Magdalena Neuner: Schattenseiten des Ruhms und neues Leben
Neuner: Schattenseiten des Ruhms und neues Leben

Magdalena Neuner, die mit zwölf Goldmedaillen als erfolgreichste Biathletin der Welt gilt, blickt auf eine Karriere voller Höhen und Tiefen zurück. Die heute 39-Jährige beendete ihre Laufbahn bereits mit 25 Jahren, obwohl noch viele weitere Titel möglich gewesen wären. Heute arbeitet sie als Trainerin für Resilienz und Stressmanagement.

Wenn Neuner den Fernseher einschaltet und sich selbst in einem Werbespot sieht, erschrickt sie manchmal. „Es ist immer wieder komisch, wenn man seine eigene Stimme hört“, sagt sie. „Als ich 2012 meine Karriere beendet habe, war nicht absehbar, dass ich 14 Jahre später immer noch gefragt bin. Das freut mich sehr.“

Sieben Werbepartner hat Neuner noch heute. Zu aktiven Zeiten waren es zwölf. Sie wurde zur Werbemillionärin, vergleichbar mit Steffi Graf und Franziska van Almsick. Neben ihren sportlichen Erfolgen – zwölf WM-Titel, zwei Olympia-Goldmedaillen und 34 Weltcupsiege – machen ihre natürliche Art und ihr Mut zur Meinung sie so beliebt.

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Der frühe Rücktritt und die Gründe

Bereits mit 25 Jahren beendete Neuner ihre Karriere. „Ob ich nun zwölf oder 18 WM-Titel habe, hat für mich keine Rolle gespielt“, sagt sie. Ein Grund war, dass sie alles gewonnen hatte. Der andere war der Wunsch nach einem Leben abseits des Sports. „Ich wollte mich nie nur über den Sport definieren“, erklärt sie.

Die Anfänge als Biathletin

Mit vier Jahren fuhr Neuner Alpin-Ski, mit sechs begann sie mit Langlauf, und mit neun entdeckte sie das Biathlon. „Das Schießen hat mich sofort gepackt“, erinnert sie sich. Mit elf sah sie Uschi Disls Olympia-Silber im Fernsehen und beschloss: „Da will ich auch hin.“ Ihr Talent zeigte sich früh: Von zwölf bis 16 gewann sie viermal den Schülercup. Mit 16 beendete sie die Schule und konzentrierte sich voll auf den Sport im Zoll-Ski-Team.

Ihre Eltern unterstützten sie stets. „Hut ab, dass meine Eltern mich immer unterstützt haben“, sagt Neuner. „Eigentlich wollen Eltern ja, dass ihr Kind etwas Vernünftiges lernt.“

Der Durchbruch und die Schattenseiten

Bei der WM 2007 in Antholz gewann Neuner dreimal Gold. „Am Anfang war ich ganz aufgeregt, mit meinen Idolen in einem Team zu sein“, sagt sie. „Als ich meine ersten Medaillen gewann, war das Euphorie pur.“ Doch nach dem Erfolg verschwand die Unbeschwertheit. „Ich konnte nicht mehr unbehelligt einkaufen gehen. Die Leute pilgerten an unserem Haus vorbei und klingelten mittags, um ein Autogramm zu bekommen“, berichtet sie. „Mir wurde viel von meiner Privatsphäre genommen.“

Um ihr seelisches Gleichgewicht zu bewahren, arbeitete Neuner früh mit einem Mentaltrainer zusammen. „Ich habe mir am Schießstand einen imaginären Raum vorgestellt, den ich allein betrete und hinter mir verschließe. So konnte ich mich auf das Schießen konzentrieren“, erklärt sie.

Olympia 2010 und die Folgen

In Vancouver 2010 gewann Neuner zwei Goldmedaillen. Doch der durchgetaktete Zeitplan belastete sie. „Ich wurde von Termin zu Termin gezerrt und hatte nicht mal Zeit, mich mit meinen Eltern zu treffen“, sagt sie. Auch das Staffelrennen war emotional: Die Trainer legten ihr nahe, auf einen Start zu verzichten, was sie als unfair empfand. „Mein Verzicht war nicht ganz freiwillig“, gesteht sie.

Nach Olympia posierte Neuner für Unterwäsche-Fotos, was ihr Image veränderte. „Die Fotos waren eine kleine Trotzhandlung. Ich wollte zeigen, dass in mir auch eine Frau steckt“, sagt sie. Heute strickt sie noch immer gern abends auf der Couch.

Stalker und Morddrohungen

Die Kehrseite des Ruhms waren Stalker. Im August 2010 kletterte ein psychisch kranker Mann auf ihren Balkon. Er wurde festgenommen, ließ aber nicht locker. „Das traurige Ende ist, dass er sich ein paar Jahre später das Leben genommen hat“, erzählt Neuner.

Bei der Heim-WM 2012 in Ruhpolding erhielt sie eine Morddrohung, lieferte aber trotzdem ab: Mit zwei Goldmedaillen wurde sie zur Rekordweltmeisterin.

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Das Leben nach dem Sport

Nach dem Rücktritt verwirklichte Neuner ihren Traum von einer Familie. Mit ihrem Mann Josef Holzer hat sie drei Kinder: Verena (12), Josef (9) und Ludwig (4). „Mein Wecker klingelt um halb sechs. Kinder zur Schule bringen, aufräumen, einkaufen, kochen – mein Vormittag ist turbulent“, sagt sie. Haustiere wie Meerschweinchen und ein Pferd namens Sugar helfen, die Zeit am Handy zu minimieren.

In ihrem Pass stehen zwei Namen: Magdalena Holzer (bürgerlich) und Magdalena Neuner (Künstlername). Regelmäßig hält sie Vorträge über Mindset und Resilienz. „Ich bin zertifizierte Trainerin für Resilienz und Stressmanagement“, sagt sie.

Die Peak Performer Stiftung

Ein Herzensprojekt ist die „Peak Performer Stiftung“, bei der sie Gründungsmitglied ist. „Wir möchten Kindern zeigen, wie toll es ist, aus eigener Kraft etwas zu schaffen“, erklärt sie. In den „Kids-Camps“ können Kinder ihre Talente entdecken. Eine Biathlon-Schießeinlage gehört fest zum Programm – dann greift auch Neuner zum Lasergewehr.