Rudi Völler: DFB-Superminister heiß auf WM-Start – „Alle brennen“
Rudi Völler: DFB-Superminister heiß auf WM-Start

Nach nur einem Tag im WM-Quartier in Winston-Salem ist Rudi Völler bereits wieder abgereist – mit einem sehr guten Gefühl. „Alle brennen“, betonte der DFB-Sportdirektor mehrfach mit Blick auf die große Vorfreude der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor dem Turnierstart. Julian Nagelsmanns Superminister konnte sich beruhigt auf den Weg zum Eröffnungsspiel im von ihm so geschätzten Aztekenstadion in Mexiko-Stadt machen.

Entscheidende Nachrichten vom Trainingsgelände

Die wichtigsten Informationen lieferte Völler zuvor auf dem Campus der Wake Forest University. Hinter der Tribüne des W. Dennie Spry Stadiums hatte Manuel Neuer auf einem separaten Trainingsplatz gemeinsam mit dem gesamten Torwart-Quartett die nächste Einheit absolviert. Der 40-Jährige zeigte dabei keinerlei Probleme an der linken Wade und machte alle Übungen mit. Völler war kurz zuvor am Spielfeldrand entlanggelaufen und hatte konzentriert auf seinem Handy getippt. Zweifel am Comeback des Rekordtorwarts am Sonntag (19.00 Uhr, ARD und MagentaTV) beim WM-Auftakt gegen Curaçao gibt es nicht mehr. „Ihn bringt nichts aus der Ruhe. Es läuft alles gut. Er ist wieder bei der Mannschaft“, sagte Völler über Neuer.

Völler spricht über Kimmich, Musiala und Wirtz

Der 66-Jährige äußerte sich auch zu Joshua Kimmich, Julian Nagelsmann, Jamal Musiala, Florian Wirtz, Kai Havertz und Ersatz-Stürmer Nick Woltemade sowie deren WM-Ambitionen. Die gemeinsame Klammer für alle DFB-Stars: „Alle brennen“ auf die XXL-WM. „Alle Spieler sind fit, das ist bei einem Turnier das Allerwichtigste“, überbrachte Völler gute Nachrichten im zum Pressekonferenzraum umgebauten Hörsaal der Privatuniversität.

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Völlers Erfahrungsschatz gibt Autorität

Für WM-Weisheiten ist Völler bei der Nationalmannschaft zuständig; sein Wort hat bei allen Themen Gewicht. Der unerschöpfliche Erfahrungsschatz aus vier WM-Turnieren als Spieler (1986, 1990, 1994) und DFB-Teamchef (2002) verleiht ihm diese Autorität – und auch die Verantwortung. Trotz der positiven und hoffnungsvollen sportlichen Nachrichten, und obwohl Leroy Sané und Nico Schlotterbeck in bester Laune mit ihren voll besetzten Golf-Carts zum Training fuhren, gibt es auch Konfliktzonen. Völler ist in Amerika auch für alle schwierigen Themen zuständig, die zu seinem Ressort als Sportdirektor gehören. Die Prellbock-Tätigkeit stand stets in seiner Stellenbeschreibung.

Innen- und Außenminister der DFB-Elf

Er ist Innenminister, wenn es um einen möglichen Lagerkoller im Turnierhotel oder das Risiko mit dem leicht ramponierten Rasen auf dem Trainingsplatz geht. Und er ist Außenminister, wenn er die Ticketpreise der FIFA oder die Einreiseverweigerung für einen Schiedsrichter aus Somalia durch die US-Behörden kritisch kommentieren muss. Völler räumt alles ab. Sollte die WM für die DFB-Elf in einem Misserfolg enden, will er jedenfalls keine Ausreden hören, dass das Hotel „The Graylan Estate“ nicht den Ansprüchen genügte. „Also es wird, egal, wie weit es geht, niemals eine Entschuldigung sein, dass vielleicht das Trainingsgelände oder das Trainingszentrum nicht gut genug waren“, sagte er energisch.

Lagerkoller-Debatte aus der Zeit gefallen

Die in Winston-Salem latent lodernde Lagerkoller-Debatte ist für Völler ohnehin überholt. Der entscheidende Unterschied zu seiner Zeit als Spieler: „Wir hatten damals kein Internet. Wir hatten keine Handys. Es gab auch kein deutsches Fernsehprogramm. Das war früher komplizierter, glauben Sie mir. Also Lagerkoller, wie wir es früher mal kennen, das gibt's heute überhaupt nicht mehr“, argumentierte Völler.

Kein Verteidigungsminister für Nagelsmann

Eines soll Völler auf keinen Fall werden: Verteidigungsminister für Nagelsmann, falls der WM-Traum nach 2018 und 2022 erneut zu früh enden sollte. „Wir werden schwer zu schlagen sein“, verspricht er recht allgemein zur Zielsetzung. Er warnt vor Leichtsinn, auch beim Start am Sonntag gegen den krassen Außenseiter Curaçao. Mutiger als die „Das-Glas-ist-halb-voll“-Rhetorik wäre es zu sagen: „Wir können viele Gegner schlagen.“

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Weiterreise nach Mexiko, New York und Texas

Den Bundestrainer kann der 66-Jährige beim Countdown durchaus ein paar Tage allein in North Carolina lassen. Nach der Visite in Mexiko, wo auch ein 86.000-Euro-Scheck für zwei Bildungsprojekte der ihm wichtigen DFB-Stiftung überreicht wird, geht es direkt weiter nach New York. Dort ist Völler bei der Eröffnung des German House of Soccer in Manhattan dabei, bevor es für den Vielflieger weiter zum ersten deutschen Spiel nach Houston geht. Dann wird Völler sicherlich für ein Erfolgserlebnis „brennen“.