Struff erreicht erstmals Grand-Slam-Viertelfinale
Jan-Lennard Struff schreibt in Wimbledon ein Tennis-Märchen. Der 36-jährige Sauerländer steht zum ersten Mal in seiner Karriere im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Dort trifft er am Dienstag auf den topgesetzten Jannik Sinner. „Klar, natürlich traue ich mir zu, dass ich da was schaffen kann, sonst bringt es nichts, da auf den Platz zu gehen“, sagte Struff im Media Theatre von Wimbledon. Es werde eine „brutal schwierige“, aber auch „spannende“ Aufgabe. „Ich kann mit Selbstvertrauen reingehen. Es ist absolut ein Highlight.“
Der Weg ins Viertelfinale
Struffs Achtelfinale gegen Hubert Hurkacz endete vorzeitig, als der Pole beim Stand von 3:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:2), 7:5, 4:2 wegen Bauchmuskelproblemen aufgab. Zuvor hatte Struff in den ersten beiden Runden jeweils einen Fünf-Satz-Sieg gefeiert und in Runde drei den ehemaligen US-Open-Sieger Daniil Medwedew besiegt. „Es war Wahnsinn, alles zusammen ist schon echt verrückt“, sagte der Turniersieger von München 2024.
Sinner mit Respekt vor Struff
Der Weltranglistenerste Jannik Sinner begegnet Struff mit „großem Respekt“. „Wir haben uns ein paarmal gegenübergestanden. Das letzte Mal war auf Rasen in Halle. Es war ein sehr, sehr enges Match. Mal sehen, was passiert“, sagte der 24-jährige Italiener. Alle drei bisherigen Duelle fanden 2024 statt, alle gingen an Sinner. Das Viertelfinale von Halle vor zwei Jahren entschied Sinner im dritten Satz erst im Tiebreak für sich.
Struff im elitären Last-8-Club
Mit 36 Jahren ist Struff der älteste Tennisspieler der Profi-Ära, der erstmals ein Grand-Slam-Viertelfinale erreicht hat. Er ist nun Mitglied im elitären Last-8-Club von Wimbledon, der allen Viertelfinal-Teilnehmern unter anderem lebenslang Tickets garantiert. Ein Preisgeld von gut 560.000 Euro hat er bereits sicher. Wimbledon ist eng verbunden mit den goldenen Erfolgen von Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich. Doch auch deutsche Außenseiter feierten hier unerwartete Erfolge – etwa die Viertelfinalisten Alex Radulescu (1996), Alexander Popp (2003) und Florian Mayer (2012) oder die Sensations-Halbfinalistin Tatjana Maria (2022) und die Überraschungs-Viertelfinalistin Laura Siegemund (2025).
Teamkollegen schwärmen von Struff
Alexander Zverev verglich Struff liebevoll mit einem „Teddybären“, der keinen Gramm Böses in sich habe. „Das liebe ich an Struffi, der kann 37-mal in Folge erste Runde verlieren und dann auf einmal spielt er Viertelfinale beim Grand Slam“, sagte die deutsche Nummer eins. Doppelspezialist Kevin Krawietz beschreibt ihn als „liebsten Menschen der Welt“ und verriet: „Er ist auf seine Art lustig, obwohl er es gar nicht merkt.“ Er sei verpeilt – ohne das negativ zu meinen. Das führe oft zu Situationskomik. „Wir haben eine gute Zeit miteinander“, entgegnete Struff. „Wenn er sagt, dass ich verpeilt bin – okay, ein bisschen vielleicht manchmal.“
Stich: „Story kannst du eigentlich schöner nicht schreiben“
Ex-Wimbledon-Sieger Michael Stich sagte bei Prime über Struff: „Er hat viele Höhen und Tiefen in seiner Karriere erlebt, aber immer an sich geglaubt. Die ganze Story kannst du eigentlich schöner nicht schreiben.“ Struff selbst genießt den Moment und blickt voller Vorfreude auf das Duell mit Sinner. „Es wird eine brutal schwierige Aufgabe, aber ich freue mich darauf“, sagte er.



