Union-Trainerin Marie-Louise Eta: Dresdner Wurzeln einer Bundesliga-Pionierin
Union-Trainerin Eta: Dresdner Wurzeln einer Pionierin

Union-Trainerin Marie-Louise Eta: Dresdner Wurzeln einer Bundesliga-Pionierin

Ganz Fußball-Deutschland blickt auf eine historische Premiere: Marie-Louise Eta (34) ist als erste Trainerin in der Geschichte der Bundesliga im Amt. Während die Interimschefin von Union Berlin am Dienstag ihre erste hauptverantwortliche Trainingseinheit leitete, blickt ihre Heimatstadt Dresden mit besonderem Stolz auf die Karriere der Pionierin zurück. BILD hat die ersten beiden Vereine besucht, in denen die außergewöhnliche Laufbahn der gebürtigen Dresdnerin ihren Anfang nahm.

Frühe Leidenschaft beim FV Dresden 06 Laubegast

Ihre Fußballbegeisterung zeigte sich bereits im Kindesalter. Mit sieben Jahren begann Marie-Louise Eta, damals noch Bagehorn, ihre Karriere beim FV Dresden 06 Laubegast. In einer gemischten Mannschaft mit nur einem weiteren Mädchen entwickelte sie ihre ersten fußballerischen Fähigkeiten. Vereinslegende Bernd Fröhlich (67), damaliger Trainer der ersten Herrenmannschaft, erinnert sich lebhaft: „Sie wohnte direkt um die Ecke. Ihre Familie war fußballverrückt, ihr Vater war Nachwuchstrainer im Verein. Sie kam immer mit dem Ball am Fuß über die Straße zum Platz. Man sah sofort, dass sie überdurchschnittlich talentiert war.“

Schon als Achtjährige trainierte Eta regelmäßig mit den erwachsenen Spielern. Fröhlich berichtet: „Während ich die Herrenmannschaft trainiert habe, hat Marie-Louise die Übungen immer am Rand nachgemacht. Da hat man gesehen, dass sie außergewöhnlich war.“ Diese frühe Prägung durch Männerfußball sollte sich als wegweisend für ihre spätere Trainerlaufbahn erweisen.

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Wechsel zum 1. FFC Fortuna Dresden

Mit elf Jahren folgte der nächste wichtige Schritt: Eta wechselte in die D-Jugend des 1. FFC Fortuna Dresden im Stadtteil Rähnitz – ihr erstes reines Mädchenteam. Manfred Roll (69), damals wie heute Schatzmeister und Fahrer für die Kinder, erinnert sich an die talentierte Spielerin: „Sie war sehr talentiert und in der kleinen Truppe die Chefin. Wenn sie am Anfang einen Kreis gemacht haben, hat sie die Sprüche immer angestimmt.“

Der Trainingsplatz in Rähnitz bot besondere Herausforderungen. In unmittelbarer Nähe zum Dresdner Flughafen donnerten alle 20 Minuten Flugzeuge im Landeanflug nur etwa 100 Meter über den Platz. Roll erklärt: „Mit dem Krach und dem tieffliegenden Flugzeug gingen alle Köpfe nach oben, da war das Spiel erstmal pausiert. Da hatten unsere Mädels einen kleinen Heimvorteil, sie kannten das ja schon.“

Internationale Erfolge und Dresdner Fußballgeschichte

Drei Jahre später setzte Eta ihre Karriere bei Turbine Potsdam fort, wo sie sich zur Junioren-Nationalspielerin entwickelte. 2010 krönte sie ihre Spielerlaufbahn mit zwei bedeutenden Titeln: Als Mitglied der U20-Nationalmannschaft wurde sie Weltmeisterin beim Heimturnier in Deutschland und gewann mit Turbine Potsdam die Champions League. Von diesen Erfolgen profitierte auch ihr früherer Verein: „Für Marie-Louise haben wir vom DFB 1.000 Euro bekommen und von Turbine Potsdam einen Sack voller guter Bälle“, berichtet Schatzmeister Roll.

Jens Genschmar (57), Traditionsbeauftragter bei Dynamo Dresden, Stadtrat und Leiter des Dresdner Fußballmuseums, hat Eta bereits als U20-Weltmeisterin in sein Museum eingeladen. Zwei ihrer Trikots befinden sich heute in der Sammlung. Genschmar erklärt: „Als Union ihre Verpflichtung verkündete, suchte ich ein Foto von ihrem Besuch und ihre Trikots von 2010 heraus und postete Glückwünsche. Da sah man sofort, wie oft das geteilt wurde und wie die Leute reagierten. Der Hype ist ununterbrochen.“

Ihr Trikot liegt heute neben Erinnerungen an DDR-Legende Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner (†70) und Weltmeistertrainer Helmut Schön (†81), der ebenfalls in Dresden geboren wurde. Genschmar betont: „Das ist Dresdner Fußballgeschichte – und dazu gehört sie jetzt auch.“ Mit ihrer Ernennung zur ersten Bundesliga-Trainerin schreibt Marie-Louise Eta nicht nur deutsche Fußballgeschichte, sondern setzt auch die Tradition Dresdner Fußballpioniere fort.

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