Paris – Sie kamen, um eine Sensation zu sehen. Eine noch größere als ohnehin schon. Als Nummer 114 der Welt zog Maja Chwalinska (24) ins Finale der French Open in Paris ein. Doch dort endete ihr wunderbarer wie wundersamer Lauf. Mirra Andreeva (19), Nummer 6 der Weltrangliste, war einfach zu stark und gewann völlig humorlos mit 6:3, 6:2. Es ist der erste Grand-Slam-Erfolg der Russin. Die Blicke der Zuschauer, darunter Model Caro Daur (31), Tennis-Ikone Boris Becker (58) und Schauspieler Brad Pitt (62), richteten sich jedoch auf die Außenseiterin. Würde sie auch den letzten Schritt zur absoluten Sensation gehen?
Historischer Einzug ins Finale
Mit ihrem Einzug ins Endspiel schrieb Chwalinska bereits Geschichte. Die Polin ist die am schlechtesten platzierte Spielerin in einem French-Open-Finale seit Einführung der Weltrangliste im Jahr 1975. Vor dem Turnier hatte sie noch nie eine Top-50-Spielerin besiegt, in Paris gelangen ihr gleich vier Siege gegen solche Gegnerinnen. Im Ranking wird sie von Platz 114 auf 21 springen und in Wimbledon zu den gesetzten Spielerinnen gehören. Die Partie gegen Andreeva begann sie selbstbewusst und holte sich das schnelle Break der Favoritin zurück.
Chwalinska kann nicht an vorherige Leistungen anknüpfen
An ihre herausragenden Leistungen aus den vorherigen Runden konnte Maja Chwalinska jedoch nicht anknüpfen. Erst gegen Ende des ersten Satzes stellte sich Andreeva auf das eigentümliche Spiel der Schlesierin ein, das so vielen Kontrahentinnen in Paris große Probleme bereitet hatte. Chwalinska betrat im Lacoste-Oberteil unter frenetischen Anfeuerungsrufen der vielen polnischen Fans den Court Philippe Chatrier. Dabei hat sie mit dem Ausrüster von Novak Djokovic, Daniil Medwedew und Eva Lys gar keinen Vertrag. In ihren sieben Hauptfeldpartien trug sie fünfmal das Krokodil, einmal Nike und kam einmal ohne Logo einer Sportartikel-Firma auf den Platz. „Ich habe keinen Sponsor. Ich ziehe mir an, was mir gefällt“, sagte sie.
Zukunft sieht rosig aus
Doch das wird sich bald ändern. Nach Paris werden die Geldgeber bei dem 1,64 Meter kleinen Wirbelwind Schlange stehen. Dann muss sie sich auch keine Sorgen mehr um die Begleichung der Hotelrechnung machen. Sie hatte nur zwei Wochen gebucht, musste dann um eine Woche verlängern, weil sie für sich selbst unerwartet noch im Wettbewerb war. Das Geld dafür hatte sie nicht, da sprang ein Sponsor von Landsfrau Iga Świątek (24), der Nummer 3 der Welt, ein. „Ich bin allen so dankbar“, sagte Chwalinska. Mit Iga spielte sie früher Doppel, bis Depressionen sie ausbremsten. Das war 2021. Es folgten 18 Monate Pause, ehe sie zurückkam und jetzt so gut ist wie noch nie.
Andreeva erfüllt Favoritenrolle
Nur gegen Andreeva, deren Schwester Erika (21) ebenfalls Profi ist, reichte es diesmal nicht. Die Russin, die seit ihrer Kindheit in Cannes lebt, wurde ihrer Favoritenrolle gerecht. Vor zwei Jahren stand sie bereits im Halbfinale von Paris. Nun ging sie zwei Schritte weiter und erhielt früh in ihrer Karriere, noch als Teenager, den Ritterschlag. Bei der Trainerin ist das kein Wunder: Conchita Martínez (54) gewann 1994 in Wimbledon. Beide harmonieren seit Jahren fantastisch. Von diesem Duo wird noch einiges zu hören sein. Nach dem Matchball, den Andreeva nach nur 82 Minuten zum 6:2 verwandelte, wurde erst einmal gefeiert.



