Prada stattet Nasa-Astronauten mit Luxus-Unterwäsche für Mondmission aus
Prada: Luxus-Unterwäsche für Nasa-Astronauten

Berlin. Prada rüstet Nasa-Astronauten für den Mond aus: Eine neue Unterwäsche soll kühlen und schützen – und markiert den Beginn einer ungewöhnlichen Partnerschaft. Von Eileen Wagner, Freie Mitarbeiterin

Prada und Axiom Space präsentieren High-Tech-Unterwäsche für den Mond

Für wen wäre Luxus besser geschaffen als für jene, die im 21. Jahrhundert noch das Unmögliche versuchen? Astronauten sind keine Superhelden im klassischen Sinn, aber sie kommen ihnen näher als fast alle anderen: Sie verlassen die Erde, arbeiten in völliger Abhängigkeit von Technik und tragen Anzüge, die nicht weniger sind als mobile Lebensräume. So gesehen wirkt es fast folgerichtig, dass das italienische Modehaus Prada am Sonntag jene Unterwäsche vorgestellt hat, die Nasa-Astronauten auf ihrem Weg zurück zum Mond tragen sollen. Und auch die Innenschicht hat, trotz aller technischen Nüchternheit, beinahe etwas Superheldenhaftes: Ihr entscheidendes Element ist das sogenannte Liquid Cooling and Ventilation Garment, kurz LCVG. Prada und Axiom Space nennen es die „hochleistungsfähige Innenschicht“ des neuen Mondanzugs. Sie solle die Astronauten „vor den Elementen schützen“, wenn sie zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren wieder die Mondoberfläche erkunden.

Hintergrund: Nasa-Mondmission 2028 und die Rolle von Prada

Der nun präsentierte Entwurf kommt nicht aus dem Nichts. Bereits 2024 hatten Prada und das US-Raumfahrtunternehmen Axiom Space Entwürfe für neue Nasa-Weltraumanzüge vorgestellt. Getragen werden sollen sie bei der geplanten Mondlandung im Jahr 2028; abgeschlossen ist ihre Entwicklung bislang nicht. Dass Prada nun auch die darunterliegende Schicht mitentwickelt, sei daher der nächste Entwicklungsschritt gewesen, teilten das Modehaus und Axiom Space mit. Entworfen wurde der Ganzkörperanzug den Angaben zufolge mithilfe fortschrittlicher 3D-Modellierungstechnik. Der Körper und seine Bewegungen lassen sich dabei digital nachbilden, bevor ein Kleidungsstück produziert wird. So lässt sich genauer planen, wo Schläuche, Nähte und flexible Zonen verlaufen müssen. Das sei laut dem Modehaus entscheidend, weil Astronauten sich in einem Raumanzug nicht frei bewegen können wie in normaler Kleidung. Schon einfache Bewegungen kosten Kraft.

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Funktionsweise: Kühlung und Belüftung im Raumanzug

Die Unterwäsche soll deshalb nicht nur technisch funktionieren, sondern auch lange Einsätze erträglicher machen. Denn wenn Prada und Axiom Space von Weltraumspaziergängen von bis zu acht Stunden sprechen, ist damit kein schwereloser Ausflug gemeint. Es geht um anstrengende Arbeit in einer lebensfeindlichen Umgebung, bei der der Körper permanent gekühlt, belüftet und geschützt werden muss. Das Material sei deshalb so widerstandsfähig, dass es auch bei längeren Missionen mehrfach getragen werden könne.

Besonders wichtig ist dabei die Kühlung. Astronauten erzeugen während eines Außeneinsatzes erhebliche Wärme, schon durch ihren normalen Stoffwechsel und die körperliche Arbeit im Anzug. Auf der Erde kann der Körper Wärme vergleichsweise einfach an die Umgebung abgeben. Im Raumanzug ist das deutlich komplizierter, weil er den Menschen vollständig von seiner Umgebung abschirmt. Deshalb lässt das LCVG kaltes Wasser durch ein Netz dünner Schläuche zirkulieren, die entlang wichtiger Muskelgruppen verlaufen. Die Flüssigkeit nimmt die Körperwärme auf und führt sie zum tragbaren Lebenserhaltungssystem des Anzugs ab. Dieses System ist gewissermaßen der technische Rucksack des Astronauten: Es liefert Sauerstoff, reguliert Temperatur und Druck und hilft dabei, Kohlendioxid aus der Atemluft zu entfernen. Von dort wird die aufgenommene Wärme ins All abgegeben. Sollte der Kühlkreislauf ausfallen, gebe es laut den Entwicklern ein zusätzliches Backup-System.

Zugleich übernimmt die Unterwäsche eine Belüftungsfunktion. Ein separater Schlauchkreis leitet frischen Sauerstoff über das Gesicht des Astronauten und hilft, ausgeatmetes Kohlendioxid kontinuierlich abzutransportieren. Anschließend wird das Gas durch einen CO2-Wäscher im Lebenserhaltungssystem geführt. Gemeint ist ein Filtersystem, das Kohlendioxid aus der Atemluft entfernt. Danach kann der Sauerstoff wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden.

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Strategie: Warum eine Luxusmarke in der Raumfahrt aktiv wird

Stellt sich trotzdem die Frage: Was sucht eine Luxusmarke überhaupt in der Raumfahrt? Dass sich Modehäuser von ihr inspirieren lassen, ist zwar nicht neu. Silberne Stoffe, futuristische Schnitte und Helmästhetik gehören seit Jahrzehnten zum Repertoire der Mode. Doch Prada geht nun einen Schritt weiter. Thomai Serdari, Marketingprofessorin an der Stern School of Business der New York University, sagte dem „Spiegel“, Prada sei „über die Inspiration hinaus zu einer tatsächlichen Partnerschaft übergegangen“. Serdari sieht zwei Gründe für Pradas Interesse an der Raumfahrt. Einerseits könne die Marke Zugang zu einer wohlhabenden Kundschaft gewinnen, für die private Weltraumreisen nicht mehr völlig abwegig sind. Andererseits verbinde sich Prada durch die Zusammenarbeit mit einem Image von Avantgarde, Ingenieurskunst und Zukunftsdenken.

Prada ist mit diesem Vorstoß nicht allein. Auch andere Mode- und Sportmarken suchen inzwischen die Nähe zur Raumfahrtindustrie. Der US-Sportartikelhersteller Under Armour arbeitete bereits mit Virgin Galactic an Kleidung für Weltraumreisende. Columbia Sportswear wiederum kooperiert mit Intuitive Machines an Textiltechnologien für den Einsatz im All. Die Grenze zwischen Mode, Funktionskleidung und Raumfahrttechnik wird damit zunehmend durchlässig.