Alexander Zverev steht kurz vor der ersehnten Titel-Krönung in Paris. Bereits rund eine Stunde nach seinem Halbfinaleinzug wusste der deutsche Tennisstar, wer sich ihm im Finale in den Weg stellen wird. Es ist der Italiener Flavio Cobolli, der kampflos ins Endspiel am Sonntag einzog. Sein Landsmann Matteo Arnaldi, der an einem Virus erkrankt war, sagte kurz vor dem Halbfinale ab. Cobolli zeigte sich betroffen: „Ich habe fast geweint“, erklärte der 24-Jährige. „Ich bin traurig und zur gleichen Zeit glücklich.“ Der an Nummer zehn gesetzte Italiener sparte dadurch viel Kraft, geht jedoch als klarer Außenseiter ins Finale.
Zverev überzeugt im Halbfinale
Zverev bewies im Halbfinale gegen den Tschechen Jakub Mensik erneut seine Topform. Mit 7:5, 6:2, 3:6, 6:3 zog er in den Endspiel ein. „Ich wusste, dass es die schwierigste Herausforderung bisher im Turnier wird“, sagte Zverev. „Ich habe es geschafft, habe gewonnen – ich bin glücklich.“ Mit Blick auf das Finale ergänzte der Hamburger: „Ich hoffe, ich spiele am Sonntag ein weiteres großartiges Match.“ Boris Becker zeigte sich begeistert: „Er hat geliefert, er hat die Nerven behalten, er hat gutes Tennis gespielt“, sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner bei Eurosport. „Weiter so!“
Bisherige Finalniederlagen
Der Weltranglistendritte hat im Turnierverlauf erst zwei Sätze abgegeben. Seine drei vorherigen Grand-Slam-Finals hatte Zverev alle verloren: 2020 bei den US Open fehlten ihm gegen Dominic Thiem zwei Punkte zum Sieg, 2024 in Paris unterlag er Carlos Alcaraz im Fünfsatz-Krimi, und im Vorjahr war er bei den Australian Open gegen Jannik Sinner chancenlos. Sinner ist jedoch früh in Paris gescheitert, Alcaraz trat verletzt gar nicht an.
Herausfordernde Bedingungen
Im Gegensatz zur ersten Turnierwoche war es diesmal relativ kühl und windig. Das Dach des Stadions Philippe Chatrier blieb geschlossen. Die Bedingungen machten beiden Spielern zunächst zu schaffen. Der erste Satz war spielerisch auf schwachem Niveau. Zverev war dominanter mit härteren Grundschlägen, brauchte aber seinen starken ersten Aufschlag und etwas Glück, als er beim Stand von 3:4 drei Breakbälle abwehrte. Seine erste Breakchance nutzte er nach einem Fehler von Mensik und machte den Satz mit einem Ass perfekt.
Mensik mit Problemen
Danach schien Mensiks Gegenwehr gebrochen. Zverev holte sich im zweiten Durchgang ein schnelles Break zum 2:1. Mensik versuchte, die Ballwechsel abzukürzen, aber Zverev hatte fast immer eine Antwort. „Sascha zeigt jetzt sein ganzes Repertoire“, lobte Becker. Mensik wirkte gehemmt, obwohl er zwei Tage frei hatte. „20 Jahre jung, zwei Tage frei – der wird fit sein wie ein Turnschuh“, hatte Becker prophezeit. Doch Mensik agierte weniger druckvoll als im Viertelfinale und machte viele leichte Fehler. Die Nervosität über sein erstes Grand-Slam-Halbfinale war ihm anzumerken. Im dritten Satz benötigte er eine medizinische Auszeit für Nacken und Schulter. Danach war er besser, nahm Zverev den Aufschlag zum 4:2 ab und gewann den Satz. Doch Zverev nahm ihm mit dem Break zum 2:0 im vierten Satz schnell die Hoffnung und beendete die Partie nach rund drei Stunden mit seinem ersten Matchball.



