Historischer Moment in Los Angeles
In der 85. Minute des WM-Gruppenspiels zwischen Belgien und dem Iran (Endstand 0:0) im Rose Bowl Stadium von Los Angeles schrieb ein unscheinbarer Vorgang Fußballgeschichte. Der Iran wollte Mittelfeldspieler Amirhossein Hosseinzadeh (25) für Saeid Ezatolahi (29) einwechseln. Doch Ezatolahi trottete so langsam vom Feld, dass Schiedsrichter Dario Herrera (41) aus Argentinien eine neue Fifa-Regel anwendete: die 10-Sekunden-Regel für Auswechslungen.
Laut den seit Jahresbeginn geltenden Regularien hat ein ausgewechselter Spieler ab dem Moment, in dem der vierte Offizielle die Tafel mit den Rückennummern hebt, maximal zehn Sekunden Zeit, um das Spielfeld an der nächsten Begrenzungslinie zu verlassen. Wird diese Frist überschritten, darf der eingewechselte Spieler den Platz für mindestens eine Minute nicht betreten. Ezatolahi benötigte 16 Sekunden – eine Überschreitung um 60 Prozent.
Erstmalige Anwendung der Regel
Schiedsrichter Herrera und sein Assistent hinderten Hosseinzadeh daraufhin am Betreten des Rasens. Der Iraner musste umkehren und zurück zur Bank gehen. Es war das allererste Mal, dass diese Regel überhaupt angewandt wurde – und das ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft. Im Fernsehen wurde die Szene zunächst nicht wahrgenommen, da sie sich abseits des Spielgeschehens ereignete.
Hosseinzadeh musste fast zwei Minuten warten, bis er endlich eingreifen durfte. Denn die Regel besagt, dass eine Unterbrechung (wie Einwurf, Abseits, Foul oder Ball im Aus) abgewartet werden muss, bevor der Spieler das Feld betreten kann. Erst eine Abseitsstellung bot diese Gelegenheit.
Weitere Regeländerung sorgt für Diskussionen
Bereits zuvor hatte beim 1:0-Sieg Paraguays gegen die Türkei eine andere neue Regel für Aufsehen gesorgt. Paraguays Miguel Almirón wurde kurz vor der Pause vom Platz gestellt, weil er sich bei einem Wortgefecht mit Türkeis Mert Müldür die Hand vor den Mund hielt. Diese Geste gilt nach neuer Regelung als unsportliches Verhalten und wird mit einer Zeitstrafe geahndet.
Die Fifa hatte die neuen Regeln eingeführt, um Zeitschinden und Unsportlichkeiten konsequenter zu bestrafen. Die Zeitstrafe von einer Minute soll Teams davon abhalten, bewusst Zeit zu schinden oder den Spielfluss zu stören. Ob die Regeln ihren Zweck erfüllen, wird sich im weiteren Turnierverlauf zeigen.



