Die Kapverden, bekannt für ihre traumhaften Strände, begeistern nun auch fußballerisch. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 erkämpfte sich die Nationalmannschaft, genannt die „Blauen Haie“, in den ersten beiden Vorrundenspielen ein 0:0 gegen Spanien und ein 2:2 gegen Uruguay. Damit hat der Inselstaat mit rund 500.000 Einwohnern, etwa 570 Kilometer vor der Westküste Afrikas gelegen, die Fußballwelt überrascht.
Helio Varela rehabilitiert sich
Helio Varela, der mit seinem Treffer zum 2:2 gegen Uruguay für Ekstase sorgte, hatte sich zuvor bei seinen Landsleuten unbeliebt gemacht. Vor drei Jahren lehnte er eine Einladung zum Afrika Cup ab, um sich auf den Abstiegskampf mit seinem damaligen Verein SC Portimonense zu konzentrieren. Varela steht exemplarisch für viele Spieler der Kapverden, die im Ausland aufgewachsen und ausgebildet wurden – insbesondere in Portugal, der früheren Kolonialmacht.
Diaspora als Stärke
Ethnologe Christian Ungruhe von der Universität Passau sieht in der frühen Förderung durch europäische Spitzenklubs einen Vorteil: „Viele Spieler kommen früh mit europäischen Spitzenklubs in Kontakt und werden auf einem entsprechend hohen Niveau ausgebildet, insofern überrascht mich dieser Erfolg gar nicht mal so sehr.“ Weltweit leben mehr Kapverdianer im Ausland als auf den Inseln selbst. Kapitän Kevin Pina betonte nach dem Spiel gegen Uruguay: „Jetzt geht es darum, unserem Volk weiter Freude zu bereiten.“
Vózinha: Vom vereinslosen Torwart zum Social-Media-Star
Torwart Josimar José Évora Dias, genannt Vózinha („Großmütterchen“), ist der aktuelle Star des Teams. Mit starken Paraden gegen Spanien entnervte er die Gegner und weinte nach dem Spiel in den Armen seiner Mitspieler. Der 40-Jährige, der von seinen Großeltern großgezogen wurde, spielte bereits in Angola, Moldau und Zypern. Nachdem sein Vertrag bei GD Chaves in Portugal nicht verlängert wurde, ist er vereinslos. Seine Followerzahl auf Social Media stieg während des Turniers von rund 50.000 auf 15,3 Millionen.
Emotionale Momente für Vózinha
Nach dem Spanien-Spiel konnte Vózinhas Mutter nicht einreisen, weil sie kein Visum erhielt. Beim Uruguay-Spiel war sie erstmals dabei und hatte die Kapverden dafür verlassen. Vor dem Spiel richtete sie eine emotionale Videobotschaft an das Team: „Seid stark und mutig, blaue Haie! Ich möchte, dass ihr gut spielt und glänzt. Glaubt an euch, dann wird alles gut.“
Chance auf Achtelfinale
Vor dem dritten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien am 27. Juni (2 Uhr MEZ) gehen die Kapverden nicht als Außenseiter. Als WM-Neuling haben sie gute Aussichten auf die K.-o.-Phase. Die Fans feiern bereits ausgelassen – zu Hause und weltweit.



