Ostseeraum in Sorge: Politik und Wirtschaft diskutieren Sicherheit und Zusammenarbeit in Rostock
Ostseeraum in Sorge: Sicherheit und Zusammenarbeit in Rostock

Ostseeraum in Sorge: Politik und Wirtschaft diskutieren Sicherheit und Zusammenarbeit in Rostock

Mehr als 700 Politiker und Wirtschaftsbosse aus acht Ländern des Ostseeraums haben sich beim 3. Baltic Sea Business Day in Rostock getroffen, um Formen der Zusammenarbeit auszuloten. Die Veranstaltung in der Rostocker Stadthalle verzeichnete mit über 700 Anmeldungen einen Rekord, wie Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) betonte. Die Angst vor Russland und die Sicherheit der kritischen Infrastruktur waren dominierende Themen des Treffens.

Unternehmer fordern politische Unterstützung

Mittendrin zeigten sich besorgte Unternehmer wie Dirk Schröder, Logistik-Unternehmer von der Insel Rügen mit 80 Beschäftigten. „Ich erwarte, dass mal jemand sagt, wie es in dieser Situation weitergehen soll“, erklärte Schröder mit Blick auf Energiekrise, Inflation und die viel kritisierten Steuervorschläge aus Berlin. Er verglich die aktuelle Lage mit dem Endstadium der DDR 1986 und forderte von der Politik eine Umstellung des Steuersystems sowie weniger Lasten für die Wirtschaft.

Ministerpräsidentin Schwesig ging auf die Sorgen ein und betonte die Bedeutung der Wirtschaft in einer Zeit, „wo eine Krise die andere jagt“. Sie verwies auf das Handelsvolumen der Ostseeanrainerstaaten von jährlich 341 Milliarden Euro – mehr als mit China oder den USA – und rief zu engerer Zusammenarbeit auf, insbesondere zum Schutz kritischer Infrastruktur.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Internationale Vertreter suchen Kooperationen

Vertreter aus Dänemark, Schweden, Polen, Lettland und anderen Ostseeländern waren vor Ort. Viesturs Kleinbergs, Bürgermeister der Stadt Riga, reiste mit 30 Firmenvertretern aus Lettland an. „Sie sind nicht zum Schauen hier, sondern um Partner für reale Projekte zu finden“, sagte er. Kleinbergs betonte, dass Russlands Krieg die Welt für immer verändert habe.

Schwesig nannte bestehende Kooperationen als Beispiele, etwa die norwegische Firma Yara in Rostock oder die Haff-Dichtungen GmbH aus Ueckermünde, die Millioneninvestitionen in Lettland tätige.

Sicherheit der kritischen Infrastruktur im Fokus

Anna-Kaisa Ikonen, Ministerin für Kommunal- und Regionalverwaltung Finnlands, erklärte, Sicherheit sei zentral für den Ostseeraum. Datenkabel oder Häfen müssten gemeinsam geschützt werden. „Eine sichere Ostsee ist wichtig für uns alle“, so Ikonen.

Unternehmer wie Eyk-Uwe Paap, der in Rostock ein Taucherunternehmen führt, berichteten von zunehmenden Störungen in der Ostsee: Kabelschäden, orientierungslose Schiffe mit gestörtem GPS und Überwachung unter Wasser. Gleichzeitig spüre er ein wachsendes Bewusstsein im Umgang mit der Natur.

Kritik an mangelnder strategischer Ausrichtung

Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der Industrie- und Handelskammer Rostock, kritisierte die Politik: Er vermisse die Umsetzung einer Ostseestrategie der Landesregierung, etwa im Umgang mit Wasserstoff als Energie der Zukunft. „Unsere Unternehmen wollen stärker in den Ostseeraum – aber sie brauchen bessere politische Unterstützung, weniger Hürden und eine klare strategische Ausrichtung. Sonst ziehen andere Regionen an uns vorbei“, warnte Strupp. Angesichts der Energiekrise sei die Stimmung in Firmen gerade „ausgesprochen schlecht“.

Datensicherheit als existenzielle Frage

Gerd Chrzanowski, CEO der Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland), warnte davor, Sicherheit und Energieversorgung in fremde Hände zu legen. Um Demokratie und politische Freiheit abzusichern, müsse sich Europa unabhängig machen. Vor allem Datenschutz sei wichtig – seine Gruppe habe seit zehn Jahren eine eigene Cloud und errichte das größte Rechenzentrum Europas in Lübbenau.

„Ein Hackerangriff ist eine existenzielle Bedrohung für unsere Gesellschaft, die Versorgung und die Handlungsfähigkeit ganzer Länder“, so Chrzanowski drastisch. Auch in Mecklenburg-Vorpommern existieren Pläne für solche Projekte.

Am Rande der Veranstaltung sorgte Weitsprunglegende Heike Drechsler für Bewegung: Mit einem Gymnastik-Programm für Büromenschen erinnerte sie hunderte Politiker und Wirtschaftsbosse daran, dass „zu viel Sitzen nicht gesund“ ist.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration