Edin Dzeko im Exklusiv-Interview: Warum er für Schalke 04 auf Geld verzichtete
Dzeko: Für Schalke gerne auf Geld verzichtet

Edin Dzeko im ausführlichen Gespräch: Emotionen statt Geld

Der erfahrene Stürmer Edin Dzeko (39) hat Anfang dieses Jahres einen Vertrag bis Saisonende bei Schalke 04 unterschrieben. Sein Grundgehalt beträgt für diese Zeit knapp 300.000 Euro. Im exklusiven Interview spricht der bosnische Nationalspieler über die Beweggründe für seinen Wechsel, seine Zukunft und prägende Lebenserfahrungen.

Der Weg nach Gelsenkirchen

SPORT BILD: Stimmt es, dass Sie nach Gelsenkirchen gezogen sind?

EDIN DZEKO: "Das stimmt. Ich wohne in einer möblierten Wohnung. Meine Familie war in der Woche vor dem Heimspiel gegen Magdeburg einige Tage bei mir zu Besuch, weil unsere Kinder in Italien Schulferien hatten. Sie bleiben aber zunächst in Florenz wohnen."

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Auf die Frage, warum er nicht ins nahegelegene Düsseldorf gezogen sei, erklärt Dzeko: "Ich nehme mir nach dem Training bewusst mehr Zeit für Regeneration. Wenn ich dann noch eine Stunde nach Düsseldorf fahren müsste, wäre das ein zu hoher Aufwand. So brauche ich nur fünf Minuten nach Hause. Zudem habe ich hier eine nette Nachbarschaft."

Der entscheidende Moment

Der Winter-Wechsel zu Schalke ging vom Spieler selbst aus. Dzeko schildert den Auslöser: "Ich habe mit Florenz Ende Dezember in Parma gespielt - ein wichtiges Spiel gegen einen Abstiegskandidaten. Ich saß auf der Bank, wir gerieten in Rückstand. Ich machte mich warm, doch kurz vor Spielende wechselte unser Trainer einen Abwehrspieler für einen anderen Abwehrspieler aus - nicht für mich als Stürmer."

"Da sagte ich zu mir: Das geht so nicht weiter", so Dzeko weiter. "Direkt nach dem Spiel rief ich meinen Berater an. Am nächsten Tag blieb ich nach dem Mannschaftsessen allein sitzen und überlegte: Was will ich? Was brauche ich? Die Antwort: Ein emotionales Stadion mit lauten Fans. Einen Verein, der mich noch einmal mitreißt. Da kam mir plötzlich Schalke in den Kopf."

Geld war nicht entscheidend

Dzeko kontaktierte umgehend seinen Freund und Mitspieler Nikola Katic mit der Nachricht: "Braucht ihr noch einen Stürmer?" Daraufhin kam der Kontakt zu Trainer Miron Muslic zustande.

"Ich hatte mehrere Gespräche mit Trainer Muslic", berichtet Dzeko. "Wir sprachen über Fußball, Familie, das Leben. Von Anfang an machte ich klar: Geld ist mir nicht wichtig. Ich hatte andere Angebote, die deutlich lukrativer waren. Aber darum ging es mir überhaupt nicht. Ich habe für diesen Verein gerne auf Geld verzichtet."

Karriereausblick und Philosophie

Auf die Frage nach seinem Karriereende antwortet der 39-Jährige: "Ich bin kein Typ, der Monate vorher schon sagt, dass er aufhören wird. Ich plane nicht so weit in die Zukunft. Ich werde im Sommer auf meinen Körper hören, und momentan fühle ich mich noch sehr gut. Ich habe immer noch Ziele, auch mit der Nationalmannschaft."

Respekt ist für Dzeko ein zentraler Wert: "Wenn du von jemandem respektiert werden willst, musst du ihn auch respektieren. Ganz einfach. Es ist völlig egal, ob einer viel oder wenig Geld hat, welche Hautfarbe oder Herkunft. Mensch zu sein - das ist das Wichtigste."

Diese Haltung lebt er vor: "Für mich ist das selbstverständlich. Man kann doch nicht einfach zum Zeugwart gehen und sagen: 'Gib mir mal das!' Nein. Man fragt ihn, wie es ihm geht und bittet ihn dann um Hilfe."

Prägende Kriegserfahrungen

Dzekos Erfolge als Deutscher Meister mit Wolfsburg, englischer Meister und italienischer Pokalsieger haben besondere Bedeutung angesichts seiner Vergangenheit. Als Kind musste er vor dem Krieg in Bosnien fliehen.

"Für meine Eltern war es noch viel schlimmer", erinnert sich Dzeko. "Sie mussten sich um uns kümmern, immer mit der Angst um ihr Leben und das Leben ihrer Kinder. Unser Glück war, dass wir noch sehr klein waren."

Eine besonders eindrückliche Erinnerung: "Meine Mutter verbot mir eines Tages, draußen Fußball zu spielen. Kurz darauf schlug genau an dieser Stelle eine Granate ein. So etwas konnte jeden Tag zu jeder Zeit passieren. Es sind viele Kinder durch Granaten gestorben."

Bleibende Trainingserinnerungen

An seine Zeit bei Wolfsburg unter Trainer Felix Magath denkt Dzeko mit einem Lächeln zurück: "Es hat ein wenig gedauert, sich an Magaths Trainingsstil zu gewöhnen. Aber wenn man so viele Spiele gewinnt, glaubt man daran und macht es mit."

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Eine besondere Erinnerung: "Wir waren im Trainingslager in Norddeutschland. Um 7 Uhr morgens mussten wir zum Strand kommen, wo Traktoren-Reifen lagen, die wir schleppen mussten - mit Sprints zwischendurch. Viele Mitspieler mussten sich übergeben. So etwas vergisst man nicht. Und so etwas schadet keinem Spieler."

Aktuelle Leistungen und Ziele

Sein Einstand bei Schalke war überragend: Vier Tore in fünf Spielen, dazu drei Torvorlagen. Mit fast 40 Jahren scheint Dzeko so fit wie manche Spieler mit 30.

Sein Geheimnis: "Ich gehe meistens schon vor dem Training in den Kraftraum, um Verletzungen vorzubeugen. Nach den Einheiten dann noch einmal 20 bis 30 Minuten. Danach in die Sauna, ins Eisbecken, anschließend Behandlung durch unsere Physios. Ich liebe den Fußball zu sehr, als weniger als einhundert Prozent zu geben."

Auf die Frage, wie stolz es ihn machen würde, Schalke in die Bundesliga zu schießen, antwortet Dzeko: "Natürlich sehr. Schalke war immer ein großartiger Verein, der für mich in die Bundesliga gehört."