Ein Kettenbrief auf WhatsApp verbreitet derzeit Angst und Verunsicherung. Darin wird behauptet, dass Künstliche Intelligenz ab sofort auf alle Gruppenunterhaltungen zugreifen könne – sei es in Familien-, Freundes- oder Klassenchats. Die Nachricht warnt davor, dass ohne Aktivierung des „erweiterten Datenschutzes“ durch Gruppenadministratoren die KI Gruppennachrichten lesen, Handynummern einsehen und persönliche Daten abgreifen könne. Doch was ist dran an dieser Behauptung?
Der Kettenbrief: Ohne Absender und Quelle
Bei genauerem Hinsehen fällt sofort auf: Die Nachricht nennt keinen Absender und keine Quelle. Sie besteht lediglich aus der Warnung selbst und fordert die Empfänger auf, sie weiterzuleiten. Wie unter anderem die „FAZ“ berichtet, verbreitet sich dieser Rundbrief rasant und sorgt bei vielen Nutzern für Unruhe. Doch ein Faktencheck des österreichischen Vereins „Mimikama“, der sich auf die Aufklärung von Desinformation spezialisiert hat, entlarvt die Behauptungen als falsch.
Faktencheck: KI greift nur nach Nutzeraktivierung zu
Die kurze Antwort lautet: Nein, die Warnung ist nicht berechtigt. „Mimikama“ stellt klar: „Die Behauptung über einen ‚legalen KI-Zugriff‘ auf private Chats und persönliche Daten ist frei erfunden.“ Zwar gibt es KI-Funktionen in WhatsApp, doch diese greifen nur, wenn Nutzer sie bewusst einsetzen. Ein automatischer Zugriff auf Inhalte oder Telefonnummern findet nicht statt. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt in jedem Fall aktiv, auch wenn kein erweiterter Datenschutz eingestellt ist.
Was ist der erweiterte Datenschutz?
Der erweiterte Datenschutz bietet Nutzern eine zusätzliche Kontrolle über Exportfunktionen und Medienzugriff. So können beispielsweise keine Fotos oder Videos automatisch gespeichert oder weitergeleitet werden. Auch KI-Funktionen wie Zusammenfassungen durch andere Nutzer sind mit dieser Einstellung nicht möglich. Das kann vor allem in großen Gruppen sinnvoll sein, in denen viele unbekannte Teilnehmer aktiv sind. Allerdings ist diese Einstellung nicht nötig, um sich vor einem angeblichen KI-Zugriff zu schützen – denn ohne aktive Nutzung bleibt die KI inaktiv.
Wie funktionieren die KI-Funktionen in WhatsApp?
WhatsApp hat 2025 KI-Funktionen wie Zusammenfassungen oder @Meta AI eingeführt. Diese können nur dann auf Daten zugreifen, wenn Nutzer sie explizit aktivieren, beispielsweise durch eine Anfrage an Meta AI. Ein temporärer Zugriff auf Daten findet nur in diesem Fall statt. „Mimikama“ betont: „KI-Systeme greifen ausschließlich auf Inhalte zu, wenn sie durch die Nutzer:innen explizit aktiviert werden.“ Einen pauschalen oder automatischen Zugriff der KI auf WhatsApp-Chats gibt es nicht.
Fazit: Kein Grund zur Sorge
Der Kettenbrief ist eine Falschmeldung und gehört ins Reich der Fake News. WhatsApp-Nutzer können weiterhin sicher sein, dass ihre Chats durchgehend Ende-zu-Ende verschlüsselt sind. Wer zusätzliche Kontrolle wünscht, kann den erweiterten Datenschutz aktivieren – aber nicht aus Angst vor einem KI-Zugriff, sondern für mehr Privatsphäre bei Exporten und Medien. Bleiben Sie gelassen und leiten Sie solche Warnungen nicht ungeprüft weiter.



