70 Jahre Handball-Fieber: HC Empor Rostock feiert große Geschichte und kämpft um die Zukunft
Der HC Empor Rostock blickt auf eine bewegte 70-jährige Geschichte zurück, die von großen Erfolgen und aktuellen Herausforderungen geprägt ist. Beim Heimspiel am 4. April gegen den SC DHfK Leipzig II in der Hansemesse wird das runde Jubiläum gefeiert, doch der Weg zurück in die 2. Bundesliga bleibt die nächste große Hürde für den Traditionsverein.
Die Anfänge einer Handball-Legende
Der heute 94-jährige Gerd Langhoff, ehemaliger Nationalspieler, erinnert sich an die Gründung des SC Empor im November 1954. „Wir als Handballer hatten von 1953 bis März 1956 vier Jahre in Serie als BSG Motor den Hallentitel geholt. Um noch leistungsorientierter unseren Sport betreiben zu können, wurden wir in den SC Empor delegiert“, so Langhoff. Bereits ein Jahr später errang das Team unter Spielführer „Fiete“ Reder mit einem 17:15-Sieg über Motor Eisenach die erste Meisterschaft unter der Empor-Flagge.
Die goldene Ära des Empor-Handballs
Dieser Erfolg markierte den Beginn einer einzigartigen Epoche. Bis zur Wende folgten sechs weitere DDR-Titel und von 1980 bis 1989 sieben FDGB-Pokalsiege. Der absolute Höhepunkt war das Jahr 1982 unter Trainer Heinz Strauch mit dem Gewinn des Europacups der Pokalsieger über Dukla Prag und dem Titel des Europameisters für Vereinsmannschaften gegen Honved Budapest.
Klaus Langhoff, 144-facher Nationalspieler, erklärt das Erfolgsrezept: „Es war in einer sehr intensiven Sichtungs- und Jugendarbeit begründet. Selbst über die Schulen wurden Talente für Handball begeistert. Auch wurden die besten Jugendlichen zum SCE delegiert.“ Aus dem Empor-Jugendbereich entwickelten sich später 26 Nationalspieler, von Wolfgang Böhme bis Bodo Wieland.
Herausforderungen nach der Wende
Nach der Wiedervereinigung wurde es um die sportlichen Erfolge des Traditionsvereins ruhiger. Der Verein geriet vor allem durch wirtschaftliche Probleme in Schlagzeilen. Dass Empor überhaupt das 70-jährige Jubiläum begehen kann, ist maßgeblich Jens Gienapp zu verdanken, der von Ende 2007 bis 2018 den Verein führte.
Gienapp übernahm einen hoch verschuldeten Verein und erklärte: „Dank Unterstützung durch die Ospa sowie weiterer Förderer konnte durch ein Sanierungskonzept das Aus verhindert und nach zwei Anläufen die Lizenz für die 2. Bundesliga erhalten werden.“
Die aktuelle Situation und Zukunftspläne
Auch als heutiger Drittligist ist Empor nicht sorgenfrei. Der aktuelle Vorsitzende Tobias Woitendorf betont: „Für einen HCE in der 2. Bundesliga brauchen wir neben der gelösten Hallenfrage auch professionellere Strukturen und größere wirtschaftliche Basis. Da liegt noch ein Stück Weg vor uns, und dafür müssen alle an einem Strang ziehen.“
Die Hauptziele des Vereins sind klar definiert:
- Lösung der Hallenfrage für angemessene Spielstätten
- Etablierung professionellerer Vereinsstrukturen
- Aufbau einer größeren wirtschaftlichen Basis
Nur mit diesen Voraussetzungen ist der Sprung in die 2. Liga für den Traditionsverein realistisch. Das Jubiläumsspiel am 4. April wird daher nicht nur ein Rückblick auf sieben Jahrzehnte Handballgeschichte, sondern auch ein Blick nach vorn auf die Herausforderungen der kommenden Jahre.



