Tillmann (2) leidet an CHD2: Mutter kämpft um behindertengerechtes Auto
Tillmann (2) mit CHD2: Mutter braucht behindertengerechtes Auto

Kampf um Mobilität: Mutter braucht Auto für kranken Sohn

Im beschaulichen Dorf bei Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern kämpft eine junge Mutter täglich um die bestmögliche Versorgung ihres schwer kranken Sohnes. Der fast dreijährige Tillmann leidet an der äußerst seltenen CHD2-Krankheit, einer genetisch bedingten neurologischen Entwicklungsstörung, die nicht heilbar ist. Für seine Mutter Aileen Fritz (36) wird jeder Alltag zur Herausforderung, denn ihr aktuelles Auto ist viel zu klein, um die zahlreichen medizinischen Hilfsmittel ihres Sohnes zu transportieren.

Ein langer Leidensweg bis zur Diagnose

Die Geschichte von Tillmann begann bereits vor seiner Geburt. Nach zwei Fehlgeburten war Aileen Fritz glücklich über ihre Zwillingsschwangerschaft, doch eines der Kinder entwickelte sich nicht normal. Trotz der Risiken entschied sie sich gegen eine Abtreibung und lehnte auch eine Fruchtwasserpunktion ab, um das andere Kind nicht zu gefährden. Bei der Geburt im Juni 2023 war Tillmann ein ganzes Kilo leichter als seine Zwillingsschwester und kam sofort auf die Intensivstation.

„Ich habe sofort gespürt, dass irgendetwas nicht stimmte“, erinnert sich die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und Mediengestalterin, als ihr Sohn nach einigen Monaten nicht wie seine Schwester griff und eigenartige Bewegungen mit den Armen machte. Ein monatelanger Ärztemarathon folgte: Fast jeden Monat bekam Tillmann eine Lungenentzündung, wurde auf Mukoviszidose und Allergien getestet, vertrug Medikamente nicht. Im Oktober 2024 kam der Wendepunkt, als der Junge in der Klinik Neubrandenburg plötzlich krampfte und nicht mehr aufhörte.

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Zwölf Wochen in Berlin brachten endlich Klarheit

Epilepsie-Medikamente zeigten keine Wirkung, und niemand fand die Ursache für Tillmanns Zustand. Doch Aileen Fritz gab nicht auf. Über eine Internet-Selbsthilfegruppe und hochgeladene Videos wurde sie auf Dr. Axel Panzer im Westend-Krankenhaus Berlin-Spandau aufmerksam. Zwölf Wochen verbrachten Mutter und Kind dort – mit dem lebensrettenden Ergebnis: Die Diagnose CHD2.

„Dr. Panzer, der hat uns gerettet“, erklärt die alleinerziehende Mutter, die neben den Zwillingen noch eine achtjährige Tochter hat. Dass Tillmann heute allein sitzen kann, grenzt fast an ein Wunder – andere Kinder in seinem Alter können längst laufen, ob er das jemals lernen wird, ist ungewiss.

Der Alltag wird zur logistischen Meisterleistung

Jede Woche absolviert Aileen Fritz ein straffes Therapieprogramm: Fahren nach Greifswald ins Sozialpädiatrische Zentrum, Logopädie in Altentreptow, zweimal Physiotherapie in Neubrandenburg, Krabbelgruppe in Sülten und Babyschwimmen. Für jede Fahrt muss sie einen Reha-Buggy, einen Reha-Tisch, medizinische Utensilien, Pflegehilfsmittel, einen großen Kindersitz, spezielle Nahrung (da Tillmann nicht richtig schlucken kann), Windeln, Unterlagen, Hygieneartikel und oft zusätzliche Kleidung (wegen häufigen Erbrechens) einpacken.

Hinzu kommen für das Wohlbefinden des Jungen unverzichtbare Gegenstände wie Toniebox, Gewichtsschlafsack und Lauftrainer. In ihrem kleinen Auto bleibt kein Platz für die Geschwister – Einkäufe, Ausflüge oder Zoobesuche mit der ganzen Familie sind nur mit zwei Fahrzeugen möglich.

Spendenaktion für dringend benötigtes Auto

Ein behindertengerecht umgebauter Caddy-Maxi wäre ideal, erklärt Aileen Fritz. Bei der Höhe eines solchen Fahrzeugs könnte sie den inzwischen fast 12 Kilogramm schweren Jungen leichter ins Auto bekommen. Ein gebrauchtes Fahrzeug dieses Typs kostet etwa 25.000 Euro – Geld, das die noch in Elternzeit befindliche Mutter nicht aufbringen kann.

Zwar hat sie bei den Behörden eine Kraftfahrzeughilfe beantragt, doch die Bearbeitung dauert. Deshalb hat Roland Nerstheimer, Musiker der Altentreptower Band „Atoll“, eine Spendenaktion über die Internetplattform „GoFundMe“ ins Leben gerufen. Unter dem Stichwort „Tillmann braucht eine Kraftfahrzeughilfe“ hofft er, dass genug Geld für die Anzahlung eines geeigneten Autos zusammenkommt. Jeder Cent hilft der Familie, mehr Mobilität und Lebensqualität für den kleinen Tillmann zu erreichen.

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