Autor rechnet mit deutscher Fußball-Wende ab: Nur ein Ossi im WM-Kader
Nur ein Ossi im WM-Kader: Autor rechnet mit Fußball-Wende ab

Nur einer aus 26! Fast 36 Jahre nach der Deutschen Einheit könnte die Quote der deutschen WM-Stars, die im Gebiet der ehemaligen DDR geboren wurden, kaum geringer sein. Maximilian Beier (23/Dortmund) ist der einzige aus dem Osten und erblickte 2002 in Brandenburg an der Havel das Licht der Welt.

Rückblick auf vergangene Turniere

Rückblickend auf die vergangenen großen Turniere ist dies keine neue Entwicklung – und doch ein weiteres deutliches Zeichen, dass bei der Fußball-Wende einiges schiefgegangen ist.

Buch beschreibt ostdeutschen Fußball-Zusammenbruch

„Dass mit Maxi Beier heute nur einer aus dem Osten bei der WM dabei ist, ist eine klassische Spätfolge. Ich habe aber auch ein bisschen Hoffnung, dass sich die Situation mittelfristig durch die Arbeit von Bundesliga-Vereinen wie Union Berlin und RB Leipzig ändert“, sagt Mathias Liebing (46) zu BILD.

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Autor Mathias Liebing (46) ist selbst ein Kind des Ostens. Der Leipziger Autor hat mit seinem Buch „Plattgemacht – Wie der Westen den ostdeutschen Fußball zerstörte“ eine schonungslose Analyse über den Zusammenbruch eines ganzen Systems und zahlreicher Vereine veröffentlicht.

Ausgangspunkt: Der Mauerfall 1989! Kurz danach wechselten nicht nur die besten DDR-Kicker wie Matthias Sammer (58), Ulf Kirsten (60) und Andreas Thom (60) in die Bundesliga. Rund 150 weitere Fußballer gingen in der Folgezeit von Ost nach West.

Liebing: „Die Spieler sind im Westen mit offenen Armen empfangen worden und natürlich freiwillig in die Bundesliga gegangen. Übrig blieben die Vereine und ihre Verantwortlichen, die oft den Job verloren hatten, weil sie auch in den Kombinaten und Betrieben, an welche die Vereine angegliedert waren, ihre Jobs verloren hatten.“

Zwar wurden zur Bundesligasaison 1991/92 mit Hansa Rostock und Dynamo Dresden auch zwei Ost-Klubs ins Fußballoberhaus mit aufgenommen. Doch von Langfristigkeit war diese Unternehmung nicht geprägt.

DFB für Liebing Hauptschuldiger

Im Gegenteil: Stück für Stück rutschten zahlreiche Vereine immer tiefer in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Dazu verloren die früheren DDR-Klubs nach dem Ausverkauf ohne ihre Top-Stars Stück für Stück auch sportlich den Anschluss.

„Die Schuld allein beim Westen zu sehen, wäre aber sicherlich zu einfach“, betont Liebing. Einer der Hauptschuldigen aus seiner Sicht: der Deutsche Fußball-Bund! „Der hat sich in dieser Wendephase nicht wirklich fair und weitsichtig verhalten. Da ist sicherlich vieles passiert, was heute anders gemacht werden sollte.“

Worum es konkret geht, darüber spricht Liebing auf seiner Lesetour mit mehreren Ostlegenden. Am heutigen Freitag (18.30 Uhr) ist er mit Norbert Nachtweih (69) und Alexander Zickler (52) im Kino Prisma in Halle zu Gast.

Am Samstag (19 Uhr) folgt mit Nachtweih ein Auftritt in der Hafenbar in Hettstedt. Zum Abschluss der Mini-Lesetour begleitet ihn am Dienstag (20 Uhr) Torwart-Legende Perry Bräutigam (63) in die Thalia-Buchhandlung auf der Grimmaischen Straße.

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