Deutsche Spectrum-Rakete: Zweiter Testflug am Donnerstag nach Fischer-Stopp
Die europäische Raumfahrtindustrie strebt nach mehr Unabhängigkeit. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung könnte am Donnerstag gelingen: Das bayerische Unternehmen Isar Aerospace plant den zweiten Testflug der deutschen Weltraumrakete „Spectrum“. Das Zeitfenster für den Start öffnet sich um 22.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya aus. Die Vorbereitungen werden live ab 21.00 Uhr auf YouTube übertragen.
Fischer verhinderte ersten Startversuch
Ein bereits für Ende März geplanter Startversuch musste im letzten Moment abgebrochen werden. Der norwegische Fischer Olafur Einarsson war mit seinem Boot in die maritime Sicherheitszone um den Weltraumbahnhof Andøya gefahren und hatte diese nicht rechtzeitig verlassen. Dieser Vorfall unterstreicht die komplexen logistischen Herausforderungen bei Raketenstarts in bewohnten Küstenregionen. Lokale Fischer fürchten um ihre traditionellen Fanggründe, was zu weiteren Konflikten führen könnte.
Große Hoffnungen auf die Spectrum-Rakete
Auf der „Spectrum“-Rakete ruhen erhebliche Erwartungen. Nach Erreichen der Serienreife soll sie sowohl zivile als auch militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen in wenigen hundert Kilometern Höhe transportieren. Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler betont, dass das Unternehmen bereits jetzt bis zum Jahr 2028 ausgebucht ist – obwohl die Rakete noch nicht serienreif ist. Dies zeigt das enorme Marktinteresse an europäischen Startkapazitäten.
Europas Abhängigkeit von SpaceX
Derzeit ist Europa vor allem auf das US-Unternehmen SpaceX des Milliardärs Elon Musk angewiesen, um Satelliten ins All zu befördern. Metzler verweist auf die deutlichen Disparitäten: „Die USA starteten im vergangenen Jahr 198 Raketen, der Rest der Welt 124, Europa lediglich acht.“ Die Spectrum-Rakete könnte dabei helfen, diese Abhängigkeit zu verringern und Europas Position im globalen Raumfahrtmarkt zu stärken.
Erster Testflug brachte wertvolle Erkenntnisse
Der erste Testflug der Spectrum-Rakete fand vor gut einem Jahr, am 30. März 2025, statt. Nach nur 30 Sekunden stürzte der Flugkörper ins Meer. Dennoch wurde dieser Flug als Erfolg gewertet, da wichtige technische Erkenntnisse für die weitere Entwicklungsarbeit gewonnen werden konnten. Diese Erfahrungen fließen nun in die Vorbereitungen für den zweiten Testflug ein.
Der Weltraumbahnhof Andøya liegt an der Küste der gleichnamigen Insel im Norden Norwegens und bietet ideale Bedingungen für polare Umlaufbahnen. Die Region steht jedoch vor dem Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und traditioneller Fischerei. Der anstehende Testflug am Donnerstag wird nicht nur technologisch, sondern auch politisch und ökonomisch genau beobachtet werden.



