Historische Ernennung: Marie-Louise Eta wird erste Cheftrainerin der Bundesliga
Die Beförderung von Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin wird von prominenten Stimmen des deutschen Fußballs als historischer Meilenstein gewürdigt. Vincent Kompany, Trainer des FC Bayern München, bezeichnete die Entscheidung als „Schlüsselmoment“ für die gesamte Branche.
Kompany betont Vorbildfunktion für junge Mädchen
Der 40-jährige Belgier sieht in der Ernennung weit mehr als einen einfachen Trainerwechsel. „Es ist einfach zu sagen, sie ist ein Coach wie alle anderen. So müssen wir sie unter Kollegen behandeln. Aber letztlich ist es etwas Besonderes“, erklärte Kompany. Besonders wichtig sei die Signalwirkung für den Nachwuchs. „Das eröffnet Möglichkeiten für kleine Mädchen, die gerade Fußball spielen und nun denken, ich könnte überall Trainerin werden, sehr erfolgreich sein und eine richtige Karriere haben. Diese Geschichten sind sehr wichtig“, betonte der Bayern-Coach.
Haenni: Fachliche Qualifikation steht im Vordergrund
Tatjana Haenni, Club-Chefin von RB Leipzig, sprach von einem „sehr schönen Meilenstein“. Die 59-jährige Schweizerin zeigte sich überzeugt, dass Union Berlin gute fachliche Gründe für die Entscheidung hatte. „Union wird gute Gründe für diese Entscheidung haben, die nichts damit zu tun haben, dass sie eine Frau ist, sondern fachlich sehr gut“, sagte Haenni der „Sport-Bild“.
Die geringe Anzahl von Frauen in ranghohen Positionen der Bundesliga führt Haenni auf historische Entwicklungen zurück. „Das braucht Zeit. Der Fußball war historisch männergeführt, die Rolle der Frau war vor 40, 50 Jahren anders als heute“, erklärte sie und verwies auf positive Entwicklungen in nordischen Ländern. Von Frauenquoten hält die RB Leipzig-Chefin wenig: „Es geht um die richtige Person.“
Kompany mahnt zu mehr Geduld im Trainerberuf
In einem Punkt wünscht sich Kompany allerdings besondere Behandlung für die neue Union-Trainerin. „Bei der Geduld. Im Trainer-Job gibt es nicht sehr viel Geduld aus den Führungsebenen“, sagte der Belgier. Unions Geschäftsführer Horst Heldt hatte bereits signalisiert, dass Eta möglicherweise über das Saisonende hinaus im Amt bleiben könnte.
Die Beförderung erfolgte am vergangenen Sonntag nach der Freistellung von Steffen Baumgart und stellt einen in der Geschichte der Fußball-Bundesliga bisher einmaligen Vorgang dar. Beobachter werten die Entscheidung als wichtigen Schritt hin zu mehr Diversität und Chancengleichheit im Profifußball.



