Durch die Verletzung von Nico Schlotterbeck (26, Knöchel) rückt Antonio Rüdiger (33) in die Innenverteidigung der deutschen Nationalelf neben Jonathan Tah (30). Ausgerechnet Rüdiger, um den es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen gab, wird nun zum wichtigen Stammspieler.
Vom Krisenfall zum Vorbild
Im April 2025 war Rüdiger noch im Zentrum eines DFB-Krisengipfels. Beim aufgeheizten Pokalfinale zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona rastete er aus und warf eine Taperolle Richtung Gegner. Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) und Sportdirektor Rudi Völler (66) luden ihn daraufhin zu einem klärenden Gespräch ein. Völler machte danach deutlich: „Das geht nicht. Schon gar nicht als deutscher Nationalspieler.“ Es gab eine Art gelbe Karte für Rüdiger.
Jetzt ist das alles vergessen. Rüdiger verhält sich vorbildlich und akzeptierte klaglos, dass er seinen Platz in der Innenverteidigung an Tah und Schlotterbeck abgeben musste. Nach BILD-Informationen waren Rüdiger und Nagelsmann viel im Austausch; schon im März stand fest, dass Rüdiger die Rolle des Backups von der Bank übernehmen würde.
Teamplayer und Vize-Abwehrchef
Seit Beginn der WM-Vorbereitung geht er in dieser Rolle voll auf. Als Routinier ist er Ansprechpartner für die Jüngeren, lebt den Teamgedanken vor und nimmt sein eigenes Ego zurück. Erst letzte Woche machte er das öffentlich deutlich, schwärmte auf einer Pressekonferenz von Schlotterbeck und machte Tah zum neuen Anführer: „Jona, was er die letzten zwei, drei Jahre für einen Schritt gemacht hat, hat bei mir sehr, sehr viel Respekt. Er ist der neue Chef.“
Sein Auftritt kam intern beim DFB extrem gut an. Plötzlich lieben alle Rüdiger! Bezeichnend auch, dass er nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste mit dem Kind des verletzten Schlotterbeck auf dem Arm aus dem Mannschaftsflieger stieg.
Rüdiger zeigt Einsicht und Reife
Rüdiger gab sich zudem geläutert und zeigte Verständnis für seine Kritiker: „Ich respektiere seriöse Meinungen. Ich bin kein Kind von Traurigkeit. Ich habe dazu davor schon viele Interviews gegeben. Ich nehme seriöse Meinungen wahr und habe mich auch ganz klar für diese Sachen entschuldigt.“
Auf dem Platz wird Rüdiger jetzt wieder superwichtig. Der deutsche Ex-Abwehrchef ist neben Tah der neue Vize-Abwehrchef. Ihm kommt es gelegen, dass er nicht mehr ganz so im Fokus steht. Bei Real Madrid hat Rüdiger nach Problemen und Verletzungen längst wieder die Kurve gekriegt; gerade erst wurde sein Vertrag verlängert. Jetzt soll es auch beim DFB den neuen Rüdiger geben: als Teamplayer, routinierter Co-Anführer – und ohne zu viele kritische Diskussionen von außen.



