Tierseuchenkasse MV erhöht Beiträge drastisch: Kleingeflügelhalter in Not
Die Tierseuchenkasse Mecklenburg-Vorpommern (TSKMV) hat die Beiträge für Tierhalter deutlich angehoben, was insbesondere bei Kleingeflügelzüchtern auf massive Kritik stößt. Hintergrund sind die steigenden Entschädigungszahlungen aufgrund von Seuchenzügen wie der Vogelgrippe und der erst kürzlich aufgetretenen Maul- und Klauenseuche.
Wachtelhalter Sebastian Schwarzkopf wehrt sich
Sebastian Schwarzkopf, ein Hobbyzüchter von Wachteln aus Bennin im Landkreis Ludwigslust-Parchim, ist einer der Betroffenen. Er muss ab diesem Jahr 89 Cent pro Wachtel an die Tierseuchenkasse zahlen – fast das Dreifache des Vorjahresbeitrags von 32 Cent. „Wenn sich die Preise weiter erhöhen, werde ich mir überlegen müssen, ob sich eine private Haltung noch lohnt“, erklärt Schwarzkopf in einem Leserbrief. Er hat Widerspruch gegen die Beitragserhöhung eingelegt und kritisiert, dass die Kasse die Tierhalter abzocke.
Seuchenzüge treiben Kosten in die Höhe
Gunter Pannwitz, Chef der Tierseuchenkasse MV, begründet die Erhöhung mit den gestiegenen Seuchenfällen. Seit 2006 wurden in Mecklenburg-Vorpommern etwa 170 Fälle von Geflügelpest festgestellt, allein seit September letzten Jahres mehr als 20 Ausbrüche mit über 430.000 betroffenen Tieren. Land und Kasse haben seit 2006 mehr als 14 Millionen Euro an Entschädigungen gezahlt.
In diesem Winter hatte die Vogelgrippe verheerende Auswirkungen: Bereits 3,3 Millionen Euro wurden an Entschädigungen gezahlt, verglichen mit 2,5 Millionen Euro im Vorjahr. Weitere Zahlungen stehen noch aus. Die Entschädigungen übersteigen die eingezahlten Beiträge bei weitem, insbesondere für sonstiges Geflügel wie Wachteln oder Perlhühner.
Beiträge und Entschädigungen im Detail
Die Tierseuchenkasse MV funktioniert wie eine Versicherung: Bei Verlusten durch Tierseuchen leistet sie Entschädigungen, finanziert durch Beiträge der Tierhalter und Zuschüsse des Landes. Die maximale Entschädigung beträgt:
- 6000 Euro für Pferde, Esel, Maulesel und Maultiere
- 4000 Euro für Rinder einschließlich Bisons und Wasserbüffel
- 1500 Euro für Schweine
- 1000 Euro für Gehegewild
- 800 Euro für Schafe und Ziegen
- 110 Euro für Geflügel
Die Beitragserhöhungen betreffen nicht nur Geflügel, sondern auch andere Tierarten. So steigen die Beiträge für Rinder um einen Euro auf 4,30 Euro je Tier und für Schafe von 1,30 auf 1,60 Euro je Tier.
Rücklagenbildung und Zukunftssorgen
Um für künftige Seuchenfälle gewappnet zu sein, baut die Tierseuchenkasse Rücklagen auf. Bis Ende letzten Jahres wurden bereits 22 Millionen Euro angesammelt, darunter 7,3 Millionen für Rinder und 5,4 Millionen für Geflügel. Die Erhöhung der Entschädigung für Geflügel von 50 auf 110 Euro und die steigenden Kosten für die Tötung betroffener Bestände machen diese Maßnahmen notwendig, so Pannwitz.
Dennoch fürchten Kleingeflügelhalter wie Schwarzkopf um ihre Existenz. „Die Konsequenzen werden sein, dass es irgendwann keine Tierhaltung mehr von Privatleuten geben wird“, warnt er und rechnet mit Preiserhöhungen für Wachteleier. Die Tierseuchenkasse sieht sich trotz der Kritik gut aufgestellt, um künftige Krisen zu bewältigen.



