Alexander Zverev hat das Halbfinale der French Open erreicht und darf weiter von seinem ersten Grand-Slam-Sieg träumen. Der Hamburger bezwang am Dienstag mit einer Machtdemonstration den spanischen Teenager Rafael Jódar mit 7:6 (7:3), 6:1, 6:3. Nun wartet im Halbfinale am Freitag der Tscheche Jakub Mensik auf den 27-jährigen Deutschen.
Erfahrung als Trumpf
Zverev sieht sich im Duell mit dem neun Jahre jüngeren Mensik gut gerüstet. „Automatisch mehr Waffen“ bekomme man mit dem Alter und der Erfahrung, sagte Zverev. Er verwies auf einen Schatz, über den Mensik seiner Ansicht nach nicht verfügt: die Fähigkeit, fokussiert zu bleiben. „Ich gebe jetzt das Interview, dann gehe ich was essen, danach eine Massage, spiele Mario Kart und gehe schlafen“, sagte Zverev nach dem Viertelfinalsieg unaufgeregt. „Für mich ändert sich mein Leben nicht sonderlich, ob ich jetzt im Halbfinale gegen Djokovic spiele oder gegen einen von den jungen Jungs.“ Fast mantraartig wiederholt er dieser Tage in Paris: „Ich muss mir selbst und meinem Spiel vertrauen.“
Mensik im Schatten der Teenager
Mensik stand bei diesen French Open kurz im Rampenlicht, als er nach seinem Sieg gegen Mariano Navone aufgrund von Krämpfen zusammenbrach. Zwei Tage später kassierte er einen 0:6-Satz gegen Alex de Minaur, kämpfte sich aber zurück und gewann. Auch den Fünfsatzkrimi gegen Andrej Rubljow überstand er. „Nun ja, es ist ein Grand Slam, so funktioniert das eben“, sagte Mensik lapidar. Der 20-Jährige ist wie Jódar und João Fonseca Teil einer neuen Generation, die Zverev Respekt zollt: „Die spielen sehr, sehr gutes Tennis, die haben alle unfassbares Potenzial, klar.“
Zverevs Chancen steigen
Durch das frühe Aus von Jannik Sinner, Novak Djokovic und Carlos Alcaraz sind Zverevs Chancen auf den ersten Grand-Slam-Titel gestiegen. Boris Becker warnt jedoch vor „Kopfkino“ in den zwei freien Tagen vor dem Halbfinale. „Ich glaube, der Kopf fängt langsam an nachzudenken, was da passieren könnte“, sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner. Bislang zeigte Zverev jedoch keine Nervenflattern. Sein Team sorgt für gute Stimmung: Nach dem Viertelfinalsieg lachten seine Crewmitglieder, während er auf dem Ergometer das Laktat aus den Beinen radelte. Unterstützung erhält er auch von seiner Oma und Dackel Mishka.
Olympiasieg unantastbar
Selbst wenn Zverev in Paris scheitern sollte, bleibt ihm der Olympiasieg von 2021. Auf die Frage, ob er diesen gegen einen Grand-Slam-Titel tauschen würde, antwortete er ohne Zögern: „Keine Chance.“ Aber er fügte lächelnd hinzu: „Ich hätte nichts dagegen, auch noch ein paar Dinge meiner Liste hinzuzufügen.“ Zu seinen großen Zielen zählen die Nummer eins der Welt und ein Grand-Slam-Sieg. Letzteres ist nun zum Greifen nah.



