Historischer Meilenstein im deutschen Fußball: Erste Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga
Am kommenden Samstag schreibt der 1. FC Union Berlin Fußballgeschichte, wenn mit Marie-Louise Eta erstmals in der 63-jährigen Geschichte der Männer-Bundesliga eine Frau als Cheftrainerin an der Seitenlinie steht. Die 34-jährige Interimstrainerin übernimmt die Verantwortung für den Bundesligisten im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg und soll den Klassenerhalt sichern.
Claudia Roth: "Das Geschlecht darf keine Rolle spielen"
Die frühere Bundestagsvizepräsidentin und Kulturstaatsministerin Claudia Roth betont die Vorbildfunktion dieser historischen Entscheidung. "Das Geschlecht darf bei der Besetzung solcher Posten keine Rolle spielen, in der Bundesliga wie in jedem anderen Bereich", erklärt die Grünen-Bundestagsabgeordnete gegenüber dem SPIEGEL. Roth, die selbst seit rund 20 Jahren Mitglied des FC Augsburg ist und als Vize-Vorsitzende des Kuratoriums der Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fungiert, wünscht sich Nachahmerinnen in anderen Bundesliga-Vereinen.
Die 70-jährige Politikerin argumentiert: "Frauen bewiesen seit Jahrzehnten, dass sie als Führungskräfte mindestens genauso gut geeignet sind wie Männer." Sie sieht in weiblichen Führungspersönlichkeiten sogar eine Chance, den toxischen Umgang im Profifußball zu reduzieren: "Das wäre ein Gewinn für den Profifußball".
Marie-Louise Eta: Eine versierte Fußballfachfrau
Marie-Louise Eta gilt als ausgewiesene Expertin, die bereits vor zwei Jahren als Co-Trainerin der Männermannschaft von Union Berlin den Abstieg in die Zweitklassigkeit verhinderte. Nach ihrer Interimstätigkeit bei den Männern soll sie im Sommer wie geplant die Bundesliga-Mannschaft der Frauen von Union Berlin übernehmen.
Roth lobt die 34-Jährige als "eine ausgewiesene Fußballfachfrau", die alle Voraussetzungen mitbringe, an denen auch männliche Kollegen gemessen würden. "Genau dieses Bewusstsein um die eigene Kompetenz ist ein wichtiger Schutzschild gegen Häme und Hetze", betont die Grünenpolitikerin.
Herausforderungen und Unterstützung
Trotz breiter Anerkennung in der Branche sieht sich Eta insbesondere in sozialen Medien mit frauenfeindlichen Angriffen und hetzerischen Kommentaren konfrontiert. Claudia Roth würdigt den Umgang des Vereins mit dieser Situation:
- Union Berlin stellt sich öffentlich hinter die Trainerin
- Die Vereinsführung verurteilt das Verhalten der sogenannten Fans klar
- Der Klub zeigt damit Haltung, die bei solchen Verpflichtungen essenziell ist
"Union Berlin macht aktuell wirklich alles richtig", so Roth, die den Rückhalt aus dem Umfeld als enorm wichtig für den Erfolg solcher Pionierleistungen einschätzt.
Impuls für einen Kulturwandel im deutschen Fußball
Die Berufung Etas könnte nach Ansicht von Claudia Roth einen bedeutenden Kulturwandel innerhalb des DFB befördern. Die Politikerin sieht sogar Potenzial für die Nationalmannschaft der Männer: "In Zukunft ist eine Cheftrainerin oder Sportdirektorin auch beim DFB sicher eine sehr gute Möglichkeit".
Dennoch zeigt sich aus Sicht der Grünen, dass die Welt des Männer-Fußballs trotz dieser historischen Entscheidung noch lange nicht auf der Höhe der Zeit ist. Roth kritisiert: "Es ist ein Wahnsinn, was für Debatten wir immer noch führen, wenn eine Frau ein Spiel in der ersten Bundesliga pfeift oder ein WM-Spiel kommentiert."
Die Grünenpolitikerin betont abschließend: "Die Zeichen der Zeit sind klar und wir leben im 21. und nicht mehr im 19. Jahrhundert." Die Ernennung von Marie-Louise Eta bei Union Berlin könnte somit nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich wegweisend für den deutschen Profifußball werden.



