Der deutsche Torhüter Bert Trautmann wurde im Nachkriegs-England zur Legende, vor allem wegen seines berühmten Genickbruchs im Pokalfinale vor 70 Jahren. In der Nationalmannschaft blieb er jedoch Zeit seiner Karriere außen vor – auch, weil ein weiterer schwerer Schicksalsschlag sein Debüt verhinderte.
Vom Kriegsgefangenen zum Fußballstar
Bert Trautmann, Jahrgang 1923, musste als Fallschirmjäger in den Zweiten Weltkrieg ziehen und geriet 1945 in englische Gefangenschaft. Im Camp 50 bei Wigan interniert, bestand sein Alltag aus harter Arbeit, etwa in einem Bombenräumkommando. Doch in der Freizeit spielten die Männer Fußball und Handball. Sein Talent fiel auf, und 1948 startete er seine englische Vereinskarriere bei St. Helens Town. Ein Späher von Manchester City entdeckte ihn, und Trautmann wechselte 1949 zu dem Klub, für den er bis 1964 in 590 Partien spielte – meist in der ersten Division.
Proteste gegen den Ex-Soldaten
Seine Verpflichtung schlug hohe Wellen: Wütende Fans gaben Dauerkarten zurück, und 20.000 Menschen protestierten gegen den Deutschen. Doch die Vorurteile legten sich schnell. Bereits 1952 berichtete der Kicker: „Nach wenigen Spielen waren alle hässlichen Zwischenrufe verstummt.“ Trautmann heiratete eine Engländerin und gründete eine Familie, was seine Popularität weiter steigerte.
Der legendäre Genickbruch
Am 5. Mai 1956, vor genau 70 Jahren, stand Manchester City im FA-Cup-Finale gegen Birmingham City. In der 75. Minute, bei einer 3:1-Führung, stürzte Trautmann nach einer Flanke und fiel auf das durchschwingende Schussbein des gegnerischen Stürmers. Er spielte weiter und hielt den Sieg fest. Drei Tage später ergab eine Röntgenaufnahme: Genickbruch und fünf ausgerenkte Halswirbel. Fünf Monate trug er einen Gipskragen. Ein weiterer Zusammenprall hätte tödlich enden können.
Schicksalsschläge und späte Ehre
Kurz nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus reiste Trautmann zum Länderspiel nach Berlin, als er erfuhr, dass sein kleiner Sohn von einem Lastwagen überfahren worden war. Trotz dieser Tragödien blieb er ein Idol. Die Queen verlieh ihm 2004 den Orden „Honorary Officer of the Most Excellent Order of the British Empire“ für seine Verdienste um die deutsch-britischen Beziehungen. 2018 wurde sein Leben verfilmt, und 2023 fand er Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Fußballs. Bert Trautmann starb 2013 im Alter von 89 Jahren.



