Knapp ein halbes Jahr nach den schweren Auseinandersetzungen zwischen Fans des Berliner Fußball-Zweitligisten Hertha BSC und der Polizei im Olympiastadion haben die Behörden nun die Öffentlichkeit um Mithilfe gebeten. Am Mittwoch veröffentlichten Polizei und Staatsanwaltschaft Fotos von 18 Personen, die im Zusammenhang mit den Krawallen vom 17. Januar 2026 stehen. Die Bilder zeigen ausschließlich männliche Verdächtige, gegen die unter anderem wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs ermittelt wird.
Hintergrund der Auseinandersetzungen
Am 17. Januar 2026 war es vor dem Zweitligaspiel Hertha BSC gegen Schalke 04 (0:0) im Berliner Olympiastadion zu massiven Ausschreitungen gekommen. Nach Angaben der Behörden wurden dabei insgesamt 52 Personen verletzt, darunter 31 Fans und 21 Polizeikräfte. Die Vorfälle ereigneten sich im Bereich der Ostkurve sowie in den angrenzenden Umläufen und Zugängen des Stadions.
Vorwürfe aus der Fanszene
Die Fanhilfe Hertha BSC erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Sie sprach von „massiver Polizeigewalt gegen wartende Fans“ und kritisierte, dass sich die Einsatzkräfte nicht an Absprachen gehalten und sich in Bereichen aufgehalten hätten, die eigentlich den Fans vorbehalten seien. Dies sei von den Ultras als Provokation aufgefasst worden. Die Fanhilfe forderte personelle Konsequenzen in der Einsatzleitung der zuständigen Direktion 2 (West).
Darstellung der Polizei
Polizei und Staatsanwaltschaft schilderten den Vorfall hingegen anders. „Aus einer größeren Personengruppe heraus wurden Polizeikräfte unter anderem mit Wurfgegenständen angegriffen“, teilten die Behörden mit. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel wies die Vorwürfe der Fans zurück. „Man war der Ansicht, wir hätten dort nichts verloren“, sagte sie kurz nach dem Vorfall im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Die Partie gegen Schalke war zuvor von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) der Polizei Nordrhein-Westfalen als Risikospiel eingestuft worden.
Laut Polizei- und Einsatzleitung seien die Einsatzkräfte bereits am Einlass zum Stadion beschimpft worden. In dem Bereich, in dem es später zu den Auseinandersetzungen kam, sei vorher ein Schalke-Fan angegriffen worden. Nach der „gewaltsamen Blockierung von Flucht- und Rettungswegen“ für rund 15.000 Menschen habe die Polizei „angefangen zu arbeiten“ und Pfefferspray sowie Schlagstöcke eingesetzt, so Slowik Meisel damals weiter.
Rassismusvorwurf ohne strafrechtliche Folgen
Im Zusammenhang mit den Krawallen wurde auch ein Rassismusvorwurf gegen die Polizei laut. Ein Beamter soll ein Präsidiumsmitglied des Vereins aufgrund seines Äußeren beleidigt haben, erklärte Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich. Strafrechtliche Konsequenzen hatte dies jedoch nicht, da der Betroffene laut Polizeiführung „kein Interesse an einer strafrechtlichen Verfolgung“ gezeigt habe.
Gewerkschaft der Polizei begrüßt Fahndung
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte die Öffentlichkeitsfahndung. Man hoffe, „dass auch die wirklichen Fans und Hertha BSC, die sich von jeglicher Gewalt im Stadion distanzieren, ihren Teil dazu beitragen, die Tatverdächtigen ausfindig zu machen“, sagte Sprecher Benjamin Jendro. Die Darstellung der Fanhilfe bezeichnete er als „Fake News“. Die Polizei bittet die Bevölkerung nun um Mithilfe bei der Identifizierung der 18 abgebildeten Personen.



