Polizei-Neubau in Bad Doberan: Teurer als Vorbild, aber günstiger als geplant
Für Millionenbeträge entsteht in Bad Doberan ein neues Polizeirevier, das größer und teurer wird als das Referenzgebäude in Heringsdorf. Dennoch liegen die aktuellen Kostenschätzungen unter den ursprünglichen Angaben. Kritik gibt es vor allem an der geplanten Anzahl der Parkplätze.
Bauvorbereitungen starten im Sommer
Ab Sommer sollen die bauvorbereitenden Maßnahmen für das neue Polizeirevier in Bad Doberan beginnen. Die Fertigstellung ist für Ende 2029 vorgesehen. Die bisherige Liegenschaft in der Dammchaussee stammt teilweise aus dem Jahr 1905 und ist dringend sanierungsbedürftig. Schon zu DDR-Zeiten war dort die Volkspolizei untergebracht.
Vergleich mit dem Vorbild in Heringsdorf
Das neue Gebäude orientiert sich am Polizeirevier in Heringsdorf, das 2021 fertiggestellt wurde. Allerdings handelt es sich laut Landesregierung um eine konsequente Weiterentwicklung des Referenzmodells. So erhält der Neubau ein zusätzliches Geschoss und erweiterte Funktionsbereiche.
Während das Heringsdorfer Revier bei 1174 Quadratmetern Nutzfläche rund 5,5 Millionen Euro kostete, werden für Bad Doberan bei 1520 Quadratmetern nun 13 Millionen Euro veranschlagt. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von 8552 Euro gegenüber 4684 Euro in Heringsdorf.
Kostensenkung trotz gestiegener Baupreise
Interessanterweise sind die aktuellen Kostenschätzungen niedriger als die im Herbst gemeldeten 16 Millionen Euro. Das Finanzministerium betont, dass die ursprüngliche Planung im Wesentlichen bestehen bleibt. Die Differenz ergebe sich aus dem fortgeschrittenen Planungsstand und präzisierteren Kostenannahmen.
Die höheren Kosten im Vergleich zu Heringsdorf erklärt das Ministerium mit:
- Signifikanten Baupreisentwicklungen seit 2017
- Weiterentwicklung des Baukonzepts
- Erweiterten funktionalen Anforderungen
- Höherem Anteil an Neben- und Verkehrsflächen
Ausstattung und energetische Standards
Das viergeschossige Gebäude wird als Stahlbetonskelettbau errichtet und umfasst:
- Technisch ausgestattete Gewahrsams-, Asservaten- und Vernehmungsräume
- Laborräume für Spurenaufbereitung
- Fitness- und Geräteraum für Mitarbeiter
- Zwei Gewahrsamszellen (keine separaten für Kinder oder Jugendliche)
- Überall Warmwasser
- Solarpaneele auf dem Dach
Eine Sauna oder Kantine ist nicht vorgesehen. Die energetischen Anforderungen werden laut Ministerium übererfüllt.
Kritik an der Parkplatzplanung
Besonders kontrovers ist die geplante Anzahl der Parkplätze. Für etwa 80 Beschäftigte sind nur 23 Stellplätze vorgesehen. Christian Schumacher von der Gewerkschaft der Polizei in MV kritisiert: Es ist schön, dass ein neues Polizeirevier gebaut wird, aber dass dort 80 Beschäftigte arbeiten sollen und auf dem Gelände nur für etwa ein Viertel von ihnen Parkplätze vorgesehen sind, ist ein Problem.
Bad Doberan sei eher ein Landrevier, sodass viele Polizisten mit dem Auto zur Arbeit fahren. Zudem seien die Planungen auf den aktuellen Ist-Stand ausgerichtet und berücksichtigen nicht mögliche Verstärkungen des Standorts in der Zukunft.
Weitere Details zum Bauprojekt
Der Außenbereich erhält neben den Parkplätzen auch Lagerräume, Garagen und Elektro-Ladesäulen für den Dienstbetrieb. Für Stromausfälle ist eine Netzersatzanlage zur Notstromversorgung vorgesehen. Das alte Revier soll nach derzeitiger Planung veräußert werden.
Insgesamt ist der Neubau Teil eines landesweiten Programms, bei dem sieben neue Polizeireviere errichtet werden sollen. Das Bad Doberaner Projekt zeigt dabei die Herausforderungen moderner Polizeiarchitektur: zwischen gestiegenen Baupreisen, erweiterten funktionalen Anforderungen und praktischen Bedürfnissen der Mitarbeiter.



