Am frühen Montagmorgen deutscher Zeit (2 Uhr) trifft England im WM-Achtelfinale auf Gastgeber Mexiko. Mexiko spielt bisher ein starkes Turnier und wird einen Heimvorteil haben. Doch die Three Lions haben in dem Spiel einen weiteren Gegner zu bezwingen: die Höhe. Beim K.o.-Spiel im legendären Aztekenstadion in Mexiko-Stadt müssen Harry Kane (32) und Co. in über 2200 Metern Höhe ran. Experten warnen: Die dünne Luft könnte England schwer zu schaffen machen.
Warum ist die Höhe so gefährlich?
Je höher man kommt, desto geringer ist der Luftdruck. Obwohl die Luft weiterhin rund 21 Prozent Sauerstoff enthält, gelangt mit jedem Atemzug deutlich weniger Sauerstoff ins Blut. In 2200 Metern Höhe sind es etwa 25 Prozent weniger als auf Meereshöhe.
Die Folge: Der Körper muss deutlich härter arbeiten. Spieler kommen schneller außer Atem, können intensive Sprints schlechter verkraften und brauchen länger zur Erholung. Die Ausgangslage könnte für die Engländer kaum ungünstiger sein. Ihr WM-Quartier liegt bei Kansas City auf gerade einmal rund 280 Metern Höhe, das Vorbereitungslager in Florida lag sogar nur auf Meereshöhe.
Gewöhnungsphase dauert Wochen
England hat wenige Tage, sich in Mexiko-Stadt zu akklimatisieren. Das Problem: Der Körper braucht Wochen, um sich an die Höhe zu gewöhnen. Leistungs- und Ausdauersportler absolvieren deshalb spezielle Höhentrainingslager. Der Körper bildet dabei zusätzliche rote Blutkörperchen, die mehr Sauerstoff transportieren können. Bis dieser Effekt einsetzt, vergehen allerdings zwei bis sechs Wochen. Für eine nahezu vollständige Anpassung sind sogar mehrere Monate nötig.
Lungenfacharzt Dr. Matthias Krüll erklärt: „Der Körper ist immer nur so leistungsfähig, wie er Sauerstoff aufnehmen kann.“ Seine Prognose für England fällt eindeutig aus: „Sie werden wahrscheinlich mit ihrer Laufleistung hinten dran sein und früher aus der Puste kommen als in niedrigeren Höhen.“ Auch der englische Sportmediziner Barney Wainwright empfiehlt deshalb, das Spieltempo phasenweise zu reduzieren, damit sich die Spieler zwischen intensiven Aktionen erholen können.
Tuchel kennt den Nachteil
Trainer Thomas Tuchel (52) macht sich keine Illusionen. „Wir können uns nicht darauf einstellen. Das wussten wir schon vorher. Es ist einfach ein Nachteil, mit dem wir zurechtkommen müssen“, sagte der England-Coach. Sogar Ex-Profis warnen. Der frühere Nationalspieler Nigel Reo-Coker spielte selbst im Aztekenstadion – und erinnert sich noch gut daran: „Das ist der physisch herausforderndste Ort, an dem ich jemals Fußball gespielt habe. Du kriegst keine Luft.“
Auch nach dem Spiel drohen Probleme
Die Höhe könnte England sogar noch nach dem Abpfiff beschäftigen. Weil den Muskeln weniger Sauerstoff zur Verfügung steht, entsteht schneller Milchsäure. Die Folge: Die Beine werden früher schwer, die Ermüdung setzt schneller ein – und die Regeneration dauert länger.



