Uli Hoeneß hat erneut scharfe Kritik an Bundestrainer Julian Nagelsmann geübt. Der Ehrenpräsident des FC Bayern bemängelt die mangelnde Eingespieltheit der deutschen Fußballnationalmannschaft nur wenige Wochen vor dem Start der Weltmeisterschaft in Nordamerika. „Die deutsche Mannschaft hat noch nie zweimal hintereinander mit derselben Elf gespielt – das werfe ich Julian auch vor, das habe ich ihm persönlich schon gesagt“, erklärte Hoeneß im Interview mit dem Streamingdienst DAZN.
Keine Weltklasse-Mannschaft
Hoeneß sieht das DFB-Team derzeit nicht auf dem Niveau einer Weltklasse-Mannschaft. „Wenn man zu einer Weltmeisterschaft fährt und keine wirkliche Weltklasse-Mannschaft hat, was wir im Moment aus meiner Sicht nicht haben, dann kann man – so wie Vincent Kompany es vorgemacht hat – nur über die Mannschaft, über das Teamgefüge erfolgreich sein“, ergänzte der 74-Jährige. Bereits im April hatte Hoeneß mangelnde Kontinuität beklagt, wie die „FAZ“ berichtete.
Kritik an mangelnder Linie
Der Weltmeister von 1974 befürchtet, dass Nagelsmann zum ersten WM-Spiel gegen Curacao am 14. Juni in Houston eine Elf aufbieten werde, die so noch nie zusammengespielt habe. „Das funktioniert aus meiner Sicht nicht“, so Hoeneß. Aktuell sehe er „weder hinten noch vorn eine klare Linie“. Er stellte kritische Fragen: „Wer ist unser Mittelstürmer? Wer spielt im Tor? Wer ist rechter Verteidiger, wer linker?“ Dabei sind die Antworten auf die letzten Fragen mit Oliver Baumann, Joshua Kimmich und David Raum eigentlich klar.
Verletzungsbedingte Ausfälle
Dass Nagelsmann noch an der Startelf bastelt, liegt auch an zahlreichen verletzungsbedingten Ausfällen, die ihn in der holprigen WM-Qualifikation immer wieder zu Umstellungen zwangen. Serge Gnabry fällt sogar komplett für die WM aus. Der DFB hatte zudem die Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders um neun Tage verschoben: Statt am 12. Mai soll nun am 21. Mai um 13 Uhr feststehen, welche Spieler zum Turnier in Nordamerika reisen.
Hoeneß vermisst Selbstkritik
Hoeneß wirft dem ehemaligen Bayern-Trainer Nagelsmann auch mangelnde Fähigkeit zur Selbstkritik vor. Nach einem persönlichen Gespräch sei Nagelsmann „leicht beleidigt“ gewesen. Dabei wolle er „Julian damit überhaupt nichts Böses“. Ihm fehle bei Nagelsmann „diese Bereitschaft, zuzuhören und anzunehmen“. Hoeneß betonte: „Er wird mit seinen Entscheidungen leben müssen. Wenn er erfolgreich ist, bin ich der Erste, der ihm gratuliert. Wenn nicht, dann wird es für ihn schwer.“
Kritik an Ticketpreisen
Der Bayern-Ehrenpräsident kritisierte zudem die hohen Ticketpreise für die WM in den USA, Mexiko und Kanada. Er selbst habe vorgehabt, hinzufliegen, da er eine Einladung von einem Freund hatte, der ihm ein Haus zur Verfügung gestellt hätte, „aber das mache ich nicht mit“. Hoeneß sagte: „Ich bin für Kommerz, aber nicht für so eine Ausuferung. Eine Endspielkarte für zweieinhalbtausend Dollar, das geht nicht mehr.“ In den vergangenen Tagen hatte es massiven Unmut über die horrenden Kosten für Eintrittskarten gegeben. Verbraucherschützer und Fans beschwerten sich bei der EU. Die Fifa betreibt zudem einen Zweitmarkt für Tickets und verdient kräftig an den Weiterverkäufen.



