WM-Transportkosten: Fan-Kritik an FIFA wächst - Preisexplosion in US-Städten
Die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA sorgt bereits Monate vor Turnierbeginn für massive Kritik in europäischen Fankreisen. Der Grund: exorbitante Transportkosten in mehreren Austragungsstädten, die nach Ansicht von Fanvertretern die treuesten Anhänger systematisch benachteiligen.
Empörung in europäischen Fanorganisationen
„Das ist eine absolute Schande“, erklärt Guillaume Aupretre, Sprecher der wichtigsten französischen Fanorganisation, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Die FIFA häuft immer mehr Zusatzkosten an, ohne dabei an die finanziellen Möglichkeiten der normalen Fans zu denken.“ Aupretre wirft dem Weltverband vor, bewusst „die treuesten Anhänger zugunsten zahlungskräftigerer Gäste auszuschließen“.
Auch aus England kommt scharfe Kritik. Die englische Fanorganisation „Free Lions“ kommentiert die Situation mit den Worten: „Ein weiterer Tag, eine weitere Abzocke bei dieser Weltmeisterschaft. Was um alles in der Welt geht hier eigentlich vor?“
Konkrete Preisbeispiele aus US-Städten
Die Dimensionen der Preissteigerungen sind beträchtlich. In Boston werden für Hin- und Rückfahrten mit dem Bus pauschal 95 US-Dollar verlangt, während Bahntickets auf bis zu 80 Dollar steigen sollen. Noch drastischer zeigt sich die Situation in New York/New Jersey: Der Verkehrsbetrieb New Jersey Transit plant laut Berichten des Sportportals The Athletic, für Fahrten von der Penn Station in Manhattan zum MetLife Stadium in New Jersey mehr als 100 Dollar zu verlangen.
Diese Preispolitik steht in krassem Gegensatz zu früheren Großturnieren. Sowohl bei der WM 2022 in Katar als auch bei der EM 2024 in Deutschland konnten Fans mit einem gültigen Spielticket den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen.
Kritik an FIFA-Klimastrategie
Besonders heftig kritisiert Ronan Evain, Geschäftsführer der paneuropäischen Fanorganisation Football Supporters Europe (FSE), die Widersprüche in der FIFA-Politik: „Fans zur Kasse zu bitten, weil sie sich für die sichere und umweltverträgliche Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel entscheiden, ist ein Hohn auf die Klimastrategie der FIFA und ihre öffentlich verkündeten Netto-Null-Verpflichtungen.“
Evain betont, dass das einzige Ziel des Turniers offenbar darin bestehe, „so viel Geld wie möglich von einem gefangenen Publikum zu erpressen“.
Politische Forderungen an die FIFA
Die Kritik beschränkt sich nicht nur auf Fankreise. Auch aus der US-Politik werden Forderungen an den Weltverband laut. Chuck Schumer, der Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat, erklärt: „Es ist das absolute Minimum, dass die FIFA sicherstellt, dass Fans ohne überhöhte Preise zu den Stadien gelangen können. Ich fordere den Verband nachdrücklich auf, die Transportkosten für die Austragungsstädte und -staaten zu übernehmen.“
Betroffene Mannschaften und Spielorte
Von den hohen Transportkosten sind insbesondere europäische Top-Mannschaften betroffen. Frankreich trägt seine Gruppenspiele in Boston und New York/New Jersey aus, während auch die englische Nationalmannschaft in diesen Regionen spielt. Das deutsche DFB-Team bestreitet sein erstes Gruppenspiel in der Gruppe E am 25. Juni gegen Ecuador in New York/New Jersey. Sollte die Mannschaft die K.o.-Runde erreichen, könnten weitere Spiele in Boston folgen.
Der Weltverband FIFA, der für die WM 2026 Rekordeinnahmen in Milliardenhöhe erwartet und bereits wegen astronomischer Ticketpreise in der Kritik stand, ließ eine Anfrage zu den Transportkosten bisher unbeantwortet. Die wachsende Empörung in Fankreisen und Politik deutet jedoch darauf hin, dass der Druck auf den Verband weiter zunehmen wird.



