St.-Pauli-Präsident Göttlich fordert radikale Reformen im Profifußball
Nachdem er vor einem Monat mit seiner Forderung nach einem Boykott der Fußball-WM in den USA für Aufsehen sorgte, legt Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli, nun mit einem weiteren kontroversen Thema nach. Vor dem Bundesliga-Kellerduell gegen Werder Bremen am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) verlangt der 50-Jährige eine grundlegende Debatte über die künftige Regulierung des Profifußball-Geschäfts.
Konkrete Forderungen: Salary Caps und Kadergrenzen
In einem exklusiven Interview mit „transfermarkt.de“ nannte Göttlich konkrete Maßnahmen, die seiner Meinung nach dringend diskutiert werden müssen. „Natürlich müssen wir über einen Salary Cap, eine quantitative Kadergrenze und die Begrenzung von Multi-Club-Ownership, Leihspieler-Kontingente und Financial Fairplay reden“, erklärte der Präsident. Besonders wichtig sei dabei die Frage, „wie viel des Gesamtumsatzes man als Club in einen Kader stecken darf“.
Göttlich, der auch als Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes fungiert, betonte, dass Vereine und Verbände sich stets an den Interessen der Fans orientieren sollten. „Wir müssen uns immer von der Frage leiten lassen, worauf die Menschen am meisten Lust haben und weswegen sie dem Fußball folgen“, sagte er.
Warnung vor der Ablösung der Großclubs von ihren Ligen
Der St.-Pauli-Präsident warnte eindringlich vor den negativen Folgen der aktuellen Entwicklungen. Durch die enormen Einnahmemöglichkeiten in der Champions League würden sich „die großen Clubs immer mehr von ihren Ligen zu Hause ablösen“. Dies führe zu einer gefährlichen Schieflage im gesamten Fußballsystem.
Göttlich stellte eine grundsätzliche Frage an die Fußballgemeinschaft: „Geht es um eine rivalisierende Verbundenheit, die sich aus der Regionalität ergibt, einem Fokus auf den Sport, wo jeder jeden auch schlagen kann, oder wollen wir ausschließlich die Erling Haalands gegen Harry Kanes in einer Fußballkür sehen, in der immer die gleichen Teams vorne spielen?“
Mit dieser provokativen Gegenüberstellung macht der Präsident deutlich, dass er den aktuellen Trend zur Konzentration von Talenten und finanzieller Macht bei wenigen Top-Clubs kritisch sieht. Seine Forderungen zielen darauf ab, den Wettbewerb fairer zu gestalten und die regionale Verbundenheit der Vereine mit ihren Fans zu stärken.
Die Debatte über Salary Caps und strengere Finanzregeln im Profifußball ist nicht neu, doch durch die prominente Position von Göttlich als Vereinspräsident und DFB-Vizepräsident erhält sie neues Gewicht. Ob sich andere Vereine oder der DFB seinen Forderungen anschließen werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass Göttlich mit seinen Aussagen erneut eine wichtige Diskussion im deutschen Fußball angestoßen hat.



