Dynamo Dresden nach Gewaltexzessen: Konsequente Aufarbeitung und neue Sicherheitsmaßnahmen
Dynamo Dresden treibt die Aufarbeitung der gewalttätigen Ausschreitungen vom Zweitliga-Spiel gegen Hertha BSC energisch voran. Der Verein hat klare Konsequenzen angekündigt und arbeitet intensiv an einem überarbeiteten Sicherheitskonzept, um zukünftige Vorfälle zu verhindern.
Strenge Maßnahmen gegen Randalierer
„Wenn Vertrauen missbraucht und deutliche Grenzen überschritten werden, sind wir als Verein in der Verantwortung, grundsätzliche Vorgehensweisen zu ändern“, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Ziegenbalg in einer gemeinsamen Presseerklärung aller Dynamo-Gremien. Die Täter sollen schnellstmöglich mit Unterstützung der Polizei ermittelt werden. Anschließend sind Haus- und Stadionverbote sowie Vereinsausschlüsse geplant.
Dynamo-Präsident Ronny Rehn betonte: „Wer derartige Verfehlungen vorweist, kann nicht länger Teil unserer Sportgemeinschaft sein. Wenn Werte wie Respekt, Fairness und Menschlichkeit mit Füßen getreten werden, werden wir beim Ehrenrat dafür plädieren, diesen Personen die Mitgliedschaft zu entziehen.“ Von allen Seiten wird ein schnelles, abschreckendes Handeln der Justiz gefordert.
Ermittlungen und weitere Vorfälle
Durch die Sichtung von umfangreichem Foto- und Videomaterial konnten bereits zahlreiche Erkenntnisse über die Abläufe gewonnen werden. Im nächsten Schritt sollen nun mit polizeilicher Hilfe die Personen identifiziert werden, die erkennbar im Innenraum des Stadions an den Auseinandersetzungen beteiligt waren.
Kaufmännischer Geschäftsführer Stephan Zimmermann stellte klar: „Für uns gibt es hierbei keinerlei Diskussionspotenzial – sobald Täter ermittelt werden, wird es neben der strafrechtlichen Verfolgung durch die Polizei auch ein striktes Verfahren für Stadionverbote von unserer Seite geben.“ Beim Spiel am 4. April waren Anhänger beider Mannschaften über Absperrzäune geklettert und hatten sich im Innenraum unter anderem mit Feuerwerkskörpern attackiert. Polizisten schritten ein, trennten die Lager und sicherten das Spielfeld.
Zudem sollen die Vorkommnisse vor dem Spiel beim 1. FC Nürnberg aufgearbeitet werden. Dort hatten sich mehr als 200 Anhänger von Dynamo und dem 1. FC Nürnberg vor dem als Hochrisikospiel eingestuften Duell zu einer Schlägerei in einem Gewerbegebiet bei Eisfeld verabredet. Die Polizei konnte auch hier die rivalisierenden Lager trennen.
Neues Sicherheitskonzept mit sofortiger Wirkung
Erste Maßnahmen nach Gesprächen mit Vertretern der Verbände, Polizei, Sicherheitsträgern, Fanszene, Fanprojekt, Hertha BSC, dem Innenministerium und der Landeshauptstadt Dresden sollen schnellstens umgesetzt werden. Teilweise greifen sie bereits beim kommenden Heimspiel am Samstag gegen den VfL Bochum.
Zu den konkreten Neuerungen gehören:
- Bei Hochrisikospielen werden Mitarbeiter des Ordnungsdienstes zusätzlich vor dem Bereich des K-Blocks den Innenraum absichern.
- Polizeikräfte werden direkt im Stadion positioniert.
- Nach Rücksprache mit der Polizei werden ab sofort die Pufferbereiche im Heimbereich rund um den Gästeblock erweitert.
Insgesamt wird ein tiefgreifendes Präventionskonzept erarbeitet, um die Abläufe am Spieltag nachhaltig zu verbessern und die Sicherheit für alle Beteiligten zu erhöhen.
Forderungen aus der Politik
Sachsens Innenminister Armin Schuster lobte Dynamo für die angekündigten Maßnahmen, forderte aber mehr als nur Worte und Absichten. „Es sind jetzt alle Register zu ziehen, denn die kommenden Heimspiele sind für Verein und Fanszene eine entscheidende Nagelprobe über die ehrliche Abkehr von Gewalt und Krawall“, sagte der CDU-Politiker. Er betonte die Notwendigkeit konsequenten Handelns.
Wie das Strafmaß des DFB ausfallen wird, bleibt vorerst offen. Bis zu diesem Freitagmittag haben die beiden beteiligten Vereine Zeit, Stellungnahmen abzugeben. Unabhängig davon rechnet man bei Dynamo Dresden mit einem erheblichen finanziellen und Imageschaden. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die umfassenden Maßnahmen greifen und die Gewalt im Umfeld des Vereins nachhaltig eindämmen können.



