Ukrainischer Rodler äußert scharfe Kritik an russischer Olympia-Teilnahme
Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina hat der ukrainische Rennrodler Anton Dukach deutliche Worte gegenüber russischen Teilnehmern gefunden. Der 30-Jährige zeigte sich insbesondere über die Anwesenheit seines direkten Konkurrenten Pavel Repilov erbost, der als sogenannter "Individueller Neutraler Athlet" (AIN) antreten durfte.
"Eine Schande, dass ein Russe nach mir startet"
Nach seinem finalen Lauf im Rodelwettbewerb sprach Dukach Klartext gegenüber Medienvertretern. "Es ist natürlich eine Schande, dass ein Russe nach mir startet", erklärte der Ukrainer und fügte hinzu: "Es ist eine Schande, sie hier bei Olympia zu haben, weil wir viele Beweise haben, dass sie nicht neutral sind."
Die besondere Brisanz ergab sich aus der Startreihenfolge: Im Klassement lagen Dukach und Repilov direkt hintereinander, wodurch der Russe unmittelbar nach dem Ukrainer seinen finalen Lauf absolvierte. Als sich ihre Wege im Zielbereich kreuzten, würdigte Dukach seinen Konkurrenten keines Blickes.
Vorwurf der Kriegsunterstützung
Dukach wirft Repilov eine besonders schwerwiegende Verbindung vor. Der Ukrainer glaubt, dass der 23-jährige Russe bei Wettbewerben in seiner Heimat von einem Unternehmen gesponsert wird, das Drohnen für den Angriffskrieg gegen die Ukraine produziert.
"Diese Drohnen treffen unser Land und unsere Städte. Sie töten unsere Menschen", erklärte Dukach emotional. "Unsere Bürger verstecken sich während dieser Angriffe in Schutzräumen und sie können trotzdem an diesen hochrangigen Wettbewerben teilnehmen. Es ist eine Schande, aber das ist die Realität."
Ob Dukach für diese These konkrete Beweise vorlegen kann, bleibt unklar. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) betont jedoch, dass russische Athleten vor ihrer Zulassung gründlich geprüft werden. Sie dürfen weder Verbindungen zur Armee haben noch den Krieg unterstützen. Das zuständige Gremium des IOC scheint bei Repilov keine Bedenken gehabt zu haben.
Stolz auf die ukrainische Repräsentation
Trotz der kontroversen Situation zeigte sich Dukach mächtig stolz auf seine Olympia-Teilnahme. Während Repilov mit Platz 14 abschnitt und Max Langenhahn den Olympiasieg errang, belegte der Ukrainer nach einem nicht optimalen letzten Lauf den 16. Rang. Die Platzierung war für ihn jedoch zweitrangig.
"Ich bin sehr stolz darauf, mein Land während des Krieges in der Ukraine zu repräsentieren", betonte Dukach, der trotz teilweise gestörter Internetverbindung den Kontakt zur Heimat so gut wie möglich aufrechterhält.
Der Rodel-Profi möchte den Menschen in seiner Heimat Ablenkung vom Krieg schenken. "Unsere Freunde, die jetzt in Gefangenschaft sind, Stromausfälle und keine Heizung in ihren Häusern haben, versuchen, unseren Wettbewerb zu verfolgen. Sie wollen etwas Freude erleben, ein paar gute Erinnerungen in dieser Zeit sammeln", führte er bewegend aus.
Ukrainische Präsenz bei Olympia 2026
Neben Anton Dukach war mit Andriy Mandziy noch ein weiterer ukrainischer Rodler am Start, der sogar den zwölften Platz belegte. Trotz des anhaltenden Krieges konnten sich insgesamt 46 ukrainische Athleten für die Olympischen Spiele qualifizieren - so viele wie seit 16 Jahren nicht mehr.
Das ukrainische Team wurde bei der Eröffnungsfeier von Wladyslaw Heraskewytsch (Skeleton) und Yelyzaveta Sydorko (Shorttrack) als Fahnenträger angeführt. Die starke Präsenz ukrainischer Sportler unter schwierigsten Bedingungen stellt eine besondere Leistung dar und unterstreicht die Bedeutung des Sports als verbindendes Element in Krisenzeiten.
Die Kontroverse um russische Teilnehmer bei internationalen Sportveranstaltungen bleibt auch bei Olympia 2026 ein hochsensibles Thema, das die politischen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine deutlich widerspiegelt.



