Skisprung-Olympiasieger Raimund nach Fan-Zoff: „Zeugt von menschlicher Schwäche“
Predazzo (Italien) – Ein enttäuschender Wettkampf und ein unangenehmer Fan-Zoff: Skisprung-Olympiasieger Philipp Raimund (25) erlebte auf der Großschanze in Predazzo einen denkwürdigen Tag. Nachdem er mit Platz neun das zweite Gold bei den Olympischen Spielen verpasste, sah er sich mit provozierenden Fans konfrontiert, die ihn wegen einer Verwechslung bei der Skiflug-WM attackierten.
Verwechslung sorgt für Konflikt mit slowenischen Fans
Auslöser des Zwischenfalls war die Skiflug-Weltmeisterschaft Ende Januar in Oberstdorf. Dort hatte der schweizerische FIS-Koordinator Hubert Mathis dem slowenischen Skisprung-Dominator Domen Prevc (26) mit einer klaren Geste und mehrfachen „Nein“-Rufen den Sprung verwehrt. Prevc, der Überflieger der Saison, war zuvor ein peinlicher Fehler unterlaufen, als ihm wenige Minuten vor dem Sprung sein Ski versehentlich von der Schanze gerutscht war.
Slowenien verpasste dadurch den Weltmeistertitel, und einige Fans schoben die Schuld fälschlicherweise auf den deutschen Springer Philipp Raimund. „Die haben nein, nein, nein zu mir gerufen – wegen der Skiflug-WM. Und ich habe dann gesagt: ‚Ihr wisst schon, dass er Schweizer ist. Mit dem habe ich nichts zu tun‘“, erklärte Raimund angefressen nach dem Wettkampf.
Raimund kritisiert Verhalten der Fans scharf
Nach dem Sieg von Domen Prevc auf der Großschanze eskalierte die Situation weiter. Raimund äußerte sich deutlich: „Nachdem der Domen gewonnen hat, mir das hinterherzuwerfen, finde ich extrem unangebracht und komplett unnötig, zeugt aber von menschlicher Schwäche.“ Der Olympiasieger betonte, dass er zwar verständlicherweise sauer auf die slowenischen Fans reagiere, aber ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Prevc pflege.
„Ich bin mit dem Domen voll fein. Ich mag ihn sehr und komme generell mit jedem Springer klar. Ich glaube, die Fans nehmen sich manchmal ein bisschen zu viele Rechte raus“, so Raimund weiter. Bevor es zum Zoff kam, waren die beiden Springer noch friedlich nebeneinander an der Schanze entlanggelaufen.
Enttäuschende Leistung auf der Großschanze
Sportlich war der Tag für Philipp Raimund ebenfalls frustrierend. Auf der Großschanze landete er nur auf Platz neun und verpasste damit deutlich eine Medaille. Der Triumph ging an Tourneesieger und Weltcup-Dominator Domen Prevc, der seine überragende Form in dieser Saison unter Beweis stellte.
Raimund im Gespräch mit Bundestrainer Stefan Horngacher (56) zeigte die Enttäuschung über die eigene Leistung, während im Hintergrund die slowenischen Fans für Unruhe sorgten. Der deutsche Springer muss nun die Konzentration auf die kommenden Wettkämpfe richten und hofft, den Fan-Zoff hinter sich lassen zu können.
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die emotional aufgeladene Atmosphäre im Spitzensport und die manchmal überschießenden Reaktionen von Fans, die Athleten unter Druck setzen können.



