Tokio – In einer historischen Marktverschiebung hat Softbank am Montag Toyota als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen Japans abgelöst. Die Aktien des Technologiekonzerns kletterten im Tokioter Handel zeitweise um bis zu zehn Prozent, während die Papiere des Autobauers um bis zu 4,9 Prozent nachgaben. Mit einer Marktkapitalisierung von über 46 Billionen Yen – umgerechnet rund 247 Milliarden Euro – übertrifft Softbank nun knapp Toyotas Wert von etwa 45,8 Billionen Yen.
KI-Boom als Treiber
Der Hauptgrund für diesen Aufstieg ist der weltweite KI-Boom. Berichte über bevorstehende US-Börsengänge aus dem Portfolio von Softbank haben die Kurse von KI-Unternehmen zuletzt beflügelt. Softbank-Chef Masayoshi Son nutzt diesen Rückenwind geschickt, um sein Unternehmen an die Spitze zu katapultieren. Seit Jahresbeginn hat der Softbank-Kurs um mehr als 80 Prozent zugelegt, während Toyota über zehn Prozent seines Börsenwertes eingebüßt hat.
Erster Führungswechsel seit 20 Jahren
Damit kommt es erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten zu einem Führungswechsel an der Tokioter Börse. Zuletzt gelang Softbank dies kurzzeitig auf dem Höhepunkt der japanischen Internetblase im Jahr 2000. Analysten sehen hinter dem Kursanstieg vor allem eine neue Welle von Erwartungen rund um US-Börsengänge aus dem Softbank-Portfolio.
„Dieses epochale Ereignis symbolisiert den KI-Boom“, erklärt Kazuhiro Sasaki, Researchchef bei Phillip Securities Japan. „Außergewöhnliche Erwartungen an große IPOs in den USA führen zu einer Umschichtung von Kapital – zulasten klassischer Schwergewichte wie Toyota.“ Die Automobilbranche leidet unter einer anhaltenden Branchenkrise, was den Abstieg des einstigen Spitzenreiters zusätzlich beschleunigt.
Softbank profitiert hingegen von seinem Fokus auf Technologie und Künstliche Intelligenz. Das Unternehmen hält Beteiligungen an zahlreichen KI-Startups, die von der hohen Nachfrage nach intelligenten Lösungen profitieren. Die Anleger setzen darauf, dass diese Firmen bei ihren Börsengängen hohe Bewertungen erzielen werden.
Ob Softbank seine Spitzenposition langfristig halten kann, bleibt abzuwarten. Experten weisen darauf hin, dass der Kursanstieg stark von spekulativen Erwartungen getrieben wird. Sollten die erhofften Börsengänge nicht die erwarteten Erlöse bringen, könnte eine Korrektur drohen. Toyota hingegen könnte von einer Erholung der Automobilbranche profitieren und verlorenen Boden gutmachen.



