Zverevs Halbfinal-Aus in München: Rekord verpasst und Spielplan im Visier
Alexander Zverev wirkte erstaunlich gefasst, als er etwa eine Stunde nach seinem deutlichen Ausscheiden beim ATP-Turnier von München über seine nahe Zukunft sprach. Der beste deutsche Tennisspieler freute sich über einige spielfreie Tage und erweckte fast den Eindruck, als komme ihm das verpasste Endspiel bei den BMW Open gar nicht so ungelegen. Sogar auf eine Geburtstagsparty zu seinem 29. Geburtstag am Montag wollte er verzichten. „Die Party lasse ich ausfallen. Ich glaube, ich muss mich mal regenerieren“, kündigte Zverev an.
Chancenlos gegen Cobolli: Zverevs Beine versagten
Als Titelverteidiger und Weltranglistendritter schied Zverev im Halbfinale mit 3:6, 3:6 gegen den famos aufspielenden Italiener Fabio Cobolli aus. Dabei verpasste er auch die historische Chance, als erster Tennisprofi das Sandplatzevent im Norden von München zum vierten Mal zu gewinnen. Der ersehnte Rekord ist damit vorerst futsch. „Meine Beine waren nicht mehr da“, schilderte Zverev als Fazit zu seinem Ausscheiden in der Vorschlussrunde. Die vielen Spiele seit Jahresbeginn hätten ihn schlicht zu erschöpft.
Cobollis emotionaler Sieg nach persönlicher Tragödie
Gegenüber wuchs Cobolli über sich hinaus und überragte mit 32 Winner-Schlägen, davon 20 allein im ersten Satz. Nach dem Sieg brach der Italiener in Tränen aus und erzählte, dass einen Tag vor dem Match ein guter Tennisfreund von ihm im Alter von nur 13 Jahren gestorben sei. „Ich habe das ganze Spiel an ihn gedacht“, sagte Cobolli in dieser emotionalen Ausnahmesituation.
French Open als Hauptziel: Verzicht auf Hamburg möglich
Für Zverev hätte eine München-Bestmarke ohnehin keinen sonderlich großen Wert gehabt – der Olympiasieger von 2021 hat seit Jahren nur ein Ziel fest im Visier: endlich ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Die nächste Chance bietet sich bei den French Open vom 24. Mai bis 7. Juni in Paris. Just wegen dieses Sandplatzhöhepunkts macht sich Zverev nun Gedanken über seinen Spielplan.
Bis zu den French Open ist der Deutsche noch bei zwei Masters-Events in Madrid und Rom sowie dem ATP-500-Turnier in seiner Geburtsstadt Hamburg gemeldet. Auf eine dieser Veranstaltungen zu verzichten, vielleicht sogar jene in Hamburg vom 16. bis 23. Mai, könnte die Lösung sein. „Das werden wir sehen“, antwortete Zverev auf eine entsprechende Frage.
Vorbilder Sinner und Alcaraz: Weniger ist manchmal mehr
Zwei prominente Vorbilder hat der Deutsche: Weltranglistenerster Jannik Sinner aus Südtirol und Spanien-Star Carlos Alcaraz. Beide lassen öfter als Zverev Turniere aus. „Ich glaube, so ein Carlos und so ein Jannik machen es schon schlau, dass sie nicht jede Woche spielen, auch wenn es Masters-Turniere sind, auch wenn es vielleicht Turniere zu Hause sind“, analysierte Zverev. Alcaraz hat etwa einen Start in Madrid – auch wegen einer Verletzung – abgesagt.
Fünf Halbfinals – fünf Niederlagen in dieser Saison
Zverev freut sich auf eine kurze Pause bis zum Beginn des Masters in Madrid. „Ein paar freie Tage werden jetzt auch schon hilfreich. Und die habe ich jetzt, ich glaube sechs Tage bis zu meinem nächsten Match. Das sind mehr, als ich gehabt habe in den letzten paar Monaten“, sagte er. Der Deutsche stand in München in seinem fünften Halbfinale auf der ATP-Tour in diesem Jahr – eine Leistung, die neben ihm kein anderer Spieler geschafft hat. Allerdings verlor er auch jedes dieser fünf Halbfinals.
„Das Hauptziel ist, in Paris das beste Tennis zu zeigen“, unterstrich Zverev. Deshalb gehe es nun darum, die gute Form zu halten oder gar zu steigern. „Da muss ich meinen Spielplan schlau gestalten“. Es ist durchaus möglich, dass ein Heim-Auftritt in Hamburg nun Zverevs modifizierter Frühlings-Terminplanung zum Opfer fällt, um bei den French Open in Roland Garros in Topform aufschlagen zu können.



