Die Formel-1-Welt und der paralympische Sport trauern um eine Ikone. Alessandro „Alex“ Zanardi ist am Samstag im Alter von 59 Jahren verstorben. Dies gab seine Familie am Samstag bekannt. Der Italiener, der sowohl als Rennfahrer als auch als Para-Radsportler Weltruhm erlangte, hinterlässt ein Vermächtnis des unbändigen Kampfgeistes.
Schwerer Unfall 2001 am Lausitz-Ring
Das Leben von Alex Zanardi veränderte sich am 15. September 2001 dramatisch. Während eines Rennens der Champ-Car-Serie auf dem Lausitz-Ring verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug und wurde von einem anderen Auto frontal getroffen. Bei dem Unfall erlitt er schwerste Verletzungen, die zur Amputation beider Beine oberhalb der Knie führten. Aufgrund des massiven Blutverlustes musste er siebenmal wiederbelebt werden. Als er in ein Berliner Krankenhaus eingeliefert wurde, befanden sich nur noch etwa ein Liter Blut in seinem Körper. Doch Zanardi kämpfte sich zurück ins Leben.
Comeback im Motorsport
Das Unglaubliche geschah: Trotz seiner Behinderung kehrte Zanardi in den Motorsport zurück. Zwischen 2005 und 2009 startete er für BMW in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) und bewies, dass er immer noch zu den Schnellsten gehörte. Bereits zuvor hatte er eine beeindruckende Karriere hingelegt: In der Formel 1 bestritt er zwischen 1991 und 1999 insgesamt 41 Rennen für Teams wie Jordan, Lotus und Williams. 1996 wechselte er in die US-amerikanische Indy-Cart-Serie, wo er sich einen herausragenden Ruf erarbeitete und zum „Rookie of the Year“ gewählt wurde. Später kehrte er in die Königsklasse des Motorsports zurück.
Erfolge im Para-Radsport
Ab 2011 widmete sich Zanardi dem Para-Radsport. Mit dem Handbike feierte er außergewöhnliche Erfolge. Bei den Paralympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro gewann er insgesamt vier Goldmedaillen. 2012 wurde er von der italienischen Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ zu „Italiens Sportler des Jahres“ gekürt. 2014 und 2015 nahm er zudem mit dem Handbike am Ironman auf Hawaii teil. Bereits 2007 hatte er den New-York-Marathon erfolgreich absolviert. Seine Leistungen machten ihn zu einem Symbol für Durchhaltevermögen und Siegeswillen.
Weitere Schicksalsschläge
Im Juni 2020 überlebte Zanardi einen weiteren schweren Unfall. Während eines Charity-Rennens in Siena wurde er von einem Lastwagen erfasst und schwer verletzt. Erst im Dezember 2021 konnte er das Krankenhaus verlassen. 2022 folgte ein Brand in seinem Haus, der einen weiteren längeren Krankenhausaufenthalt erforderte. Trotz aller Widrigkeiten blieb Zanardi bis zuletzt ein Vorbild für Millionen Menschen weltweit.
Die Sportwelt verliert mit Alessandro Zanardi eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die durch ihren unerschütterlichen Kampfgeist und Überlebenswillen unzählige Menschen inspiriert hat. Sein Vermächtnis wird weiterleben.



