Historischer Wechsel bei Union Berlin: Eta wird erste Bundesliga-Cheftrainerin
Die Fußball-Bundesliga erlebt eine historische Premiere: Marie-Louise Eta übernimmt nach dem überraschenden Aus von Steffen Baumgart bei Union Berlin und wird damit die erste Cheftrainerin in der Geschichte der höchsten deutschen Männer-Fußballliga. Die 34-jährige Dresdnerin tritt ihre neue Rolle mit sofortiger Wirkung an und steht bereits am kommenden Samstag beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg an der Seitenlinie.
Doppelte Premiere für die ehemalige Champions-League-Siegerin
Für Eta bedeutet dieser Schritt bereits die zweite historische Premiere innerhalb kurzer Zeit. Von November 2023 bis Mai 2024 war sie bereits als erste Co-Trainerin in der Bundesliga und Champions League tätig, nachdem sich der Verein von Erfolgstrainer Urs Fischer getrennt hatte. Die Wertschätzung für die ehemalige Profispielerin in der Club-Führung ist enorm groß.
Als aktive Spielerin gewann Eta mit Turbine Potsdam dreimal die deutsche Meisterschaft und triumphierte 2010 in der Champions League. Bereits mit 26 Jahren musste sie ihre Karriere aufgrund mehrerer Verletzungen beenden und stürzte sich voller Elan in die Trainerlaufbahn. Zuletzt betreute sie bei Union Berlin die U19-Junioren, bevor sie nun überraschend die Profimannschaft übernimmt.
Überraschender Trainerwechsel in kritischer Phase
Das Aus von Steffen Baumgart kam für viele Beobachter überraschend, insbesondere angesichts der aktuellen Tabellensituation. Union Berlin hat fünf Spieltage vor Saisonende sieben Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz, während der erste direkte Abstiegsrang sogar elf Zähler entfernt ist. Mit einem Sieg über den kommenden Gegner aus Wolfsburg, der den vorletzten Platz bekleidet, hätte Union die direkte Abstiegsgefahr bereits gebannt.
Dennoch entschied sich die Club-Führung für einen Wechsel. „Zwei Siege aus vierzehn Spielen seit der Winterpause und die gezeigten Leistungen in den letzten Wochen geben uns nicht die Überzeugung, dass uns eine Trendumkehr in der bisherigen Konstellation noch gelingt“, begründete Geschäftsführer Horst Heldt die Entlassung des Trainers.
Interimslösung mit Perspektive
Union-Geschäftsführer Horst Heldt betonte, dass Eta die Aufgabe zunächst interimistisch übernimmt, bevor sie im Sommer wie ursprünglich geplant Cheftrainerin der Profimannschaft der Frauen werden soll. „Ich freue mich, dass Marie-Louise Eta sich bereit erklärt hat, diese Aufgabe interimistisch zu übernehmen“, sagte Heldt über die zeitlich limitierte Verpflichtung.
Doch die kommenden fünf Saisonspiele bieten der neuen Cheftrainerin eine große Chance. Bei einem erfolgreichen Abschneiden in den verbleibenden Begegnungen könnte sie sich als dauerhafte Lösung für die Profimannschaft entpuppen und ihre Premierenzeit in der kommenden Spielzeit ausbauen.
Europäisches Novum mit Signalwirkung
Der Schritt von Union Berlin sorgt nicht nur national, sondern europaweit für Aufsehen. Es ist auch in den fünf Top-Ligen des Kontinents ein Novum, dass eine Frau als Cheftrainerin einer Männer-Profimannschaft in der höchsten Spielklasse agiert. Eta zeigte sich von der Herausforderung motiviert: „Ich freue mich, dass mir der Verein diese anspruchsvolle Aufgabe anvertraut. Eine Stärke von Union war und ist es, in solchen Situationen gemeinsam alle Kräfte zu bündeln.“
Die ehemalige Champions-League-Siegerin fügte hinzu: „Und natürlich habe ich die Überzeugung, dass wir mit dem Team die entscheidenden Punkte holen.“ Ihr erster öffentlicher Auftritt als Cheftrainerin findet bereits am Dienstag beim Training der Profis um 11.00 Uhr statt.
Herausforderung für die Club-Führung
Für Geschäftsführer Horst Heldt beginnt mit diesem Wechsel bereits die dritte Suche nach einem Übungsleiter in seiner knapp zweijährigen Amtszeit bei den Köpenickern. Auch Heldt selbst steht unter Druck, da viele seiner Transfers nicht die erhoffte Wirkung zeigten und bereits der zweite von ihm verpflichtete Trainer nach einer monatelangen Negativserie gehen muss.
Union-Präsident Dirk Zingler kommentierte den Trainerwechsel mit gemischten Gefühlen: „Es ist immer ein schlechter Tag, wenn man einen Trainer entlassen muss.“ Das Erbe von Urs Fischer, der den Club aus der Zweiten Liga in die Königsklasse führte, lastet schwer auf allen Nachfolgern. Bisher gelang es keinem, den klassischen Union-Fußball ähnlich erfolgreich zu machen oder entscheidend weiterzuentwickeln.
Nun liegt die Verantwortung in den Händen von Marie-Louise Eta, die mit ihrer historischen Ernennung nicht nur Bundesliga-Geschichte schreibt, sondern auch die sportliche Wende für Union Berlin einleiten soll.



