Nagelsmanns WM-Pläne durchkreuzt: Stiller und Führich profitieren von Verletzungspech
Nagelsmanns WM-Pläne durchkreuzt: Stiller profitiert

Nagelsmanns WM-Vorbereitung erhält unerwartete Wendung

Das sonnige Franken sollte eigentlich der Ort sein, an dem Bundestrainer Julian Nagelsmann seine fest eingeplanten Mittelfeld-Asse für die anstehende Weltmeisterschaft begrüßt. Stattdessen musste er im DFB-Stützpunkt Herzogenaurach ein völlig ungeplantes Wiedersehen feiern: Die nachnominierten Stuttgarter Angelo Stiller und Chris Führich traten die Reise an, während die eigentlich vorgesehenen Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha verletzungsbedingt absagten.

Verletzungspech durchkreuzt sorgfältige Planungen

Noch vier Tage zuvor hatte Nagelsmann bei der Kaderpräsentation in Frankfurt verkündet: „Wenn alle gesund sind, ist der Grundkader relativ gefestigt.“ Doch die Fußball-Realität holte den Bundestrainer nur 83 Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Curaçao in Houston ein. Der Plan, in den Länderspielen gegen die Schweiz und Ghana eine Turnierelf einzuspielen und WM-Vorfreude zu schüren, wurde durchkreuzt.

Pavlović sagte wie erwartet wegen Hüftbeschwerden ab – der FC Bayern und die anstehenden Champions-League-Duelle mit Real Madrid haben Vorrang. Überraschender war die Nachricht aus Dortmund: Felix Nmecha zog sich beim BVB-Sieg gegen den HSV eine Außenbandverletzung im Knie zu und fällt „mehrere Wochen“ aus. Für den von Nagelsmann extrem geschätzten Mittelfeldspieler könnte es im WM-Countdown eng werden mit der benötigten Belastungsfähigkeit.

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Stiller: Vom Außenseiter zum Profiteur

Vom Doppel-Ausfall im zentralen Mittelfeld profitiert plötzlich Angelo Stiller, der eigentlich nicht in Nagelsmanns Rollenprofilen vorgesehen war. Der Bundestrainer hatte bei der Kaderpräsentation erklärt: „Wenn man von Angelo Stiller spricht, ist er ein guter Fußballer mit extrem viel Potenzial. Er hat bei uns den Konkurrenten mit Pavlo, den ich einfach noch einen Tick vorne dran sehe.“ Noch deutlicher wurde Nagelsmann mit der Aussage: „Ich sehe Angelo nicht in der ersten Elf.“

Doch der 24-jährige Stuttgarter, der erst am Sonntagabend beim 5:2-Sieg in Augsburg als Denker und Lenker überzeugte, sitzt nun doch wieder im WM-Zug. Schlagartig könnte sich seine Position verändert haben, denn Nagelsmann muss einräumen, dass Plan B auch während des Turniers jederzeit durch Blessuren oder Sperren notwendig werden könnte.

Professionalität trotz Enttäuschung

Stiller zeigte sich professionell, als er von seiner Nachnominierung erfuhr. „Ich war noch nicht am Handy“, erklärte er in Augsburg. Kritische Worte zur ersten Kaderzusammenstellung Nagelsmanns vermied er bewusst: „Wenn der Nationaltrainer eine Begründung hat, dann wird sie immer stimmen. Er hat einen Plan. Er weiß, wie er spielen will. So macht er den Kader.“ Auch wenn dies „schade für mich ist“, wie der fünfmalige Nationalspieler einräumte.

Undav mit klarer Ansage

Ein weiterer Stuttgarter bezog mit besonders breiter Brust sein Zimmer in den Holzhäusern des Homeground: Deniz Undav. Der Angreifer imponierte in Augsburg als zweifacher Torschütze und brachte es auf eine beeindruckende Quote von 18 Saisontoren. „Wenn ich spiele, versuche ich zu glänzen und zu treffen“, kündigte der 29-Jährige an.

Sein sechstes und bisher letztes Länderspiel liegt fast zehn Monate zurück. „Es sind sehr wichtige Spiele. Es sind nicht nur Freundschaftsspiele“, betonte Undav mit Blick auf die Partien gegen zwei WM-Teilnehmer. Seine Worte galten wohl auch für seine Vereinskollegen: „Wir müssen uns anbieten, dem Bundestrainer zeigen, dass wir bei der WM dabei sein wollen. Es ist der letzte Grundstein, der gelegt werden kann.“

Modifiziertes Wochenprogramm

Nagelsmann muss sein übergeordnetes Wochenprogramm nun anpassen. „Wir haben einen großen Pool von Spielern als Stamm dabei, der sich weiter festigen und aneinander gewöhnen soll“, lautete die ursprüngliche Planung. Jetzt wird daraus ein Test für die Tiefe des Kaders.

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Mitte Mai benennt der Bundestrainer den endgültigen 26-köpfigen WM-Kader. Bis dahin hat sich die Situation bereits grundlegend verändert. Was als Phase der Festigung geplant war, wird nun zur Bewährungsprobe für Spieler, die eigentlich nicht in den Rollenspielen des Bundestrainers vorgesehen waren. Die Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana erhalten dadurch eine zusätzliche Bedeutung – sie werden zur letzten Chance für Angelo Stiller und Chris Führich, sich für den WM-Kader zu empfehlen.