Helmut Kafka prägte St. Paulis neuen Trainer Marcel Rapp
Kafka prägte Rapp: So tickt St. Paulis neuer Trainer

Marcel Rapp (47) soll beim FC St. Pauli wieder die Energie freisetzen. Seit Freitag ist der gebürtige Pforzheimer der neue Trainer beim Bundesliga-Absteiger. Geprägt haben ihn siebeneinhalb Jahre im Nachwuchs der TSG Hoffenheim. „Wenn ich beschreiben müsste, wie eine Marcel-Rapp-Mannschaft Fußball spielt, dann würde ich es ehrlichen Fußball nennen. Mir ist es wichtig, dass wir mit einer gewissen Struktur spielen, aber die Jungs sich aus dieser Struktur frei entfalten können“, erklärt Rapp.

Rapps Fußballphilosophie: Ballbesitz und Pressing-Resistenz

Rapp steht für Ballbesitz-Fußball. Er verlangt von den Spielern ein hohes Maß an Pressing-Resistenz und Spielstärke aus der eigenen Defensive. Durch Kurzpassspiel und strukturiertes Aufrücken sollen kontrolliert Lücken in der gegnerischen Defensive gefunden werden. Auf seiner letzten Station Kiel schockte ihn auch die 1:6-Klatsche gegen Bayern am 3. Bundesliga-Spieltag 2024/25 nicht. Rapp damals zu BILD: „Wir hätten die Bälle weghauen können. Das wollen wir aber nicht – auch nicht gegen die Bayern. Wir haben trotzdem zusammengehalten, haben trotzdem weiter Fußball gespielt, weiter aufs Tor geschossen, haben sogar eins gemacht. Das war wichtig, auch als Zeichen für die Zuschauer. Wir ergeben uns nicht.“

So tickt Neu-Trainer Rapp

Kiel war bis Februar 2026 sein erstes Team im Männer-Fußball. Schnell fühlte sich Rapp (verheiratet, zwei kleine Kinder) im Norden heimisch. Der gebürtige Pforzheimer: „Die Norddeutschen sind den Badenern durchaus ähnlich. Hier wie dort sind die Menschen freundlich, nett und aufgeschlossen, aber nicht automatisch mit dir befreundet – anders als vielleicht in anderen Regionen in Deutschland. Die Leute sind im besten Sinne bodenständig: erst mal arbeiten, dann quatschen. Das gefällt mir.“ Wichtig ist ihm Flexibilität, um zwischen verschiedenen Formationen wechseln zu können. Und der Zusammenhalt im Team: „So etwas wächst ja nicht auf den Bäumen. Ich möchte, dass wir im Team ‚normal‘ miteinander umgehen, ehrlich zueinander sind. Unsere Aufgabe besteht darin, die Spieler besser zu machen. Und wenn wir ein Spiel verlieren, frage ich mich zuerst, was ich falsch gemacht habe, was ich vielleicht schlecht erklärt habe.“

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Rapps Lernziel: Täglich besser werden

„Mein Ziel ist es, jeden Tag was dazuzulernen und mich zu entwickeln. Ich will jeden Tag der beste Trainer sein, der ich sein kann.“ Beim Spieler Rapp war das nicht so einfach. Trotz 13 U21-Länderspielen gab er zu: „Ich war zu langsam, zu klein für einen Innenverteidiger, konnte nicht so gut Fußball spielen. Deshalb hat es nicht zu mehr gereicht als zu neun Zweitligaspielen.“ Sein Debüt feierte er unter Ex-Bundestrainer Jogi Löw (66) beim Karlsruher SC.

Prägung durch Helmut Kafka

Abgeschaut hat er sich von Löw „eher nichts“. Dafür umso mehr von Helmut Kafka (85). Der frühere Bundesligaspieler (1965–68/KSC) war Rapps Jugend-Trainer im badischen Fußballverband. Später wurde Kafka DER Talentefinder in Hoffenheim. Sein Credo: respektvoller Umgang mit den Mitmenschen. Für Rapp heißt das heute bei St. Pauli: „Die Arbeit geht jetzt sofort los. Es ist zwar noch Pause, aber einige Mitarbeiter sind da. Wir wollen die Weichen stellen, dass wir am ersten Trainingstag ready sind, sofort loslegen können und im ersten Spiel auf den Punkt fit sind. Ich glaube, es wird eine anspruchsvolle Saison werden.“

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