Hitzlsperger kritisiert Infantino: „Er verbiegt sich für Trump“
Hitzlsperger: Infantino verbiegt sich für Trump

Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat im Interview mit BILD deutliche Kritik an Fifa-Präsident Gianni Infantino geübt. Der 44-Jährige, der als ARD-Experte die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko begleitet, wirft Infantino vor, sich US-Präsident Donald Trump anzubiedern. „Er verbiegt sich in alle Richtungen, um Trump zu gefallen“, sagte Hitzlsperger.

Ticketpreise und Kosten als große Hürden

Hitzlsperger sieht vor allem die hohen Ticketpreise und die damit verbundenen Kosten als Problem. „Eines der größten Themen sind die Ticketpreise und wie viel da für einen Parkplatz, den Transport und die Karten verlangt wird“, erklärte der 52-malige Nationalspieler. Er hoffe, dass die Preise kurz vor Turnierbeginn noch drastisch sinken. In den USA seien die Preise bei der NFL und anderen Ligen traditionell hoch, doch bei einer WM kämen viele Zuschauer aus dem Ausland, die dieses Preisniveau nicht gewohnt seien. „Dazu kommen Unterkunft, Reise, Visum. Es ist schon abenteuerlich, was man für einen Aufwand betreiben muss, um dorthin zu kommen“, so Hitzlsperger. Er habe auch Leute getroffen, die sagten: „Jetzt ist das Fass zum Überlaufen gekommen. Ich will es nicht mehr anschauen oder unterstützen.“

Infantino immun gegen Kritik

Die Kritik richte sich natürlich gegen die Fifa und Präsident Gianni Infantino. Hitzlsperger glaubt, dass der Fifa-Chef immun gegen Kritik sei. „Ich wüsste gar nicht, wann der Ruf der Fifa mal gut war, und es wird jetzt auch nicht besser mit all den Maßnahmen“, sagte er. Man könne verfolgen, wie Infantino täglich dafür kämpfe, dass es eine gute WM werde. „Er verbiegt sich in alle Richtungen, um US-Präsident Donald Trump zu gefallen. Das tut er, um keine Spiele verlegen zu müssen, um Iran dabeibehalten zu dürfen.“ Hitzlsperger betonte, es sei legitim, diese Wege zu kritisieren. „Es ist schon brutal, weil auch er, glaube ich, nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen kann: Das wird eine sichere WM, bei der alle herzlich willkommen sind.“ Selbst wenn es keine gute WM werde, werde Infantino immer noch einen Weg finden zu sagen, es sei die beste WM aller Zeiten.

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Fifa-Doktrin: Das Spiel ist unkaputtbar

Auf die Frage, warum Infantino so agieren könne, antwortete Hitzlsperger: „Er hat viele Jahre bei Sepp Blatter zuschauen können und dann noch einen draufgesetzt in Sachen Kompromiss- und Schamlosigkeit.“ Man müsse den Menschen etwas nur oft genug erzählen, bis sie es irgendwann glauben. „Das ist so eine Fifa-Doktrin, wo ich denke: Okay, die Organisation hat es geschafft, immer mehr zu wachsen, immer mehr Geld einzusammeln.“ Das einzige Mittel, das zu ändern, sei, keine Tickets mehr zu kaufen und nicht mehr den Fernseher einzuschalten. „Aber wir kritisieren und trotzdem gehen wir hin. Das ist das, was Infantino verstanden hat. Das Spiel ist unkaputtbar.“ Deswegen könne er mit seiner Fifa einfach so weiter agieren, weil es keine Konsequenzen gebe.

XXL-WM: Mehr Spiele, aber auch mehr Langeweile?

Mit 48 Mannschaften und 104 Spielen ist es die bisher größte Fußball-WM der Geschichte. Hitzlsperger sieht darin Vor- und Nachteile. „Für die beiden Finalisten ist es ein Spiel mehr als bei der letzten WM. Für uns Fußball-Fans ist es aber schon enorm, wie viel Fußball stattfindet – nicht nur bei der WM, sondern auch auf dem Weg dorthin.“ Wegen der Menge der Spiele könne es auch mal sein, dass es Partien gebe, die uninteressant, langweilig oder sehr einseitig sind. „Das haben wir bei der Klub-WM 2025 gesehen. Aber Fußball ist immer noch ein verdammt cooler Sport, sodass die Leute nicht satt werden von Fußball und den Geschichten drumherum.“

Druck auf große Nationen

Hitzlsperger äußerte sich auch zu den Chancen Englands unter Thomas Tuchel. „Ich glaube, dass sie durchaus Chancen haben, weit zu kommen. Ich sehe sie aber auch nicht ganz auf dem Niveau von Spitzenteams wie Frankreich und Spanien.“ Auf die Frage nach dem Druck, der nach 60 Jahren ohne WM-Titel auf England laste, sagte er: „Diesen Druck haben doch alle großen Nationen. Die Deutschen empfinden es doch gar nicht anders. Wir sind zuletzt zweimal in der Vorrunde ausgeschieden. Wir haben massiven Druck. Ich will gar nicht an Brasilien denken, was die empfinden, weil der letzte Titel von 2002 ist.“

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