DOSB bewahrt Gelassenheit vor entscheidendem NRW-Referendum
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zeigt sich in der entscheidenden Phase vor dem Bürgerentscheid in Nordrhein-Westfalen erstaunlich gelassen. Am kommenden Sonntag werden in insgesamt 17 Kommunen in NRW sowie in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel die Stimmen der Bürgerbefragung zu einer möglichen Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ausgezählt.
Weikert: „Es geht nicht mehr um die Frage, ob es eine deutsche Bewerbung geben wird“
DOSB-Präsident Thomas Weikert (64) äußerte sich in einem aktuellen Verbandsinterview zuversichtlich: „Mit München hat bereits ein nationaler Bewerber das Ziel erreicht. Insofern geht es am kommenden Sonntag nicht mehr um die Frage, ob es eine deutsche Bewerbung geben wird, sondern darum, ob es Olympische und Paralympische Spiele in Köln/Rhein-Ruhr beziehungsweise Segeln in Kiel geben kann.“
Dennoch betont der erfahrene Sportfunktionär die Bedeutung einer hohen Wahlbeteiligung: „Wir hoffen, dass sich die Sportbegeisterung, die wir an Rhein und Ruhr und an der Ostsee seit Wochen erleben, auch in der Wahlbeteiligung widerspiegelt. Das würde erneut unter Beweis stellen, wie sehr die Idee von Olympischen und Paralympischen Spielen die Menschen in Deutschland bewegt.“
Breite Unterstützung als Grundvoraussetzung
Ein negatives Votum hätte durchaus Auswirkungen auf die DOSB-Bewerbung, die eine breite Unterstützung als solide Grundlage für den nächsten Anlauf beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) dringend benötigt. Besonders gefährdet ist das NRW-Konzept, wenn sich die Bürgerinnen und Bürger einer der großen Metropolen wie Köln, Essen oder Düsseldorf deutlich gegen Olympia aussprechen sollten.
München hatte im Herbst des vergangenen Jahres 2025 mit einer beeindruckenden Zustimmung von 66,4 Prozent bereits einen wichtigen Meilenstein gesetzt. Nach dem Referendum in Nordrhein-Westfalen folgt am 31. Mai die Entscheidung der Hamburger Bevölkerung über ihre Bewerbung. Beim vierten deutschen Interessenten Berlin ist hingegen keine vergleichbare Bürgerbefragung geplant.
Bewertungsprozess und Zeitplan
Der DOSB bewertet alle vier potenziellen Kandidaten mithilfe einer speziellen Matrix, in der neben der Zustimmung der Bevölkerung weitere entscheidende Faktoren gewichtet werden. Dazu zählen unter anderem die internationale Strahlkraft, die infrastrukturellen Voraussetzungen und die Nachhaltigkeitskonzepte der Bewerberstädte.
Die endgültige Entscheidung fällt bei einer Mitgliederversammlung am 26. September im baden-württembergischen Baden-Baden. Der DOSB, der bereits als offizieller Bewerber beim IOC registriert ist, rechnet mit einer möglichen Vergabe der Sommerspiele 2036 frühestens im Jahr 2027. Der Abgabeschluss für die detaillierten Konzepte aller Bewerber ist der 4. Juni dieses Jahres festgesetzt.
Die kommenden Wochen werden somit zeigen, ob Deutschland mit einer oder mehreren starken Bewerbungen in die entscheidende Phase des internationalen Auswahlverfahrens gehen kann. Die Gelassenheit des DOSB-Präsidenten steht dabei im interessanten Kontrast zur politischen und gesellschaftlichen Spannung, die das Thema Olympische Spiele in Deutschland traditionell begleitet.



