Gold auf der Normalschanze, Enttäuschung auf der Großschanze: Raimunds olympische Achterbahnfahrt
Nach dem triumphalen Olympiasieg auf der Normalschanze bei den Winterspielen in Predazzo erlebte Philipp Raimund auf der Großschanze eine herbe Enttäuschung. Der deutsche Skispringer, der sich zuvor zum Olympiasieger gekrönt hatte, verpasste bei der Großschanzen-Entscheidung deutlich das Podest und landete auf dem neunten Platz. Damit war er zwar bester Deutscher im Wettbewerb, doch die erhoffte zweite Medaille blieb außer Reichweite.
Prevc triumphiert unter slowenischem Jubel
Der Wettkampf auf der Großschanze entwickelte sich zu einem spektakulären Schauspiel, das trotz anhaltenden Nieselregens tausende Zuschauer ins Sprungstadion lockte. Das Stadion war so voll wie noch nie bei diesen Winterspielen, einige Fans ohne Tickets verfolgten das Geschehen sogar von einem nahegelegenen Hügel aus. Den großen Triumph feierte dabei Topfavorit Domen Prevc, der unter dem Jubel zahlreicher slowenischer Fans die Goldmedaille gewann. Silber sicherte sich der Japaner Ren Nikaido, der nach dem ersten Durchgang noch in Führung gelegen hatte, Bronze ging an den Polen Kacper Tomasiak.
Raimund sprang in den beiden Durchgängen 131 und 136 Meter weit, was am Ende einem Rückstand von fast acht Metern auf eine Medaillenplatzierung entsprach. „Ich habe ein gutes Gefühl. Ich habe genau das Gefühl, dass ich spüren will“, hatte der Springer vom SC Oberstdorf noch am Vorabend des Wettkampfes optimistisch erklärt. Doch bereits im Probedurchgang zeigten sich erste Probleme, die sich im eigentlichen Wettbewerb fortsetzten.
Überraschende Nebenrolle für den deutschen Vorzeigespringer
Dass Raimund in diesem Wettkampf nur eine Nebenrolle spielte, ist besonders überraschend, da sich der 25-Jährige in dieser Saison zum deutschen Vorzeigespringer entwickelt hatte. Als Sechster im Gesamtweltcup war er bester Athlet im Team von Bundestrainer Stefan Horngacher und hatte in dieser Saison bereits fünfmal das Podest erreicht – einmal als Zweiter und viermal als Dritter. Ohne je einen Weltcup gewonnen zu haben, hatte er sich zuvor auf der Normalschanze zum Olympiasieger gekrönt.
Die zahlreichen Termine und Verpflichtungen, die ein Olympiasieg mit sich bringt, schien Raimund zunächst gut verarbeitet zu haben. Nach seinem Triumph auf der Normalschanze genoss er den Empfang im Teamhotel, feierte ausgiebig und gönnte sich anschließend Ruhe. Ob der damit verbundene Trubel letztlich doch negative Auswirkungen auf seine Leistung hatte, kann nur der Sportler selbst beurteilen.
Spektakulärer Wettkampf mit prominenten Ausfällen
Der Wettbewerb bot neben Raimunds Enttäuschung und Prevcs Triumph weitere dramatische Momente. Der Slowene Anze Lanisek, eigentlich ein Medaillenkandidat, landete nur auf Rang 30, während der im Weltcup zweitplatzierte Japaner Ryoyu Kobayashi den sechsten Platz belegte. Besonders schmerzhaft war die Disqualifikation des Österreichers Daniel Tschofenig, der im vergangenen Jahr noch die prestigeträchtige Vierschanzentournee gewonnen hatte, wegen eines nicht zulässigen Schuhs.
Als zweitbester Deutscher landete Andreas Wellinger auf dem 15. Platz, Pius Paschke wurde 24. und Felix Hoffmann sprang auf Rang 25. Für Raimund bleibt nun die Hoffnung auf eine weitere Medaillenchance: Am Montag steht die Entscheidung im Super Team an, wo er mit dem Mixed-Team bereits Vierter geworden war und nun erneut um Edelmetall kämpfen kann.



