Start-up aus MV entwickelt KI-Drohnen zur Wolfsabwehr: Tierfreundlicher Herdenschutz im Test
MV-Start-up testet KI-Drohnen für tierfreundliche Wolfsabwehr

Innovative Technologie aus Mecklenburg-Vorpommern: KI-Drohnen schützen Weidetiere vor Wölfen

Ein innovatives Gründerduo aus Wismar hat ein revolutionäres Abwehrsystem entwickelt, das die zunehmenden Wolfsattacken auf Nutztiere eindämmen soll. Das Start-up Pax Lupus setzt dabei auf moderne Technologie: Künstliche Intelligenz und autonome Drohnen sollen Wölfe von Schafherden und anderen Weidetieren fernhalten, ohne die Raubtiere zu verletzen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt dieses vielversprechende Projekt mit einer Green Start-up-Förderung in Höhe von 125.000 Euro.

Wie das intelligente Abwehrsystem funktioniert

Das neuartige System kombiniert stationäre Überwachungstechnik mit mobilen Abwehreinheiten. Auf der Weide werden Masten mit hochsensiblen Kameras und Sensoren installiert, die einen Radius von bis zu 200 Metern rund um die Uhr überwachen. „Sobald sich ein Wolf der Herde nähert, startet automatisch eine Drohne und fliegt das Tier gezielt an“, erklärt Firmengründer Karsten Schmiegel. Die Drohne setzt dabei auf Vergrämungsmethoden, die den Wolf vertreiben, ohne ihn zu verletzen.

Die Künstliche Intelligenz des Systems kann laut den Gründern zuverlässig zwischen Wölfen, anderen Wildtieren und Menschen unterscheiden. „Weder Alarm noch Drohne werden bei anderen Weidebesuchern ausgelöst“, versichert Mitgründerin Anna-Karina Katt. Bei verfügbarer Netzabdeckung erhalten Schäfer zudem Echtzeit-Benachrichtigungen über ihre Smartphones und können über Kameras die Situation live verfolgen.

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Vorteile gegenüber traditionellen Schutzmethoden

Bisherige Herdenschutzmaßnahmen zeigen nach Ansicht der Gründer erhebliche Schwächen:

  • Herdenschutznetze aus Kunststoff sind kurzlebig und produzieren nicht recycelbaren Müll
  • Zäune und Netze können sich für andere Wildtiere wie Rehe oder Füchse als tödliche Fallen erweisen
  • Der Einsatz von Herdenschutzhunden ist personalintensiv und kostspielig
  • Stationäre Barrieren schränken die Bewegungsfreiheit der Weidetiere ein

Das Drohnensystem von Pax Lupus setzt dagegen auf gezielte, situationsabhängige Abwehrmaßnahmen. Statt dauerhafter Barrieren werden Wölfe nur dann vergrämt, wenn sie tatsächlich eine Gefahr darstellen. Dies reduziert nicht nur den Materialaufwand, sondern schont auch die Umwelt.

Wachsende Wolfsbestände erhöhen Handlungsbedarf

Die Entwicklung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. In Mecklenburg-Vorpommern leben mittlerweile 28 Wolfsrudel – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 19 Rudeln im Vorjahr. Die Zahl der Wolfsangriffe auf Weidetiere hat sich entsprechend erhöht: 2025 wurden 77 mutmaßliche Attacken registriert, bei denen 424 Tiere getötet und 39 verletzt wurden. Diese Zahlen verdeutlichen den dringenden Bedarf an effektiven, aber tierfreundlichen Schutzmaßnahmen.

Die jüngste Attacke eines Jungwolfs auf eine Frau in der Hamburger Innenstadt hat die Debatte um den Umgang mit den Raubtieren zusätzlich angeheizt. Während das betroffene Tier inzwischen in Niedersachsen wieder ausgewildert wurde, wachsen die Sorgen der Bevölkerung vor den expandierenden Wolfsbeständen.

Testphase und zukünftige Anwendungsmöglichkeiten

In diesem Jahr beginnt die Testphase des innovativen Systems. Pax Lupus sucht derzeit Pilotbetriebe in norddeutschen Wolfsregionen, die einzelne Systemkomponenten und einen Prototyp auf ausgewählten Flächen erproben sollen. Die DBU-Förderung ermöglicht dabei nicht nur die technische Entwicklung, sondern auch umfangreiche Feldtests und den Nachweis der Praxistauglichkeit.

Das Potenzial des Systems geht weit über den Schutz von Schafherden hinaus. Die Gründer sehen Anwendungsmöglichkeiten für verschiedene Weidetiere:

  1. Schutz von Kühen vor Wolfsattacken
  2. Bewachung von Pferdeweiden
  3. Sicherung von Hühnerhaltungen

Zudem ließe sich das System nach Angaben der Entwickler auf weitere Raubtiere trainieren, etwa Füchse oder Kojoten. „In freier Natur brauchen wir Schutzmechanismen für das Nebeneinander von Wild- und Nutztieren“, betont DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft müsse sowohl mit Wildtieren umgehen können als auch den Herdenschutz gewährleisten.

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Das Start-up Pax Lupus, das im vergangenen Jahr beim regionalen Ausscheid des Ideenwettbewerbs Inspired in Wismar überzeugen konnte, könnte mit seiner innovativen Technologie einen wichtigen Beitrag zu diesem Ziel leisten. Die Kombination aus modernster Drohnentechnik und Künstlicher Intelligenz verspricht einen effektiven, umweltfreundlichen und tiergerechten Herdenschutz für die Weidewirtschaft von morgen.