Zverev bricht Interview nach Frage zu häuslicher Gewalt ab
Zverev bricht Interview nach Gewaltfrage ab

Der deutsche Tennisprofi Alexander Zverev hat ein Interview mit der französischen Sportzeitung L'Équipe nach seinem Sieg bei den French Open abgebrochen. Grund dafür war eine Frage zu den Vorwürfen häuslicher Gewalt, die zwei Ex-Partnerinnen gegen ihn erhoben hatten. Zverev, der nie verurteilt wurde, reagierte empört und beendete das Gespräch.

Der Vorfall im Detail

Das Interview fand laut L'Équipe in einer „unbeschwerten und sogar herzlichen“ Atmosphäre während einer gemeinsamen Autofahrt statt. Zverev sprach über seinen langen Weg zum ersten Grand-Slam-Titel, die wichtigsten Menschen in seinem Leben und seine Diabetes-Erkrankung. Doch dann stellte der Journalist die Frage, wie Zverev mit jenen Kritikern umgehe, die wegen der einstigen Vorwürfe häuslicher Gewalt Bedenken äußerten.

Zverev habe empört reagiert und entgegnet: „Sie wissen doch, dass sich die Anschuldigungen als falsch herausgestellt haben?“ Der Journalist betonte, dass es ihm nicht um die Vorwürfe selbst, sondern um den medialen Umgang mit ihnen gehe. Ein Berater Zverevs, der ebenfalls im Auto war, schaltete sich ein. Zverev sagte: „Es ist nicht meine Entscheidung. Ich habe alles getan, was ich konnte, und meine Unschuld wurde bewiesen.“ Als der Journalist das Thema wechseln wollte, beendete Zverev das Gespräch.

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Die Hintergründe der Vorwürfe

Zwei Ex-Freundinnen hatten in der Vergangenheit schwere Vorwürfe gegen Zverev erhoben:

  • Olga Scharipowa warf Zverev 2020 physischen und mentalen Missbrauch vor. Zverev wies die Vorwürfe zurück, ein Gerichtsverfahren fand nicht statt. Die Spielervereinigung ATP teilte nach einer unabhängigen Untersuchung mit, dass keine ausreichenden Beweise gefunden wurden.
  • Brenda Patea, die Mutter seines Kindes, beschuldigte Zverev, sie im Mai 2020 nach einem Streit im Treppenhaus an die Wand gedrückt und gewürgt zu haben. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten verhängte einen Strafbefehl über 450.000 Euro, gegen den Zverev Einspruch einlegte. Im Juni 2024 endete der Fall nach drei Prozesstagen ohne Urteil. Details zur außergerichtlichen Einigung wurden nicht bekannt gegeben. Eine Gerichtssprecherin sagte: „Die Wahrheit bleibt offen.“ Es gilt die Unschuldsvermutung.

Reaktionen und Konsequenzen

L'Équipe thematisierte den Abbruch des Interviews und fragte: „Hätte man den deutschen Champion wie jeden anderen Grand-Slam-Sieger behandeln und die Schatten, die ihn seit den Anschuldigungen zweier Ex-Partnerinnen wegen häuslicher Gewalt umgeben, diskret ausblenden sollen?“ Die Zeitung gab sich selbst eine Antwort: Sie verzichtete darauf, Zverev ins Zentrum der Titelseite zu rücken. Während in den vergangenen Jahrzehnten stets der triumphierende Champion in überwältigender Größe zu sehen war, fand sich Zverev diesmal oben links als Miniatur wieder. Im Mittelpunkt standen die Handballerinnen aus Metz nach ihrem Champions-League-Sieg.

Auf eine Anfrage des SPIEGEL reagierte Zverev nicht. Der Vorfall wirft erneut Fragen zum Umgang mit den Vorwürfen und Zverevs Image auf.

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