Die türkische Fußball-Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft nach zwei Vorrundenspielen ausgeschieden. Das 0:1 gegen Paraguay besiegelte das frühe Aus und stürzte das Land in tiefe Trauer und Wut. „Wir entschuldigen uns bei unserem Volk“, sagte Superstar Arda Güler nach der Partie. „Wir sind einfach super traurig. Ich weiß nicht, wie ich von unseren Gefühlen sprechen soll, wir sind ehrlich gesagt alle am Weinen.“
Null Punkte, null Tore: Die Bilanz des Scheiterns
Die Türkei hatte 24 Jahre auf eine WM-Teilnahme gewartet, doch nun steht das Team nach zwei Spielen mit null Punkten und null Toren da. Gegen Australien gab es ein 0:2, gegen Paraguay ein 0:1. Dabei setzte Trainer Vincenzo Montella auf die Offensivpower von Real-Madrid-Star Güler und Kenan Yildiz, doch die Angriffsbemühungen blieben erfolglos. Laut offizieller FIFA-Statistik verzeichneten die Türken insgesamt 62 Torabschlüsse in beiden Partien – ohne ein einziges Tor. „Pfosten, Kopf, Fuß – wir haben alles getroffen, aber der Ball ist nie reingegangen“, sagte Kapitän Hakan Calhanoglu.
Montella: „Fußball ist nicht logisch“
Trainer Montella zeigte sich fassungslos. „Ich habe, glaube ich, noch nie zwei solche Spiele in Serie gesehen“, sagte der Italiener mit versteinerter Miene. „Fußball ist nicht logisch, deswegen ist es das schönste Spiel der Welt. Das bessere Team gewinnt nicht immer.“ Tatsächlich hatten die Türken Pech: Ein abgefälschter Kopfball von Mert Müldür traf gegen Paraguay erst die Latte, dann den Pfosten, aber nicht ins Tor. Dennoch lässt sich das Scheitern nicht allein auf Unglück reduzieren.
Halil Altintop kritisiert Naivität
Der frühere Nationalspieler und Bundesliga-Profi Halil Altintop übte deutliche Kritik. „Es hat sich ja gar nichts verändert, ob sie jetzt einen Mann mehr waren oder nicht. Das ist erschreckend“, sagte der 43-Jährige bei MagentaTV. „Wir haben viel über die individuelle Qualität gesprochen, eine gute Mannschaft. Aber: an Naivität nicht zu überbieten.“ Auch türkische Medien fällten vernichtende Urteile. „Die schlechteste Mannschaft des Turniers“ schrieb „Sözcü“. Für „Habertürk“ gehört die Niederlage „zu den schmerzhaftesten Enttäuschungen in der WM-Geschichte unseres Landes.“
Montella verteidigt Spieler – Zukunft ungewiss
Montella nahm seine Spieler in Schutz. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich in einer Position bin, den Spielern etwas vorzuwerfen“, sagte der frühere italienische Nationalstürmer. „Ich liebe die Spieler jetzt noch mehr. Sie haben ihr Herz und ihre Seele auf dem Feld gelassen.“ Er versuchte, den Blick nach vorne zu richten: „Diese Lektion wird uns helfen als Team in der Zukunft.“ Ob er selbst dann noch Trainer ist, ist fraglich. Türkische Kommentatoren forderten bereits sein Aus. Zudem hatte sich Montella mit deutlicher Medien-Schelte vor dem Paraguay-Spiel nicht nur Freunde gemacht.
Hoffnungsträger Güler und Yildiz
Die großen Hoffnungen ruhen auf den 21-jährigen Güler und Yildiz. „Sie haben noch viele Turniere vor sich. Für mich war es vielleicht das letzte, man weiß nie“, sagte Mittelfeldlenker Calhanoglu. Güler nannte das Aus „beschämend“ und kündigte an: „Ich muss jetzt alles tun, um das wiedergutmachen zu können.“



