Alexander Zverev hat auch seinen ersten großen Härtetest bei den French Open in Paris mit Bravour bestanden und dabei absolute Titelform bewiesen. Der 29-jährige Deutsche besiegte im Viertelfinale den spanischen Jungstar Rafael Jódar (19) klar mit 7:6 (7:3), 6:1, 6:3 und zog damit zum fünften Mal ins Halbfinale des Sandplatz-Spektakels ein. Nach dem Sieg zeigte Zverev keine großen Emotionen – den ausgelassenen Jubel scheint er sich für die erhoffte Titel-Party aufheben zu wollen.
Becker begeistert: „Beste Vorstellung bei diesem Turnier“
Im Halbfinale trifft der Hamburger auf den Sieger der Partie zwischen dem brasilianischen Teenager João Fonseca (19) und dem nur ein Jahr älteren Tschechen Jakub Mensik. Unabhängig vom Gegner bleibt Zverev nach dem frühen Ausscheiden von Jannik Sinner und Novak Djokovic sowie dem verletzungsbedingten Fehlen von Carlos Alcaraz der Titelkandidat Nummer eins in Roland Garros. Für den Olympiasieger von 2021 soll im 41. Anlauf auf der Grand-Slam-Bühne endlich der erste Titel bei einem der vier Major-Turniere her.
Nach anfänglichen Problemen übernahm Zverev gegen den Sensations-Aufsteiger Jódar, der vor einem Jahr noch außerhalb der Top 700 der Weltrangliste lag, die Kontrolle und zeigte dem Spanier deutlich die Grenzen auf. „Das war die beste Vorstellung von Sascha Zverev bei diesem Turnier“, lobte Tennis-Idol Boris Becker bei Eurosport. Nach 2:25 Stunden verwandelte Zverev seinen ersten Matchball gegen einen am Ende entkräfteten Jódar.
Zverev von Jódars Spielweise überrascht
Die ersten beiden Spiele waren hart umkämpft und dauerten insgesamt 17 Minuten – jeweils mit dem glücklicheren Ende für den Aufschläger. Im dritten Aufschlagspiel konnte der Deutsche sein Service nicht mehr halten. Zverev unterliefen anfangs deutlich mehr Fehler, bei seinen Stopps hatte er nicht das richtige Timing und Gefühl. Auch mit seinem Aufschlag kam er zunächst nicht wie gewohnt durch, da Jódar stark returnierte. Zverev schien von der Spielweise des Spaniers etwas überrascht. „Wie Jódar den Platz aufmacht, das Tempo verändert, mal die Linie langspielt – das hat Zverev so nicht erwartet“, analysierte der dreimalige Wimbledon-Gewinner Becker.
Doch als Jódar zum Satzgewinn aufschlug, versagten ihm die Nerven. Zverev holte sich das Break zurück und konnte sich im gewonnenen Tiebreak wieder auf seinen Aufschlag verlassen. Aufgrund des regnerischen Wetters war das Dach auf dem Court Philippe Chatrier geschlossen. Im ersten Satz wurde es kurz unruhig im Publikum, weil es an den Seiten reinregnete und die dort sitzenden Menschen Schirme aufspannten oder ihre Plätze fluchtartig verließen.
Zverevs Rückhand dominiert die Ballwechsel
Mit dem Satzgewinn im Rücken war Zverev der deutlich bessere Spieler. Für Jódar, der vor der Sandplatzsaison fast nur Insidern bekannt war, schien die große Viertelfinal-Bühne plötzlich ein wenig zu groß zu sein. Womöglich war es auch eine Kraftfrage, der Youngster hatte in den zwei Runden zuvor jeweils über fünf Sätze gehen müssen. Zverev nutzte die Schwächen seines Gegners gnadenlos aus und dominierte die Rallys vor allem mit seiner Rückhand. Plötzlich war er auch mit seinen Stopps wieder deutlich erfolgreicher. Jódars Gegenwehr war nach dem deutlich verlorenen zweiten Satz weitestgehend gebrochen.



