Im ersten Halbfinal-Rückspiel der Champions League zwischen dem FC Arsenal und Atlético Madrid stand der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert im Mittelpunkt zahlreicher strittiger Szenen. Beim 1:0-Erfolg der Gunners, der den Finaleinzug bedeutete, hatte Siebert alle Hände voll zu tun. Während Ex-Profi Benedikt Höwedes und Schiedsrichter-Experte Lutz Wagner Siebert eine besonders gute Leistung bescheinigten, gab es in Spanien Kritik an dem Unparteiischen und seinem Team.
Höwedes lobt Siebert: „Sehr respektvoll“
„Daniel Siebert macht ein ganz, ganz tolles Spiel am heutigen Abend. Sehr unauffällig. Unaufgeregt das Spiel geleitet. Hat sich nicht von den Emotionen mitreißen lassen, die Simeone – und auch Arteta – hier in das Spiel reinbringen“, sagte der ehemalige Schalker Höwedes in der Nachspielzeit beim übertragenden Sender Prime Video. Höwedes verwies auf Sieberts Körpersprache und dessen Umgang mit den Spielern: „Ganz gelassen, sehr respektvoll. Das ist genau diese Schiedsrichterleistung, die du als Spieler auf dem Feld auch haben möchtest.“ Wagner pflichtete seinem Kollegen bei: „Sehe ich ganz genauso. Daniel ist ein sehr guter Fußballer. Er kann ein Spiel gut lesen.“
Spanische Presse bringt ihren Unmut zum Ausdruck
In Spanien hingegen fühlte man sich benachteiligt. Besonders eine Szene erhitzte die Gemüter: ein ausgebliebener Elfmeterpfiff in der 56. Minute. Arsenal-Verteidiger Gabriel Magalhaes war Atléti-Stürmer Antoine Griezmann im eigenen Sechzehner foulwürdig auf den Fuß gestiegen. Doch weil Marc Pubill zuvor Gabriel gefoult hatte, entschied Siebert auf Stürmerfoul. „Von der Pubill-Szene haben wir nur eine Wiederholung gesehen, und sie haben die einzige gezeigt, die wie ein Foul aussieht, aber für mich ist es auch kein Foul. Bei der Pubill-Szene ist wirklich nichts dran“, meinte der ehemalige Schiri Antonio Mateu Lahoz. „Der VAR (Bastian Dankert, Anm. d. Red.) entschied sich jedoch, nicht zu korrigieren“, wunderte man sich bei der Mundo Deportivo. „Darüber wird noch Jahrzehnte diskutiert werden“, titelte die spanische Zeitung Diario AS.
Simeone zeigt sich zufrieden
Der sonst durchaus polarisierende Diego Simeone zeigte sich allerdings einverstanden: „Es macht keinen Sinn, über diesen Elfmeter gegen Griezmann zu sprechen. Für uns war ganz klar, dass es im Vorfeld ein Foul eines unserer Spieler gegeben hatte, weshalb der Schiedsrichter den Elfmeter nicht gegeben hat“, zeigte sich der Argentinier zufrieden mit der Entscheidung des Schiedsrichterteams.
Kein Elfmeter – VAR interveniert nicht
Doch nicht nur diese Szene sorgte für Diskussionen. Bereits fünf Minuten zuvor hatte Atlético Elfmeter gefordert – doch der Kontakt von Magalhaes an Giuliano Simeone reichte Siebert nicht aus. Auch diese Szene wurde von Dankert gecheckt, eine klare Fehlentscheidung wurde dabei nicht festgestellt. Bei der Mundo Deportivo wurde sogar noch ein dritter potenzieller Elfmeter diskutiert. Riccardo Calafiori hätte Simeone im Strafraum umgestoßen (41.), auf dem Feld wurde jedoch auf Abseits entschieden. „Eine Abseitsstellung, die überraschenderweise nicht vom VAR überprüft wurde.“
Simeone vielsagend: „Für alle offensichtlich“
Dabei hatte die Mannschaft von Diego Simeone – der in der Nachspielzeit ebenso wie sein Gegenüber Mikel Arteta von Siebert verwarnt wurde – auch Glück, dass sie die Partie nicht in Unterzahl beenden mussten. Nach einer Umklammerung von Pubill gegen Viktor Gyökeres zückte Siebert „nur“ Gelb (81.) – dabei hatte die Szene durchaus auch als Notbremse gewertet werden können. Und während in den Medien munter diskutiert wurde, wollte Heißsporn Simeone von all dem nichts mehr wissen – auch von der Aufregerszene in der 56. Minute: „Da gibt es nichts zu sagen. Wir sind raus. (…) Wir machen einfach weiter mit unserer Arbeit, ohne uns mit einer Kleinigkeit aufzuhalten, die für alle offensichtlich ist“, meinte der Argentinier bei Movistar+.



