historischer Proben.
Jahrhundertealte Spekulationen um den Tod der Medici-Brüder
Der Tod von Kardinal Giovanni de Medici (gestorben 1562) und Großherzog Francesco I. de Medici (gestorben 1587) beschäftigte Historiker und Mediziner seit Jahrhunderten. Immer wieder wurde spekuliert, ob die Brüder einem gezielten Mord durch Arsenvergiftung zum Opfer fielen oder an einer damals in Italien weit verbreiteten Infektionskrankheit starben. Eine aktuelle Untersuchung auf der Grundlage moderner DNA-Analysen hat dieses historische Rätsel endgültig lösen können.
Die Familie Medici zählt zu den einflussreichsten Dynastien der europäischen Neuzeit. Ihren Reichtum, der vor allem auf erfolgreichen Bankgeschäften beruhte, nutzte sie im 15. und 16. Jahrhundert gezielt, um ihre politische und dynastische Macht auszubauen. Aus der Familie gingen zahlreiche Herzöge, vier Päpste sowie zwei Königinnen von Frankreich hervor. Mit dem wachsenden Einfluss der Medici mehrten sich jedoch auch Gerüchte über Intrigen und Machtkämpfe. Als Großherzog Cosimo I. innerhalb von 25 Jahren fünf Angehörige seiner Familie verlor, entstand der Verdacht, die Todesfälle seien durch Arsenvergiftungen herbeigeführt worden. Die Hofärzte führten die Erkrankungen dagegen auf Malaria zurück.
DNA-Analyse beweist Malaria-Infektion
Da sich die tatsächliche Todesursache über Jahrhunderte nicht zweifelsfrei klären ließ, unterzogen Forscher historische Proben einer modernen DNA-Analyse. Dabei gelang der Nachweis eines ungewöhnlichen, genetisch veränderten Stammes des Malariaerregers. Im Rahmen einer aktuellen Studie, über die „LiveScience“ berichtet, gelang Wissenschaftlern der Nachweis von DNA des Parasiten Plasmodium falciparum, der die schwerste und häufig tödlich verlaufende Form der Malaria verursacht und vor allem durch Stechmücken übertragen wird.
„Nun können wir mit wissenschaftlicher Gewissheit sagen, dass Malaria und nicht eine Vergiftung Großherzog Francesco de Medici das Leben gekostet hat“, erklärte die Medizinhistorikerin und Mitautorin der Studie, Valentina Giuffra von der Universität Pisa. Die Analysen ergaben zudem, dass Francesco I., der im Jahr 1587 im Alter von 46 Jahren gemeinsam mit seiner Ehefrau starb, zusätzlich mit Plasmodium malariae infiziert war, einer weiteren Parasitenart, die beim Menschen Malaria auslöst. Sein Bruder, Kardinal Giovanni de Medici, der bereits 1562 im Alter von 19 Jahren im selben Monat wie seine Mutter und sein jüngerer Bruder Garzia verstarb, wies dagegen ausschließlich eine Infektion mit Plasmodium falciparum auf.
Genetische Mutationen und historischer Kontext
Der identifizierte Erreger gehört zu einer Linie, die bereits aus dem antiken und frühneuzeitlichen Europa bekannt ist, besitzt jedoch zwei bislang unbekannte genetische Mutationen. Malaria war in der von ausgedehnten Sumpfgebieten geprägten Toskana der frühen Neuzeit weit verbreitet. Da sich die Familie Medici regelmäßig in diesen Regionen aufhielt, erscheint das gehäufte Auftreten der Todesfälle innerhalb kurzer Zeit aus epidemiologischer Sicht plausibel. Die neuen genetischen Befunde sprechen daher deutlich gegen die lange vertretene Annahme einer gezielten Arsenvergiftung und stützen stattdessen eine natürliche Todesursache infolge einer Malariainfektion.
Bedeutung für die Wissenschaft
Nach Ansicht der Forschenden besitzt die Untersuchung historischer DNA über den konkreten Einzelfall hinaus eine große wissenschaftliche Bedeutung. Alexander Ochoa, Evolutionsbiologe an der Yale University, betont, dass die Identifizierung alter Malariaerreger wertvolle Einblicke in deren Evolution ermöglicht. Ein besseres Verständnis der genetischen Veränderungen von Plasmodium falciparum könne dazu beitragen, die langfristige Anpassung und Entwicklung dieses bedeutenden Krankheitserregers nachzuvollziehen.



