Welthandballer Gidsel: „Mein Hund interessiert sich nicht für meine Medaillen“
Gidsel: Hund egal, Familie zählt

Die Saison ist vorbei, die Handball-Welt gönnt sich eine Verschnaufpause. Nach Monaten am Limit, dem DHB-Pokalsieg, der Vizemeisterschaft und der bitteren Niederlage im Champions-League-Finale gegen Barcelona kann Welthandballer Mathias Gidsel (27) endlich abschalten. Im BILD-Interview blickt der Star der Füchse Berlin nicht auf Tore und Titel, sondern auf die Dinge, die ihm abseits der Platte wichtig sind: Familie, Zukunftspläne und die Frage, wie er einmal in Erinnerung bleiben möchte.

Glücklich trotz Niederlagen

Auf die Frage, ob er gerade glücklich sei, antwortet Gidsel: „Ja, sehr.“ Woran er das merke? „Wenn wir verloren haben und ich nicht so frustriert und sauer bin, zeigt es mir, dass mein Leben in einer guten Balance ist. Du merkst, du kannst auch ein schönes Leben außerhalb des Sports haben.“

Der Däne, der im Februar 2024 zum Welthandballer gewählt wurde, plant noch mindestens sechs bis sieben Jahre auf Profiniveau. Angst vor der Zeit danach hat er nicht: „Nein, kein bisschen. Die Zukunft wird auch cool.“

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Zukunftspläne mit Familie und Hund

Gidsel lebt mit seiner Freundin Katrine und ihrem Hund Hermann, einem Havaneser, in Berlin. „Ich habe mit meiner Freundin Katrine die gleichen Träume wie andere junge Menschen. Wir wollen uns irgendwann unsere eigene kleine Familie hier in Berlin aufbauen, nicht nur mit unserem Hund Hermann, sondern auch mit Kindern. Aber wir sind erst 27, genießen jetzt noch unser Abenteuer. Wir wollen später gern Kinder haben, die auch noch sehen, was ihr Vater und ihre Mutter so machen, und die auch verstehen, dass ich mal ein guter Handballer war.“

Ob er ohne Sport leben könne? „Ich glaube nicht, er bedeutet schon alles für mich.“

Bodenständig bleiben

Was er hinterlassen möchte? „Ich möchte nicht als Superstar oder Übermensch in Erinnerung bleiben, sondern als netter, bodenständiger Mensch gesehen werden.“ Der Privatperson Mathias Gidsel sei wichtig: „Wir alle, wie keiner! Das sagt alles über mich. Ich bin genauso wie alle anderen. Ich bin gut im Handball, aber die Leute, die mir begegnen, sind auch gut in dem, was sie tun, in ihren Berufen. Das macht weder sie noch mich zu etwas Besserem. Ich will, dass die Menschen sehen, dass Superstars auch ganz normal sind, mit normalen Problemen.“

Kinder fragten ihn oft nach Superkräften. „Aber ich habe keine Superkräfte. Ich versuche ihnen zu erklären: Wenn sie mentale oder andere Probleme haben nach einem Spiel, in der Schule oder im Alltag, dann hat dieses Problem auch ein Mathias Gidsel schon gehabt. Das macht es für die Kids vielleicht etwas einfacher, wenn du das von deinem Idol hörst. Das ist mir wichtig im Leben.“

Balance zwischen Profi und Privatmensch

In welcher Situation der Welthandballer auch mal der normale Mensch Mathias sei? „Ich bin immer Mathias. Außer, wenn ich in der Halle bin. Dann bin ich voll der Handballer. Aber schon nach dem Spiel, wenn ich Autogramme gebe, bin ich wieder der ganz normale Mathias. Da habe ich eigentlich ein gutes Gefühl und eine gute Balance zwischen dem Profisportler und der Privatperson.“

Ist es ihm wichtig, der Beste zu sein? „Ich finde, es ist wichtig, bewusst der Beste zu werden. Dann schauen dir viele Leute dabei zu, wie du das machst. Mir ist dann auch sehr bewusst, was ich plötzlich für eine Verantwortung habe, nicht nur für mein Team, sondern auch für mein Auftreten und meine Haltung vor den Schiedsrichtern und vor allem für die Kinder, die zugucken. Das soll keine Selbstdarstellung, kein Gehabe wie bei einigen Fußballern sein. Ich will zeigen: So kannst du auch sein – ein Profi und ein ganz normaler Mensch. Du kannst echt hart Handball spielen, trotzdem freundlich zu deinem Gegner sein. Eben ein guter Typ auf dem Spielfeld. Ich wollte meine Karriere immer auf meine eigene Art gestalten. Ich wollte nicht einer von vielen sein.“

Schwächen und Alltag

Was er nicht so gut könne? „Wäsche waschen, kochen und Kuchen backen. Meine Freundin sagt, auch die Wohnung sauber machen könnte ich besser erledigen. Man kann jeden Tag irgendetwas lernen. Das macht mir auch Spaß.“

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Wofür er sich Zeit nehme? „Für meine Freunde. Und ich verbringe auch viel Zeit mit meinem Hund Hermann. Den interessieren meine Medaillen und Erfolge nicht. Er mag, wenn ich mit ihm rausgehe. Wenn er mit einem Tennisball spielen kann, ist sein Leben perfekt.“

Ratschlag an den jungen Gidsel

Was er dem jungen Mathias heute raten würde? „Mach alles nochmal so und akzeptiere, du bist nicht der Beste in allen Sachen. Und wenn mal etwas zu schwierig ist, rufe Hilfe und glaube nicht, du kannst alles allein.“ Sein Traumberuf als Kind war Handwerker: „Ich war gern in der Natur und hätte mir vorstellen können, Häuser zu bauen oder zu renovieren.“

Bester Moment und Liebe zum Handball

Der beste Handball-Moment seiner Karriere: Olympia-Gold in Paris. Was das Beste am Handball sei? „Es ist eine der coolsten Sportarten der Welt. Ich kann an vielen Orten auf der Welt spielen. Es ist einfach großartig. Wir haben die Möglichkeit, uns auszudrücken, etwas zu sagen, aber gleichzeitig bringen wir auch viele Menschen zusammen, die den Sport ausüben oder ihn beim Zusehen genießen können. Es ist einfach etwas Besonderes, diese Sportart ausüben zu können und ein Teil davon zu sein. Und Handball ist nicht so langweilig wie Fußball, es geht auf keinen Fall 0:0 aus. Das passiert nicht.“

Zukunft nach der Karriere

Gidsel hat gerade einen lebenslangen Ausrüster-Vertrag mit Puma unterzeichnet. „Mit diesem Puma-Vertrag habe ich auch ja gesagt, ein Teil der Handballwelt zu werden nach meiner Karriere. Wie das dann genau aussieht, weiß ich noch nicht. Ich kann mir aber vorstellen, mit Puma zusammen den Handball weiterzuentwickeln, diesen Sport noch bekannter zu machen. Wir wollen, dass Handball nicht nur ein geiler Sport in Europa, Deutschland und Dänemark ist, sondern in der ganzen Welt.“