Gutshaus Eickelberg: Geburtshaus-Bewohner hilft neuer Besitzerin bei historischer Rettung
Gutshaus Eickelberg: Geburtshaus-Bewohner hilft bei Rettung (12.02.2026)

Gutshaus Eickelberg: Ein Zeitzeuge kehrt zurück, um sein Geburtshaus zu retten

Das Gutshaus Eickelberg hat bewegte Zeiten durchlebt: Kriegswirren, Enteignungen und sogar eine Nutzung als DDR-Jugendwerkhof prägten seine Geschichte. Nun beginnt ein neues, hoffnungsvolles Kapitel, getragen von persönlichen Erinnerungen, unermüdlichem Engagement und viel Herzblut. Die neue Besitzerin Anja Kannenberg aus Alt Krassow bei Teterow hat sich der Rettung des historischen Gebäudes verschrieben und erhält dabei unschätzbare Unterstützung von einem besonderen Zeitzeugen.

Ein Foto erzählt Geschichte: Vom Steppke zum wandelnden Ortsgeschichtsbuch

„Das ist der kleine Jürgen Tack“, sagt Anja Kannenberg und zeigt auf ein entzückendes Foto aus dem Jahr 1947. Es zeigt einen stolzen Jungen mit einem Instrument in der Hand. Dieser Junge ist gewissermaßen ein Kind des Gutshauses Eickelberg – er wurde 1947 dort geboren und wuchs bis 1954 in seinen Mauern auf. Heute gilt Jürgen Tack als wandelndes Ortsgeschichtsbuch, hat sogar ein Buch über Eickelberg verfasst und unterstützt mit seiner Tochter und Enkelin tatkräftig die Sanierungsarbeiten.

„Wenn einer Eickelberg kennt, dann bin ich das“, sagt Tack selbstbewusst. Seine Familie war tief verwurzelt in der Region: Sein Großvater war Dorfschullehrer und Küster, der 1945 von den Russen als Bürgermeister eingesetzt wurde. Sein Vater arbeitete als Inspektor bei verschiedenen Gutsherren und hatte Landwirtschaft gelernt. Die Kriegs- und Nachkriegszeit war hart: Pferde mussten abgegeben werden, man wirtschaftete mit Ochsen und Eseln, und Teile des Gutshaus-Mobiliars wurden für Tierarztkosten veräußert.

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Ein Wintergarten kehrt zurück: Historischer Altan wird wieder windgeschützt

Ein wichtiger Meilenstein in der Sanierung steht unmittelbar bevor. Der um 1920 angebaute Umgang, der lange Zeit offen und zugig war, wird wieder zu einem richtigen, windgeschützten Wintergarten. „Die großen Fenster und die restaurierte Eingangstür werden zurückkehren und durch die Tischlerei Rossnagel aus Bützow wieder eingebaut“, erklärt Anja Kannenberg. Diese Maßnahme wird dank der Unterstützung von Sponsoren und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie anhand historischer Fotografien realisiert.

Die Fertigstellung dieses Bauabschnitts soll am Freitag, dem 27. März, feierlich begangen werden. Um 12 Uhr beginnt eine Andacht zur Wiedereinweihung des Altans im Wintergarten und Foyer. Eingeladen sind Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Jugendliche der Jugendbauhütte, die im vergangenen Jahr an dem Denkmal gearbeitet haben, Mitglieder des Schlösservereins, Gutsherren der Nachbarschaft, die Dorfgemeinschaft, Bewohner der Nachbardörfer – und natürlich alle ehemaligen Bewohner des Hauses mit ihren Familien.

Bewegte Vergangenheit: Vom Gutsherren-Tod bis zum Jugendwerkhof

Jürgen Tack kennt die wechselvolle Geschichte des Hauses bis ins Detail. Sein Vater musste nach Stalingrad, kehrte wie durch ein Wunder zurück, wurde jedoch wegen seiner Wehrmachtsuniform in Güstrow inhaftiert. „Aber kraft seines Amtes hat mein Großvater ihn da wieder rausgeholt“, berichtet Tack. Da der Vater kein Land mehr besaß, kehrte er zum Großvater nach Eickelberg zurück ins Gutshaus, wo neben der Familie auch viele Umsiedler untergebracht waren.

Der Gutsherr aus der Familie von Lützow, der Eickelberg seit Jahrhunderten gehörte, durfte nach dem Einmarsch der Russen noch zwei Zimmer im Gutshaus behalten. Unglücklicherweise stürzte er dann die Treppe hinab und verstarb an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruchs. In der DDR-Zeit wurde das Gebäude unter anderem als Jugendwerkhof genutzt, was seine Spuren hinterließ.

Visionen für die Zukunft: Wohnen, Ferien und Gastronomie

Vor einigen Jahren erwarb Anja Kannenberg das mehrfach umgebaute Gutshaus und saniert es Schritt für Schritt. „Weil dieses Haus an diesem schönen Ort einfach gerettet werden muss“, begründet die energische Gutshausherrin ihr Engagement. Nichtstun ist für sie keine Option.

Sie hat bereits konkrete Pläne, wie das Gutshaus Eickelberg weiter mit Leben erfüllt werden kann:

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  • Eine Dauerwohnung und mehrere Ferienwohnungen sollen entstehen
  • Gastronomische Angebote sollen Besucher einladen
  • Kerstin Hegermann-Basche vom Bützower Café Stine plant, im Sommer ein Café im Gutshaus zu betreiben

„Ich finde das total schön, und es ist auch das Besondere an diesem Gutshaus, dass sich die Menschen hier so sehr damit identifizieren“, sagt Anja Kannenberg über die Unterstützung durch Jürgen Tack und seine Familie. Gemeinsam schreiben sie ein neues Kapitel in der Geschichte des Gutshauses Eickelberg – ein Kapitel der Rettung, der Erinnerung und der Zukunft.